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Predigten

Stuttgart, Konkathedrale St. Eberhard

Lesung: Kol 3,9b-17

Liebe Sängerinnen und Sänger,
liebe Schwestern und Brüder!

Ein berühmter Tenor sagte einmal: „Was das Singen für mich so aufregend macht, ist der Gedanke, dass man nicht nur die Intention des Komponisten zum Ausdruck bringt, sondern auch einen Teil des eigenen Wesens, der nicht auf andere Weise zum Ausdruck gebracht werden kann. – Das ist für mich das Glück des Singens“. Ja, ich meine, er hat Recht! Wenn wir singen, offenbaren wir immer ein Stück von uns Selbst. Denn zum Singen gehört Leidenschaft. Fehlt diese, klingt der Gesang tonlos und dumpf. Wer mit Freude beim Singen dabei ist, öffnet sein Herz und gibt ein Stück seiner Seele preis. Singende Stimmen drücken mehr aus, als es mit Worten je gelingen könnte. Deshalb lautet der Ratschlag des Apostels Paulus in der kurzen Lesung, die wir soeben gehört haben: „Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder, wie sie der Geist eingibt.“ (Kol 3,16)

Wie es klingt, wenn Sie, liebe Sängerinnen und Sänger, Ihre Stimmen zum Lob Gottes anheben, das durften wir soeben bereits hören. Mit Freude habe ich gehört, wie Sie, liebe Sängerinnen und Sänger, die Konkathedrale heute im Ihrem Gesang erfüllt haben. Mit dem Weckruf: „Erde singe, dass es klinge“, haben wir gemeinsam hier in Stuttgart den Diözesankirchenmusiktag eröffnet. Und gleichzeitig ertönt der Jubel auch in Ellwangen und Leutkirch.

„Alles soll Amen und Halleluja sein“, dies ist das wunderbare Leitwort des Tages. „Amen und Halleluja“: Das ist ein kurzgefasstes Glaubensbekenntnis. Mit „Halleluja“ bekennen wir voll Begeisterung unseren Glauben. „Halleluja“, das ist Lobpreis. Es ist das Lachen des Ostermorgens. Und „Amen“ ist der Dank an Gott. Ja, Gott, es ist gut so, so soll es sein!

Ihr wunderbarer Gesang, liebe Schwestern und Brüder ist ein solches Bekenntnis zum Glauben, es ist Halleluja und Amen! In allen Stimmlagen, senden sie die Glaubensbotschaft hinein in unsere Kirchen und in die Welt hinaus! Kirchenchöre, Junge Chöre, Kinder- und Jugendchöre verkünden in ihrer gesamten stimmlichen Vielfalt Gottes Wort – manchmal viel eindrücklicher und mitreißender, als dies eine Predigt kann. Sie verkünden seine heilbringende Botschaft mit Jubel an den Hochfesten, aber Sie schlagen auch leise und getragene Töne an, wenn Sie mit ihrem Gesang im Requiem einen Verstorbenen verabschieden. All das und noch viel mehr gehört zur Kirchenmusik. Gleich welche Tonlage erklingt – Dur oder Moll –, Chormusik ist letztlich besonders wohlklingende Verkündung und klangvolle Katechese.

Doch Sie wissen auch, wieviel Arbeit hinter so manchem musikalischem Genuss steht: regelmäßige Proben, mühevolle Stimmübungen. Nur im gegenseitigen Hören aufeinander lassen sich Misstöne möglichst ausschließen. Wie ein Musikstück durch regelmäßige Proben seinen Wohlklang entwickeln kann, so reifen auch Sie als Sängerinnen und Sänger im Chor zu einer wirklichen Gemeinschaft. Dieses Miteinander ist es dann letztlich, was der Musik in den Gottesdiensten Kraft und Seele verleiht.

„Alles soll Amen und Halleluja sein“ – sicherlich konnte der Heilige Augustinus die Wirkkraft der Musik in den Gottesdiensten nicht ahnen, als der dieses Wort formulierte. Seine Worte stammen aus einem Gebet, in dem es weiter heißt: „Wir werden lieben und wir werden lobpreisen. Sehet unser Ende, das kein Ende ist“. Mit der Wahl dieses Wortes als Motto für den heutigen Tag sagt der Cäcilienverband verbindlich zu, dass er nach 150 Jahren immer noch Luft hat für den Lobpreis Gottes. Ich freue mich sehr über dieses Jubiläum und gratuliere Ihnen ganz herzlich. Ich wünsche Ihnen Kraft und Freude am Singen – heute, morgen, in den kommenden Jahren. Amen!

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