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Kirchenjahr und Brauchtum

Rhythmus des Lebens

Gänsehaut beim Lied "Stille Nacht" an Heiligabend vor Christbaum und Krippe. Ein erhebender Moment, wenn in der Osternacht die zunächst dunkle Kirche in hellem Licht erstrahlt und die Orgel das Gloria und das Halleluja anstimmt. Mariä Himmelfahrt mit den Kräutersträußen - ein Erlebnis für die Sinne. Die kirchlichen Festzeiten und ihre Bräuche prägen den Jahresablauf von Menschen weit über den Kreis der Gottesdienstbesucher hinaus. Das gilt besonders auch für die Tage des Fastens und der Neuorientierung vor Ostern sowie für das Erinnern an verstorbene Angehörige und Vorbilder im November. Das Kirchenjahr als Orientierung und Rhythmus in der fließenden Melodie des Lebens.

Schwäbische Hochzeitssuppe selber machen

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Fasnetsküchle nach Horber Familienrezept

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Bräuche rund ums Jahr - Kräutersträuße zu Maria Himmelfahrt

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Bräuche rund um's Jahr - Ein Erntedankbild für den Erntedankaltar

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Bräuche rund um's Jahr - Martinsgänse backen zu St. Martin

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Bräuche rund ums Jahr - Wurzelkrippe zu Weihnachten selbermachen

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Bräuche rund ums Jahr: Räuchern zwischen den Jahren

Bräuche rund ums Jahr: Räuchern zwischen den Jahren

Erklärungen und Hintergründe


Advent und Weihnachten mit Krippendarstellungen in der Diözese

Erster Adventssonntag

„Wachet und betet alle Zeit“

Der erste Advent stellt das Warten auf die Wiederkunft Christi in den Mittelpunkt. Zeichen am Himmel deuten sein Kommen an. Sie sollen die Menschen wachrütteln und in Verbindung mit Gott bringen (Lukasevangelium 21,25-28.34-36).

Für das Evangelium des ersten Adventssonntags war es schwierig, ein figürliches Motiv zu finden. Das Plakat des Krippenweges im Kloster Bonlanden östlich von Ochsenhausen mit dem Sternenhimmel aus dem Jahr 2012 schließt diese Lücke. Davor betet Franziskus, der Erfinder der Inszenierung der Weihnachtsgeschichte.

Zweiter Adventssonntag

„Bereitet dem Herrn den Weg“

Johannes verweist auf den, der da kommen soll. Ein großes Ereignis will gut vorbereitet sein. Der Advent ist die Zeit, um das Herz für Weihnachten, für die Geburt Jesu bereit zu machen. Dazu mahnt der Täufer (Lukasevangelium 3,1-6).

Die Johannesfigur ist ein Ausschnitt des Krippenweges im Kloster Bonlanden östlich von Ochsenhausen im Jahr 2012.

Dritter Adventssonntag

„Was sollen wir tun?“

Menschen fragen Johannes, wie Umkehr gehen soll. Er gibt konkrete Tipps: Teilt, betrügt nicht und misshandelt nicht. Und der Täufer verweist auf den, der stärker ist als er. Jesus wird die Erwartung des Volkes erfüllen (Lukasevangelium 3,10-18).

Die Figur des Johannes, der Jesus im Jordan tauft, zeigte die Böbinger Jahreskrippe im Haus Nazareth (Schlössle) im Jahr 2006. Sie präsentiert jedes Jahr gut 30 Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie aus dem Leben verschiedener Heiliger.

Vierter Adventssonntag

„Selig ist, die geglaubt hat“

Zwei schwangere Frauen begegnen sich - Elisabeth und Maria. Beide tragen bedeutende Gestalten im Mutterschoß. Johannes, der Vorläufer, und Jesus, der erwartete Messias. Maria hat ihr Ja dazu gesagt. Die Freude ist groß (Lukasevangelium 1,39-45).

Die Figuren von Maria und Elisabeth standen so 2010 in der Böbinger Jahreskrippe im Haus Nazareth (Schlössle). Diese präsentiert jedes Jahr gut 30 Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie aus dem Leben verschiedener Heiliger.

Weihnachten

„Heute ist euch der Retter geboren“

Maria und Josef in goldbesetzten Gewändern betrachten das in Tücher gewickelte Jesuskind in der Krippe. Auch Ochs und Esel - im Evangelium (Lukasevangelium 2,1-14) nicht erwähnt - sind aus der Weihnachtsszene nicht wegzudenken. Aber war die Geburt nach erfolgloser Herbergsuche im Stall vor Betlehem so idyllisch?

Das Bild der Szenerie im Stall von Betlehem stammt aus Schwarzenbach bei Wangen im Allgäu. 2006 begann der Krippenverein in Hörbranz-Lochau am österreichischen Bodenseeufer mit dem Bau der orientalischen Kirchenkrippe. Ursprünglich für die eigene Pfarrkirche geplant, dort aber nicht mehr benötigt, erwarb sie schließlich die Kirchengemeinde St. Felix und Regula im Wangener Ortsteil Neuravensburg.

Erscheinung des Herrn

„Da fielen sie nieder und huldigten ihm“

Prächtige Kamele ziehen durchs Stadttor von Betlehem. Sie tragen die Weisen aus dem Osten zur Krippe. Ein Stern führte sie zum Jesuskind. Sie steigen ab, fallen auf die Knie und bringen Geschenke  (Matthäusevangelium 2,1-12). Im Kind erkennen sie den himmlischen König.

Das Bild des Einzugs der Sterndeuter - traditionell als Könige gekleidet -  stammt aus Schwarzenbach bei Wangen im Allgäu. 2006 begann der Krippenverein in Hörbranz-Lochau am österreichischen Bodenseeufer mit dem Bau der orientalischen Kirchenkrippe. Ursprünglich für die eigene Pfarrkirche geplant, dort aber nicht mehr benötigt, erwarb sie schließlich die Kirchengemeinde St. Felix und Regula im Wangener Ortsteil Neuravensburg.


Karwoche und Osterzeit mit Liturgischen Diensten in der Diözese

Palmsonntag

Lektorin am Palmsonntag

Lektorinnen und Lektoren tragen in der Eucharistiefeier biblische Lesungen vor und bringen die Bitten der Gemeinde vor Gott. Sie können auch in anderen Gottesdienstformen Texte vorlesen oder wie in Aalen bei den Vermeldungen Informationen aus dem Gemeindeleben weitergeben.

„Der Palmsonntag beinhaltet die ganze Karwoche“, erzählt Christine Abele-Merz. Die Lektorin in der Kirchengemeinde St. Maria in Aalen findet den Wechsel vom Jubel beim Einzug zum Vorlesen der Leidensgeschichte Jesu „ziemlich krass“.

Am Sonntag vor Ostern erinnern die Gottesdienste daran, wie Jesus ins religiöse und politische Zentrum Jerusalem kam. Die Nachricht von den ergreifenden Worten und Wundertaten des Wanderpredigers hatte sich längst verbreitet. So begrüßten ihn jubelnde Menschenmassen am Straßenrand und wedelten dabei vor Freude mit Palmzweigen. Auch in Aalen werden daher am Palmsonntag zum Teil kunstvoll verzierte Palmzweige und -büschel auf dem Kirchplatz gesegnet und feierlich in die Kirche getragen.

„Als Kind empfand ich die Leidensgeschichte als angeklebt“, räumt Christine Abele-Merz ein. Gerne hätte sie die festlich-freudige Atmosphäre bewahrt. Als Lektorin liest die 47-Jährige aber inzwischen selbst die traurige Fortsetzung. Die Menge, die Jesus eben noch jubelnd begrüßt hatte, brüllt kurze Zeit später: Ans Kreuz mit ihm.

Aus der Perspektive einer Erwachsenen entdeckt sie aber auch in der Leidensgeschichte Ermutigendes. Jesus wird zwischen zwei Verbrechern gekreuzigt. Dem einen, der Reue zeigt, verspricht er das Paradies. „Bis zum Schluss sind Begegnungen mit Jesus heilsame Begegnungen“, betont die Mutter, die sich um mehrere Pflegebedürftige in der Familie kümmert. Damit diese Botschaft ankommt, liest sie die Texte vorher gut durch, bevor sie als Lektorin ans Pult tritt.

Gründonnerstag

Kommunionhelfer am Gründonnerstag

Eucharistiehelferinnen und -helfer sind vom Bischof dazu beauftragt, in Messfeiern und Wort-Gottes-Feiern ihrer Kirchengemeinde die Kommunion auszuteilen.

