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Texte und Reden

Weingarten, 11. April 2014

Liebe Gäste aus Weingarten und Ravensburg,
liebe Gäste aus der ganzen Welt
liebe Gäste aus Eritrea, Kamerun, Nigeria, Gambia!

Als Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart begrüße ich Sie herzlich zu diesem Willkommensfest, zu dem die Diözese gemeinsam mit der Stadt Weingarten und dem Landkreis Ravensburg hierher auf den Weingartener Martinsberg eingeladen hat. Ich freue mich sehr, dass Sie unserer Einladung so zahlreich gefolgt sind.
Mein ganz besonderer Willkommensgruß gilt Ihnen, den Flüchtlingen aus Afrika – aus Eritrea, Kamerun, Nigeria, Gambia und aus dem vorderen Orient – aus Pakistan denen wir hier im Klosterareal Herberge anbieten.

Auf meinen zahlreichen Reisen, auf denen ich in verschiedenen Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas Partner unserer Diözese besucht habe, bin ich überall mit großer Offenheit, Herzlichkeit und Gastfreundschaft empfangen worden. Ich habe mich als Freund gefühlt, obwohl ich von weit her gekommen war. Das möchte ich gerne zurückgeben und Ihnen, die Sie aus den unterschiedlichsten Regionen dieser Welt hier in Weingarten Schutz und Geborgenheit suchen, sagen: Sie sind herzlich willkommen hier!

Die Gründe, warum Sie Ihre Heimat verlassen mussten, und die Wege, auf denen Sie hierhergekommen sind, sind vielfältig und individuell – so individuell, wie Sie als Personen sind und wie Ihre Lebensgeschichten sind. Die Ereignisse, die zum Verlust der Heimat geführt haben, sind mit Schmerz und Leid verbunden. Der Fluchtweg hierher war sicherlich ebenso schwer, wie mühselig. Auch über Ihren zukünftigen Wegen liegen wohl noch viele Ungewissheiten. Aber eines ist Ihnen allen gemeinsam: Sie suchen nach einem Leben in Sicherheit, in Freiheit, unter menschenwürdigen Bedingungen. Alles, was in unserer Macht steht, wollen wir dazu beitragen: Und jetzt ganz konkret, dass Sie hier gut beherbergt sind!

Das alles ist ein gemeinschaftliches Werk – hier im ehemaligen Kloster Weingarten und ebenso in den anderen Wohnheimen in Weingarten, wo schon längere Zeit Flüchtlinge untergebracht sind. Ich möchte allen, die daran beteiligt sind, für ihre gute und partnerschaftliche Zusammenarbeit herzlich danken: Zuerst und besonders den zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern, die sich bereit erklärt haben, den Flüchtlingen als Gäste aus aller Welt Zeit, Fähigkeit und Freundschaft anzubieten und sie zu begleiten. Viele von Ihnen tun diesen Dienst schon seit vielen Jahren, andere sind neu dazu gestoßen. Ich bin Ihnen allen sehr dankbar! Und ich sage dies nicht als Einzelperson, sondern im Namen aller Gläubigen der Ortskirche von Rottenburg-Stuttgart. Ich danke herzlich der Stadt Weingarten mit ihrem Oberbürgermeister Markus Ewald und seinen beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Offenheit; ich bin dankbar Herrn Landrat Kurt Widmaier und den erfahrenen und kompetenten Mitarbeitenden des Landratsamts Ravensburg, das heute zu meiner Freude von Frau Sozialdezernentin Diana Raedler vertreten ist. Ich danke dem Ravensburger Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg für die sehr unkomplizierte Unterstützung und freue mich, dass Herr Amtsleiter Zettler heute hier sein kann. Die katholische Gesamtkirchengemeinde und die evangelischen Kirchengemeinden in Weingarten haben die Aufnahme und Begleitung der hier lebenden Flüchtlinge mit zu ihrer Aufgabe gemacht, und ich bin für die ökumenisch getragene Verantwortung sehr dankbar. Danken darf ich auch dem Caritasverband hier in der Region Bodensee-Oberschwaben, dessen Mitarbeiter, Herr Dieter Haag, im Auftrag des Landkreises künftig hier auf dem Martinsberg die Sozialarbeit übernehmen wird und der außerdem die Arbeit der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit in Weingarten begleitet. Ich danke der Leiterin der Akademie der Diözese Frau Dr. Verena Wodtke-Werner und Herrn Dr. