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Predigten

Dom St. Martin Rottenburg, 28. Mai 2017

Schrifttexte: L. I: Apg 1,12-14; L. II: 1 Petr 4,13-16;Ev.: Joh 17,1-11a

Liebe Schwestern und Brüder,

die Bischofsweihe heute mit der Einsetzung des neuen Weihbischofs in sein Amt geschieht in den Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und dem Pfingstfest. Keine Zeit im Kirchenjahr ist wohl für eine Bischofsweihe besser geeignet, als diese. Nach Christi Himmelfahrt kehren die Jünger nach Jerusalem zurück.

Die Lesung aus der Apostelgeschichte berichtet: "Als die Jünger in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben. … Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern." (Apg 1,12-14) So fing alles an mit der Kirche. Einmütig im Gebet versammelt, das ist die Disposition für den Empfang des Geistes. Und die Erwartung der versammelten Jünger und die Verheißung Jesu wird erfüllt: Im Obergemach, dort wo sie sind, werden sie begabt mit Gottes Geist. "Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich wieder alle am gleichen Ort. …. Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt…" (Apg, 2,1.4). Alle werden durchdrungen vom guten Gottes-Geist, der stark macht, lebendig und mutig.

So fing alles an mit der Kirche. Und heute? - Die erschütternden Nachrichten dieser Tage zeigen, dass wir den guten, ermutigenden Geist von Gott mehr denn je brauchen. Die Attentate in England und Ägypten führen vor Augen, was passiert, wenn kein guter Geist, sondern ein zerstörerischer, lebensfeindlicher, ein böser Geist am Werk ist. Es gibt lebensrettenden Geist und lebenszerstörenden Geist. Beide wirken sich in entsprechenden guten oder bösen Taten aus: heilsam oder unheilvoll, aufbauend oder zerstörend, lebensdienlich oder todbringend.  - So spüren wir einmal mehr, wie sehr wir - um gut zusammenleben zu können - auf den guten Gottesgeist, auf heiligen Geist, angewiesen sind.

Von den Jüngern, den Frauen und Brüdern Jesu, wissen wir: nach Christi Himmelfahrt verharren alle einmütig im Gebet. Sie erinnern und vergegenwärtigen sich, wer Jesus von Nazareth für sie war und was er für sie Gutes getan hat. Sie stehen zusammen und warten, dass der gute Geist von Gott, der in Jesus Christus gewirkt hat, alle erfüllt und bei uns ist, uns mutig macht, lebendig und stark.

Liebe Schwestern und Brüder, auf uns alle ist der Heilige Geist in Taufe und Firmung herabgekommen. Der Apostel Petrus schreibt in seinem Brief an uns: "Ihr seid selig zu preisen; denn der Geist Gottes, ruht auf euch." (1 Petr 4,14b). Der Geist Jesu Christi will uns Christen leiten. Darum wollen wir immer wieder bitten und beten: besonders für die Menschen, die in Verantwortung für viele gerufen werden  - so wie das heute geschieht.

Die Weiheliturgie der Bischofsweihe in der versammelten Gemeinde ist geprägt vom Gebet um den Heiligen Geist. "Komm Heilger Geist, der Leben schafft" werden wir gleich singen. - Die Weiheliturgie ist geprägt von Zeichen, dass Gottes Geist den zu weihenden Bischof durchdringen und in seinem Handeln leiten möge.

Dass dieses Erfüllt-Sein vom lebenspendenden Gottesgeist besonders im bischöflichen Amt Not-wendend ist, zeigt nachher bei der Weihe eindrucksvoll der Ritus, das Zeichen, bei dem dem neuen Bischof das geöffnete Evangelienbuch über das Haupt gehalten wird. Der Leben schaffende Geist Gottes, der in Jesus von Nazareth Fleisch und Blut geworden ist, soll über dem neuen Bischof sein, ihn ganz erfüllen und heilsam an Menschen wirken.

Dieser Ritus erinnert mich an das Gedicht: "die kraft von oben" - "die Frage ist, wo ist oben, was ist oben, wer ist oben - denn je nachdem, was bei uns oben ist, kann man sich ausrechnen, was auf uns herabkommt - welcher geist: - ist das geld oben, kommt der geist des geldes auf uns herab, ist die wirtschaft oberstes prinzip, kommt dieser geist auch auf uns herab und über uns. - ist jesus für uns oben, dann kommt auch der geist jesu auf uns herab".

Liebe Schwestern und Brüder, in der Kirche Jesu Christi, die aus der Kraft des Heiligen Geistes lebt, ist der Geist oben und kommt auf sie herab und durchdringt alles. Nichts anderes ist gemeint, wenn das Zweite Vatikanische Konzil festhält: "Der Heilige Geist ist die Seele der Kirche". Das heißt: "Die Kirche lebt nur durch und aus diesem Geist; er allein erhält sie, formt sie und schenkt ihr Einheit." (Seewald, S. 5.6:) Ohne diesen Geist ist sie tot. Im guten Geist Jesu Christi erneuert sich die Kirche zu aller Zeit.

Aber, was ist der Heilige Geist Jesu Christi? Wie wirkt er sich aus? - Lukas bezeugt in seinem Evangelium: "In der Kraft des Heiligen Geistes geht Jesus durch das Land" (vgl. Lk 4,14). Mit diesem von der Kraft des Gottesgeistes durchdrungenen Jesus von Nazareth hat alles begonnen, wovon wir im Christentum leben.

Jesus sagt von sich selbst in seiner Heimatsynagoge beim Gottesdienst in Nazareth: "Der Geist Gottes ruht auf mir: Er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Armen eine gute Nachricht zu bringen, den Gefangenen Entlassung, den Blinden Augenlicht, die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen, ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen. (Lk 4,18.19).

Was Jesus tut und was er sagt, entstammt dem in ihm lebendigen, Heiligen Geist. Es ist der Geist Jesu, der spricht und wirkt. Und der drückt sich aus in Jesu Leben. An Jesus können wir sehen und erleben wie und was der Geist wirkt: Jesus ist erfüllt vom Heiligen Geist, wenn er über seine Sendung sagt. "Ich bin gekommen zu suchen und zu retten, was verloren ist."

Jesus ist erfüllt vom Heiligen Geist, wenn er sein Kommen in die Welt mit den Worten erklärt: "Ich bin nicht gekommen mich bedienen zu lassen, sondern zu dienen." Jesus spricht aus der Kraft des ihn erfüllenden Geistes, wenn er auf dem Berg predigt und den Menschen zuruft: "Selig, die keine Gewalt anwenden … " (Mt 5,5) - "Selig, die Frieden stiften … (Mt 5,9). -  Der Geist der Gewaltlosigkeit und des Friedens ist der Geist Jesu. Kirche, die selbst aus dem Geist Jesu lebt, ist die Kirche, von der wir eingangs gesungen haben: "Eine große Stadt entsteht, die vom Himmel niedergeht in die Erdenzeit. … Jesus Christus ist ihr Licht."

Geführt von diesem lebensdienlichen Heiligen Geist wollen wir in unserer Diözese den Pastoralen Weg gehen "Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten."  Erneuerung der Kirche aus der Kraft des Heiligen Geistes heute für morgen. Eine einladende Kirche, eine diakonische, eine heilende Kirche, eine beheimatende Kirche wollen wir bauen.

Die Weiheliturgie ist ganz davon erfüllt, dass der Geist Jesu in unserer Kirche oben sein muss, dass der Gottesgeist die Seele der Kirche ist. Die Weiheliturgie ist ganz davon erfüllt, dass der zu weihende Bischof aus dem Heiligen Geist heraus handelt.

Von daher können wird die Weiheliturgie erst verstehen. Etwa, wenn es im Weihegebet heißt: "Verleihe dem Bischof durch die Kraft des Heiligen Geistes die hohepriesterliche Vollmacht …" Oder bei der Salbung des Hauptes: "Gott salbe dich mit der Kraft des Heiligen Geistes."

Alle Fragen an den Weihekandidaten zielen letztlich auf die eine: Bist du bereit – dich dem Geist Jesu, dem Wort Gottes, zu unterstellen? - Bist du bereit, am Aufbau der Kirche, des Leibes Christi, mitzuwirken? – Also die Kirche aus der Kraft des Heiligen Geistes zu erneuern? - Bist du bereit, den Armen und den Heimatlosen und allen Notleidenden gütig zu begegnen und zu ihnen barmherzig zu sein? – Also für eine diakonische Kirche einzutreten, für die Armen und Bedrängten aller Art, für die Menschen, die auf der Flucht sind und Heimat suchen. Bist du bereit, den Verirrten als guter Hirte nachzugehen und sie zu Christus zurückzuführen? – Also eine nachgehende Kirche, eine sorgende Kirche zu sein, in der erlebt werden kann, dass Jesus gekommen ist, zu suchen und heimzuholen, was verloren ist.

Darum beten wir für dich, lieber Matthäus Karrer. Du mögest gesegnet sein von Gottes heiligem Geist, der in Jesus Christus gewirkt hat und uns zur Wirksamkeit inspiriert. - Mit Gottes Hilfe, sei in guter Hirte.

Amen.

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