„Die Eucharistie ist das Zentrale, das geschieht heute“, freut sich Rosa Weiß. Die Kommunionhelferin in der Kirchengemeinde St. Georg in Gunningen wirkt erstmals bei der Gründonnerstagsmesse mit, wo Leib und Blut Christi in Brot und Wein den Gläubigen gereicht werden.

Am Abend vor seinem gewaltsamen Tod hinterlässt Jesus den engsten Vertrauten sein Testament. Das Vermächtnis, auf das sich die Kirche bis heute beruft, besteht aus zwei Zeichen. Zuerst übernimmt der Meister den Sklavendienst und wäscht seinen Freunden die Füße. Wenn Pfarrer Thomas Schmollinger in Gunningen zwölf Gemeindemitgliedern der Seelsorgeeinheit Trossingen Wasser über die Füße gießt, stellt er sich als dienender Leiter in die Nachfolge Jesu.

Das zweite Zeichen ist das Versprechen Jesu, in Brot und Wein, im gemeinsamen Beten und Teilen, Essen und Trinken bei den Seinen zu bleiben. „Als Eucharistiehelfer sind wir in den Dienst eingebunden wie die Jünger damals beim Abendmahl“, erklärt Harald Weiß. Und seine Frau Rosa ergänzt, dass die Ehrfurcht der Leute bei der Kommunion auch sie selbst im Glauben stärke.

Dass der feierliche Abendmahlsgottesdienst an Gründonnerstag in Stille endet und die anschließenden Betstunden an die Gefangennahme Jesu im Garten Getsemani und sein Leiden und Sterben erinnern, ist für Rosa Weiß kein Widerspruch. Sie erinnert sich, dass ein Pfarrer beim Zeigen des gebrochenen Brotes in der Messe immer gesagt habe: „Jesus, für uns gebrochen, dass wir am Leben nicht zerbrechen.“ Und so schöpfen die 61-Jährige und ihr 70-jähriger Mann aus dem liturgischen Dienst immer wieder Kraft und Mut für ihr Leben.

Karfreitag

Ministranten am Karfreitag

Ministrantinnen und Ministranten sind meist Kinder und Jugendliche, die in Vertretung der ganzen Gemeinde die Gaben zum Altar bringen und mit Leuchtern, Vortragekreuz und Fahnen, mit Glockenklang und Weihrauch die Feierlichkeit der Gottesdienste unterstreichen.

„Da ist eine bedrücktere Stimmung“, beschreibt Ronja die Karfreitagsliturgie im Vergleich zu anderen Gottesdiensten. Die Ministranten der Rottenburger Moriz-Gemeinde geben mit dem hölzernen Hämmern der Rätschen die Schläge auf die Nägel am Kreuz Jesu wieder und verkünden somit seinen Tod.

Das Gefühl der Gottverlassenheit schwebte über Golgota, als Jesus am Kreuz mit dem Tod rang. So beschreibt es jedenfalls der Evangelist Johannes, dessen Leidensgeschichte im Mittelpunkt der Karfreitagsliturgie steht. In der Rottenburger Morizkirche versammeln sich die Gläubigen am Nachmittag zu der Stunde, in der Jesus sein irdisches Leben aushauchte. Sein Tod steht auch für das Leiden und Sterben so vieler Menschen heute, die in der Verehrung des Kreuzes Jesu Solidarität spüren und neue Hoffnung schöpfen.

„Für uns Minis ist da nicht viel zu tun“, erzählt Lukas. Der Altardienst wird bei der schlichten und kargen Karfreitagsliturgie nicht benötigt – und bei der Kreuzverehrung hilft der Diakon. Aber die schöne Brustplakete bleibt an diesem Tag im Schrank. Durch ihren liturgischen Dienst werden die Ministranten dennoch ins Geschehen einbezogen. „Es ist etwas Besonderes dabei zu sein, nicht nur als Zuschauer“, betont Lukas.

Anstrengender ist für die Moriz-Ministranten der Dienst auf dem Turm. „Glocken sind ein fröhlicheres Symbol als das Geräusch der Rätschen“, erläutert Ronja. „Daher schweigen die Glocken an diesem Tag“, ergänzt Lukas. Die beiden Oberministranten und ihre Minikollegen ab 14 Jahren drehen zu den üblichen Läutezeiten die Kurbeln, die die hölzernen Hämmer auf den Klangkasten der beiden Rätschen krachen lassen. „Das geht ziemlich in die Arme“, stöhnt Lukas. Die lange Rätschtradition wollen die beiden 18-Jährigen aber keinesfalls abbrechen lassen.

