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Predigten

Bibel, Kirchenjahr, Liturgie, Kirche, Ökumene, Weltreligionen

Schorndorf, Heilig Geist

Schrifttext: 1 Kor 13; Mk 6,6b-13.30-32

Liebe Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten,

Sie haben heute einen großer Tag auf Ihrem Berufs- und auch Ihrem Lebensweg erreicht. Über viele Jahre haben Sie gründlich studiert. Dann haben Sie praktiziert und hautnah bei den Menschen als Seelsorgerinnen und Seelsorger reiche Erfahrungen sammeln können. So ist der heutige Tag für Sie auch eine Gelegenheit, auf diese Jahre zurückzuschauen, Erlebtes und Erfahrenes Revue passieren zu lassen.

Und von eben solch einer Gelegenheit berichtet uns das Evangelium, das Sie sich bewusst ausgewählt haben. Da erscheint uns Jesus nicht nur als einer, der seine Jüngerschar aussendet, sondern der sie dann auch zurückkommen lässt, der sie einlädt, zu berichten, zu verschnaufen, Atem zu holen, aufzutanken: ‚Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.’ Eine Einladung Jesu voller Aufmerksamkeit, Fürsorge und Liebe.

Aber diese Einladung zur Ruhe ist alles andere als zufällig, sie ist auch mehr als ein banales „Mach’ mal Pause!“. Diese Einladung zur Ruhe ist ein Herzstück der frohen Frohbotschaft, die wir nur verstehen, wenn wir auf Jesus Christus blicken. Jesus selbst spricht diese große Einladung aus. Und er ist glaub-würdig, weil er die große Einladung nicht nur überbringt, sondern diese Einladung mit seinem Leben und Sterben, mit seinem Erzählen und Handeln, mit seinem Tod und seiner Auferstehung selber ist. Deshalb können Menschen ihm glauben und auf sein Wort vertrauen, dass bei ihm Aufatmen möglich wird. Die alles entscheidende Wende im Leben eines Menschen geschieht dort, wo einer auf Jesus und seinen Weg mit den Menschen schaut, seinen Geschichten vom Reich Gottes zuhört, sich von seinem Handeln für die Menschen anstecken lässt und dabei gerade die Außenseiter, die Zukurzgekommenen und Abgeschobenen wahrnimmt.

Sie alle, liebe Schwestern und Brüder, kennen eine der wohl bekanntesten Einladungen Jesu: Kommt her, ihr Mühseligen und Beladenen! Ein Theologe unserer Tage übersetzt diese Stelle eindrucksvoll: ‚Heran zu mir alle, ihr Mühenden und Überbürdeten: Ich werde euch aufatmen lassen.‘ Eben diese einladende Geste finden wir im heutigen Evangelium wieder, in dem Jesus zum Seelsorger für seine Seelsorger wird: „‚Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.’ Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kommen und gingen.“ Eben das ist die Situation der Jünger, damals und heute: bedrängt von allen Seiten, Anforderungen, die stetig zuzunehmen scheinen, zudem auch Konflikte und Reibereien im Alltagsgeschäft.

Und dann diese großartige Einladung – Kommt zu mir! - und die Zusage: Ich werde euch aufatmen lassen! Wer von uns ist da nicht angesprochen und eingeladen. Wer spürt da nicht selbst Entlastung.

Aufatmen, befreiend aufatmen an Leib und Seele. Jesus möchte, dass wir in seiner Nähe Luft bekommen, dass wir nicht panisch und kurzatmig werden vor Angst und Not. Jesus sagt uns selbst solches Aufatmen zu. Ja, mehr noch! Er verspricht, dass ER selbst unser Aufatmen sein wird.