Osternacht

Mesner in der Osternacht

Mesnerinnen und Mesner kümmern sich in Sakristei und Kirche um den würdigen Rahmen der Gottesdienste. Sie besitzen Fachwissen zum Bedienen der technischen Geräte und einen Einblick in die liturgischen Abläufe.

„Wenn die Gemeinde das Halleluja singt, wird die Osterfreude für mich spürbar“, erzählt Rolf Müller. Der Mesner der Kirchengemeinde St. Martin in Wangen im Allgäu hat bis zu diesem Zeitpunkt bereits alle Hände voll zu tun. Für die Feier der Osternacht gibt es einiges vorzubereiten.

Die Frauen waren ziemlich irritiert, als sie in der Morgendämmerung an das Grab Jesu kamen. Es war leer. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten“, wurden sie gefragt. Umgehend machten sie sich auf den Weg und erzählten den Lebenden von der Auferstehung, dem hellen Licht an dem dunklen Punkt, an dem es scheinbar nicht mehr weitergeht. Zeichen dafür ist heute das Osterfeuer, das viele Gemeinden am Karsamstagabend entzünden. St. Martin feiert die Osternacht in diesem Jahr erstmals am Sonntag früh.

„Die Osternacht ist trotz Routine immer etwas aufregend“, gibt Rolf Müller zu. Zum zwanzigsten Mal richtet der Mesner nun die Holzscheite für das Feuer her, befüllt große Zuber mit dem Osterwasser zum Mitnehmen und für das Taufbecken und stellt die Figur des Auferstandenen aufs Podest. „Die Familie muss hinter dem Beruf stehen“, bemerkt der gewissenhafte Kirchenmitarbeiter. Sie muss in diesen Tagen öfter auf ihn verzichten.

Mesner ist ein liturgischer Dienst, der selten im Rampenlicht steht. Dennoch hat er großen Einfluss darauf, dass die Osterfreude bei den Mitfeiernden ankommt. Er stellt den Lautsprecher angenehm ein, heizt den Kirchenraum und wählt die zur Feststimmung passende Beleuchtung aus. Rolf Müller vergleicht seinen Dienst am Altar mit dem am Tisch zu Hause. „Du kannst noch so ein gutes Essen haben. Wenn die Tafel nicht stimmt, wird daraus nie ein Festmenü“, betont er mit einem Lächeln.

Ostern

Kirchenmusiker an Ostern

Kirchenmusikerinnen und -musiker leiten verschiedene Chöre und spielen die Orgel und gestalten Gottesdienste auf vielfältige Weise mit. Einige haben weitere Aufträge auf Dekanatsebene, in der Ausbildung von Nachwuchsmusikern oder als Orgelsachverständige.

„Ich glaube, dass die Musik den Menschen gut tut – eingebettet in den liturgischen Ablauf“, verrät Regionalkantor Michael Müller. Der Kirchenmusiker der Münstergemeinde St. Johannes in Bad Mergentheim hat für das Osterhochamt die Missa brevis in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart einstudiert.

Tot und begraben – das ist unumkehrbar. Die Freundinnen und Freunde Jesu erleben den Gekreuzigten aber drei Tage nach seiner Hinrichtung in ihrer Mitte. Die Begegnung mit ihm verändert ihr Leben. Der Tod hat seine endgültige Macht verloren. Der Jubel darüber erklingt auch im österlichen Gottesdienst in Bad Mergentheim. Instrumente und Gesang geben der Eucharistiefeier festlichen Glanz.

Ostern ist der höchste Feiertag der Christen, auch wenn Weihnachten mit der Geburt des Kindes etwas mehr zu Herzen geht. „An Ostern ist das Münster trotzdem voll – sicher auch wegen der Kirchenmusik“, vermutet Michael Müller. Denn er spult mit seinem Chor nicht das Geübte ab, sondern gestaltet während des Musizierens den Spannungsbogen der Liturgie. „Ich achte auf Nuancen, etwa wie lange die Pausen sein müssen“, erklärt der Kirchenmusikdirektor.

Die Mozart-Messe an Ostern ist ein Klassiker. Michael Müller hinterfragt jedoch gerne auch Traditionen und wagt sich an Neues. Außer im Münsterchor bringt er seine Ideen ebenso in die Chöre mit Kindern und Jugendlichen und in die Choralschola ein. Eine Tradition stellt er allerdings nicht in Frage. Das Osterhochamt schließt mit dem berühmten Händel-Halleluja. „Für viele ist es vorher nicht Ostern“, schmunzelt der 50-Jährige.

Fronleichnam

Prozessionsfest mit Raum für Ökumene

Zur Person: Martin Riehle ist 43 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Vor etwa 35 Jahren erlernte er selbst das Trompetenspiel im Tübinger Posaunenchor, den er seit 1999 dirigiert. Der Leiter des Bereichs Berufsschule in der kaufmännischen Wilhelm-Schickard-Schule in Tübingen beherrscht auch den Kontrabass und wirkt seit langem in Sinfonieorchestern und Kammermusikensembles der Region mit. / Foto: Markus Neff (2011)

Seit Martin Riehle denken kann, gestaltet der evangelische Posaunenchor den katholischen Fronleichnamsgottesdienst der Tübinger Innenstadtgemeinden auf dem Marktplatz musikalisch. Der Dirigent – gerade in Elternzeit – gibt Einblick in seine Sicht des Feiertags.

Herr Riehle, wie haben Sie Ihren ersten Fronleichnamsgottesdienst auf dem Tübinger Marktplatz erlebt?

Martin Riehle: Den ersten Fronleichnamsgottesdienst auf dem Marktplatz habe ich als Kind erlebt. Da war der ganze Marktplatz voller Menschen und es roch nach Weihrauch. Das war eine ganz festliche Atmosphäre.

Was kommt denn bei Ihnen als Protestant an, warum die Katholiken dieses Fest feiern?

Riehle: Fronleichnam kenne ich als Hochfest des Leibes Christi in einer Eucharistiefeier. Und in Tübingen erlebe ich Fronleichnam immer als Feier der christlichen Gemeinschaft für ein friedliches und gutes Miteinander, in der Jesus mitten unter uns ist.

Gibt es Eigenheiten in der katholischen Liturgie, die für einen evangelischen Posaunenchor eher ungewohnt sind?

Riehle: Für uns sind viele liturgischen Bestandteile der katholischen Messe ungewohnt. Spannend ist das vor allem, weil viele Teile sofort ohne Ansage gespielt werden müssen und dann 25 Bläser ohne Verzögerung startklar sein müssen. Das Gloria nach der Vergebungsbitte, die Kyrierufe oder die Zwischengesänge bei den Lesungen sind Beispiele dafür.

Auf dem Platz beten Katholiken aller Tübinger Stadtkirchengemeinden und in den Häusern rundherum stehen die Menschen gerade auf und genießen den freien Tag mit einem Frühstück. Passt für Sie ein solcher Gottesdienst mitten in die Stadt?

Riehle: Gottesdienst außerhalb der Kirche hat in Tübingen ja eine große Tradition, ob an Palmsonntag auf dem Sternplatz,an Himmelfahrt im Botanischen Garten oder beim Inselgottesdienst auf der Neckarinsel. Da finden seit vielen Jahren ökumenische Gottesdienste statt. Draußen ist man der Schöpfung Gottes besonders nah. Das ist schön für mich. Und die Kirche kommt zu den Menschen und lädt zum Mitfeiern ein. Dafür ist der Marktplatz mitten in der Stadt genau der richtige Ort.

Fronleichnam und Ökumene bringen viele auf den ersten Blick nicht zusammen. Sehen Sie eine Verbindung?

Riehle: Fronleichnam ist auch für mich kein ökumenisches Fest. Es ist aber ein Fest mit Raum für Ökumene. Das spürt man auf dem Tübinger Marktplatz besonders und dazu gehört auch das selbstverständliche Mitwirken durch den evangelischen Posaunenchor.


DRS-Bildimpulse im Kirchenjahr

Erster Adventssonntag

Die Völker suchen Frieden

Der Psalm in der Sonntagsliturgie antwortet auf die Vision des Buches Jesaja, in der aus Schwertern Pflugscharen werden und der Krieg aufhört. Symbolischer Ort für Gottes Frieden ist der Berg Zion, ist Jerusalem.

Zweiter Adventssonntag

Gerechtigkeit schafft Frieden

Der Psalm in der Sonntagsliturgie verstärkt die Vision des Buches Jesaja von einer gerechten Welt, in der niemand dem anderen etwas Böses tut, in der Wolf und Lamm – und ganz unterschiedliche Menschen - gut miteinander leben.