Und mit solcher Zusage lässt sich auch die Einladung annehmen, eine Einladung, die zugleich auch Aufforderung ist, sich zu den Menschen senden zu lassen. Weil ich von Jesus entlastet bin, kann ich mich auch belasten lassen. Das Vertrauen auf Gott ermöglicht Zutrauen in das eigene Handeln und in den Sinn meines Tuns. Die Einladung Jesu begründet Aussicht auf Entlastung. Auf Entlastung von einem mich niederdrückenden Leistungsdruck; Entlastung, weil ich wissen darf, dass mein Handeln immer nur Stückwerk sein wird; Entlastung auch von den eigenen selbstfabrizierten Ansprüchen, die mir schier die Schultern einzudrücken drohen.

Statt dessen die große, befreiende und mitreißende Einladung, dem Weg Jesu nachzufolgen, und in unserem eigenen Lebensweg Jesus Christus für andere Menschen heilsam erfahrbar werden zu lassen. Und so machen die Jünger sich auf den Weg. Sie rufen die Menschen zur Umkehr. Und sie lassen die Mühseligen und Beladenen aufatmen.

Was für eine wunderbare Lebenspraxis. Eine Lebenspraxis im Geiste Jesu, die Menschen mitreißen kann, die mitten in der Welt ein überzeugendes Zeugnis des eigenen Glaubens gibt.

Liebe Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten, zu dieser Lebenspraxis im Geiste Jesu lassen Sie sich mit dem heutigen Tag beauftragen, aussenden zu den Menschen. Dass Sie dazu bereit sind, ist für mich und die ganze Diözese ein Grund zu großer Freude und Dankbarkeit. Mit ihrer Bereitschaft, sich im Namen unserer Kirche in den Dienst der Menschen zu stellen, senden Sie Signale der Hoffnung in die Welt. Zugleich geben sie ein lebendiges Zeugnis, dass die Jesus-Geschichte auch in unserer Zeit weitergetragen wird. Sie geben die Erfahrungen von der heilsamen Kraft unseres Glaubens an Jesus Christus weiter an die Menschen, denen sie auf ihrem Weg begegnen; an die Menschen besonders, die abseits der Wege gelandet sind und von niemandem beachtet werden.

Die Berufsbezeichnung ‚Pastoralreferent’, liebe Schwestern und Brüder, ist kein einfacher Begriff. Aber vom Wortsinn her ist er die stetige Erinnerung an den Kern des Evangeliums. Gerade auch des heutigen. Die Pastoralreferentin und der Pastoralreferent lenken in der Seelsorge den Blick auf die Präsenz Gottes, auf seine Gegenwart, seine behütend-sorgende Nähe, auch dort, wo wir ihn nicht vermuten und sogar vermissen.

Sie, liebe Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten, erinnern die Menschen und auch sich selbst durch ihre Lebenspraxis und ihre Verkündigung an die ebenso entlastende wie befreiende Zusage der Botschaft des Guten Hirten: Er lädt uns ein, mit ihm zu kommen, bei ihm zu verweilen und durch ihn neue Lebenskraft zu erfahren.

Jesus lebt uns das erneuerte Menschsein vor, das um Not und Elend keinen Bogen macht, sondern solidarisch und mitleidend Anteil nimmt. Ein erneuertes Leben, das auch Krankheit oder Behinderung, Leiden, Sterben und Tod nicht ausblendet, sondern annimmt, weil es zum Leben dazugehört. Wie überzeugend und mitreißend es bis heute und vielleicht gerade heute ist, das spüren wir alle und das dürfen die Menschen auch zukünftig durch Sie spüren.

Liebe Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten, die Menschen, die ihnen begegnen, brauchen das mutig und mit überzeugender Liebe gelebte Zeugnis unseres Glaubens. Sie lassen sich heute aussenden und stellen sich im Namen Jesu Christi in den Dienst der Menschen, die auf die Sprengkraft ihres Glaubens und auf die heilsame Nähe der Begegnung warten. Gerade unsere so schnelle und oft so harte Zeit bedarf solcher Menschen, die die große Einladung Jesu zur befreiten Ruhe zu kommen durch ihn glaubwürdig weitertragen.

Uns allen aber, liebe Schwestern und Brüder, gilt das Wort Jesu: ‚Heran zu mir all ihr Mühseligen und Beladenen: Ich werde euch aufatmen lassen.‘

Amen.

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