Dritter Adventssonntag

Fürchtet euch nicht

Der Psalm in der Sonntagsliturgie unterstreicht die Zusage des Buches Jesaja, dass Gott auch in scheinbar aussichtslosen Situationen Möglichkeiten hat. Er macht denen, die alles verloren oder sich selbst aufgegeben haben, Mut neu anzufangen.

Vierter Adventssonntag

Gott hilft den Suchenden

Der Psalm in der Sonntagsliturgie verdeutlicht die Auswirkungen des Zeichens im Buch Jesaja: Die Jungfrau wird ein Kind zur Welt bringen und ihn „Gott mit uns“ nennen. Er wird ein Segen sein für die ganze Erde und hilft den Menschen, die nach ihm auf der Suche sind.

Weihnachten

Alle sehen Gottes Heil

Der Psalm in der Liturgie am Weihnachtstag greift Freude und Jubel auf, mit denen das Buch Jesaja den Herrn willkommen heißt. Der lange Erwartete bringt Frieden und tröstet sein Volk. Alle Welt erfährt die wunderbaren Taten Gottes.

Fest der Heiligen Familie

Gemeinsam mit Gott

Der Psalm in der Liturgie am Sonntag nach Weihnachten beschreibt die glückliche Familie. Als Voraussetzung dafür nennt das Buch Jesus Sirach den gegenseitigen Respekt zwischen Eltern und Kindern – und gegenüber Gott.

Neujahr

Mit Gottes Segen

Der Psalm in der Liturgie an Neujahr, dem Fest der Gottesmutter Maria, greift die Segenszusage aus dem Buch Numeri auf. Gott wendet sein Gesicht dem Menschen zu, schaut ihn an. Er gibt dem Gegenüber Ansehen und lässt ihn strahlen.

Erscheinung des Herrn

Sie kommen zum Licht

Der Psalm in der Liturgie an Dreikönig, dem Fest der Erscheinung des Herrn, vertieft das Bild aus dem Buch Jesaja, in dem der strahlende Glanz Gottes alle Könige und Völker anzieht. Sein Licht bedeutet Gerechtigkeit, Rettung und Hilfe vor allem für die Armen und Schwachen.

Taufe des Herrn

Gottes Geist wirkt

Der Psalm in der Liturgie am Fest der Taufe des Herrn verbindet die Ankündigung von Gottes Erwähltem im Buch Jesaja mit der Taufe Jesu durch Johannes im Jordan. Die Stimme Gottes ist sein Geist. Er wirkt kraftvoll und schafft Gerechtigkeit.

Darstellung des Herrn

Öffnen für Gottes Licht

Der Psalm in der Liturgie am Fest der Darstellung des Herrn erwartet den Boten des Bundes zwischen Gott und den Menschen, den das Buch Maleachi ankündigt. Er erscheint in seinem Tempel, seinem Licht sollen sich alle Tore öffnen.

Palmsonntag

Sich fesseln lassen

Machthaber sperren unliebsame Querdenker weg oder bringen sie um. Auch Jesus sollte so mundtot gemacht werden, wie die Leidensgeschichte am Palmsonntag erzählt. Seine göttliche Botschaft der Liebe ist aber unsterblich. Sie macht Mut in der Nachfolge. Paulus sagt sogar: Ich bin bereit, mich in Jerusalem für den Namen Jesu, des Herrn, fesseln zu lassen und zu sterben. (Apg 21,13). Die Geschichte geht weiter ...

Gründonnerstag

Brot brechen

Wenn Freunde sich treffen oder Familien Feste feiern, gehört Essen und Trinken dazu. Sie teilen dabei ebenfalls Zeit und Neuigkeiten. So auch die ersten Christen in Erinnerung an das Abendmahl Jesu: Tag für Tag brachen sie in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens. (Apg 2,46) Ihre Herzlichkeit schloss auch Menschen am Rand der Gesellschaft ein. Die Geschichte geht weiter ...

Karfreitag

Zeugen des Leids

Andere leiden sehen, das schmerzt. Und doch ist es gut, dass die Medien immer wieder auf menschliche Tragödien hinweisen, um ein Abstumpfen zu verhindern. Leid, Not und Tod gab es auch in der Welt der ersten Christen. Sie zeigten auf den, der im Vertrauen auf seinen himmlischen Vater durchgehalten hat bis zuletzt: Und wir sind Zeugen: Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet. (Apg 10,39) Die Geschichte geht weiter ...

Ostern

Zeugen der Auferstehung

Helles Licht in dunkler Nacht. Lebenszeichen mitten im Tod. Nicht jeder macht selbst diese Erfahrung. Aber diejenigen, die Auferstehung erlebt haben – angefangen bei den Aposteln –, erzählen davon und helfen anderen neu zu hoffen. Petrus bekennt: Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt und hat ihn erscheinen lassen den von Gott vorherbestimmten Zeugen. (Apg 10,40f.) Die Geschichte geht weiter ...

Weißer Sonntag

In Gemeinschaft leben

Kommunion bedeutet Gemeinschaft. Das gemeinsame Mahl im Gottesdienst, das auf Jesus zurückgeht und an dem viele Kinder heute zum ersten Mal teilnehmen, ist nicht nur Begegnung mit dem Auferstandenen, sondern verbindet die Mitfeiernden. Von den ersten Christen heißt es: Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. (Apg 2,44) Die Geschichte geht weiter ...

Dritter Ostersonntag

Von Freude erfüllt

Wie etwas Unbeschreibliches in Worte fassen? Vielleicht hilft das Zitat eines Dichters oder ein Lied, dieses besondere Erlebnis auszudrücken. Petrus greift in der heutigen Lesung auf einen Psalm Davids zurück, wenn er über seine Erfahrung mit der Auferweckung Jesu spricht: Du, Herr, zeigst mir die Wege zum Leben, du erfüllst mich mit Freude vor deinem Angesicht. (Apg 2,28) Die Geschichte geht weiter ...

Vierter Ostersonntag

Überzeugt vom Glauben

Manche benötigen alternative Fakten, um für ihre Sicht der Dinge zu werben. Andere überzeugen, weil sie als Person glaubwürdig sind und ihre Worte neue Horizonte eröffnen ohne auszugrenzen. So auch Petrus, dessen Rede die Herzen der Zuhörer erreichte: Die nun, die sein Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt. (Apg 2,41) Die Geschichte geht weiter ...

Fünfter Ostersonntag

Den Menschen dienen

Wer sind die offiziellen Vertreter der Kirche? Der Pfarrer, der Kirchengemeinderat oder auch diejenigen, die Kranke besuchen? Die Apostelgeschichte nennt auch das Predigen einen Dienst und erzählt die Wahl von Stephanus und sechs weiteren, die sich um das Soziale kümmern sollen: Sie ließen sie vor die Apostel hintreten, und diese beteten und legten ihnen die Hände auf. (Apg 6,5f.) Die Geschichte geht weiter ...

Sechster Ostersonntag

Den Heiligen Geist empfangen

Macht der Eintrag im Taufregister einen Menschen schon zu einem Christen? Die Apostel waren überzeugt, dass zur Annahme des Glaubens die Weitergabe, zur Zustimmung die Begeisterung hinzukommen müsse: Petrus und Johannes beteten für sie, sie möchten den Heiligen Geist empfangen. Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist. (Apg 8,15.17) Die Geschichte geht weiter ...

Christi Himmelfahrt

Nach oben ausgerichtet

Ein Blick in den Himmel lenkt die Augen ins Unendliche. Ebenso weit weg scheint der Jüngste Tag zu sein. Und doch lebt es sich mit der Ausrichtung nach oben anders als mit dem ausschließlichen Blick auf den Boden. Das bekommen auch die Apostel gesagt: Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen. (Apg 1,11 ) Die Geschichte geht weiter ...

Siebter Ostersonntag

Einmütig im Gebet

Zuerst denken, dann handeln. Große Aktionen sollten vorher gut durchdacht sein. Diese Weisheit beherzigen auch die Jünger Jesu. Sie gehen in sich und treten gemeinsam in Kontakt mit Gott, bevor sie ihren Glauben öffentlich bekennen: Die Apostel verharrten einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern. (Apg 1,14 ) Die Geschichte geht weiter ...

Pfingsten

Sich im Geist verstehen

Manchmal verstehen sich Menschen nicht, die dieselbe Sprache sprechen. Und manchmal braucht es keine Worte, um sich zu verstehen. Das Christentum ist heute trotz verschiedener Konfessionen und Gruppen eine weltweite Gemeinschaft. Dabei begann es ganz klein: Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. (Apg 2,4 ) Die Geschichte geht weiter ...

Dreifaltigkeitssonntag

Wähle das Leben

Gott hat Himmel und Erde erschaffen. Er hat den Sohn gesandt, um seine Liebe zu bezeugen. Diese Liebe ist stärker als der Tod, sie wirkt in der Welt bis heute durch Gottes guten Geist. Der christliche Glaube an den dreifaltigen und doch einen Gott ist mehr als eine Bekenntnisformel. Gott wendet sich den Menschen persönlich zu und lädt ein: „Wähle das Leben.“

Marienmonat Mai - Knotenlöserin

Kontenlöserin

Völliges Wirrwarr, anscheinend ein heilloses Durcheinander. Man möchte den Knoten mit einem Hieb durchschlagen. Wer sich im Leben verheddert hat, dem weist Maria einen anderen Weg – das Problem mit Fingerspitzengefühl, Geduld und Gottvertrauen angehen und lösen.

Marienmonat Mai - Himmelskönigin

Himmelskönigin

Blauer Himmel, weiße Wolken und Regenbogen über einer bezaubernden Landschaft. Ist der Mensch die Krone dieser Schöpfung? Wohl nicht aus eigener Kraft, sondern wenn sein Leben wie das Marias in Gott vollendet und von ihm gekrönt wird.

Marienmonat Mai - Rose ohne Dornen

Rose ohne Dornen

Schlichte Schönheit in reinstem Weiß – weit geöffnet nimmt die Blüte die Sonnenstrahlen in sich auf. Die Pfingstrose könnte als Bild für Maria stehen, die „Rose ohne Dornen“. Dieses Bild verbindet die Frau aus Nazareth und den pfingstlichen Gottesgeist. Ihm hat sie sich beim Besuch des Engels geöffnet und wurde Mutter Gottes.

Marienmonat Mai - Schmerzensmutter

Schmerzensmutter

Es ist kaum auszuhalten – der Schmerz, wenn Eltern ihr Kind verlieren. Auch in anderen Situationen finden Leidende und Trauernde oft Trost bei Menschen, die Ähnliches erlebt haben. Beterinnen und Beter können diese tiefe Solidarität bei Maria, der Schmerzensmutter, erfahren, die den Leidensweg ihres Sohnes mitgegangen ist.

Marienmonat Mai - Schutz unterm Mantel

Schutz unterm Mantel

Reiche und Arme, Junge und Alte, ja, sogar Menschen verschiedener Hautfarbe finden Schutz unter dem Mantel Marias. Not verbindet. In der Entstehungszeit der Ravensburger Schutzmantelmadonna setzten politische und wirtschaftliche Krisen, Pest, Hungersnot und Krieg den Menschen zu. Wie Benachteiligte und Leidende heute sehnten sie sich nach mütterlicher Geborgenheit, aber auch nach Gerechtigkeit und Sicherheit.

Aufnahme Mariens in den Himmel

Heilende Kirche

Mariä Himmelfahrt: Vor dem 15. August binden vielerorts fleißige Hände Sträuße aus Heilkräutern, die am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel gesegnet werden. Das Brauchtum erinnert an eine Überlieferung, dass am leeren Grab der Mutter Jesu ein Duft von Rosen und Kräutern zurückblieb. Wenn Christen Not lindern und heilend wirken, verbreiten sie wie Maria einen Vorgeschmack auf das Leben in Gottes Herrlichkeit.

Kirchweih

Eigene Kirche und Dom

Ist das Datum der Kirchweihe nicht bekannt, feiert sie das Fest um den 14. Oktober. Der Weihetag des Domes St. Martin, der ebenfalls in der ganzen Diözese gefeiert werden soll, ist am 19. Oktober.

Allerheiligen

Von Gott gerufen

Barocke Kirchen – hier Weingarten – vermitteln einen Vorgeschmack der Ewigkeit. Der Himmel an der Decke mit all den Heiligen öffnet sich über den Menschen und lädt ein.

Allerseelen

An die Verstorbenen erinnern

Viele Menschen besuchen in diesen Tagen die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen. An Allerseelen wird deutlich, dass die Gemeinschaft im Glauben über den Tod hinaus besteht.

Christkönigssonntag

Christus ist das Ziel

Alles Irdische hat ein Ende – auch die Welt selbst. Für Christen ist dieses Ende nicht der Untergang, sondern die Vollendung in Christus. Er steht darüber – wie hier in der Jugendkirche Schwäbisch Gmünd.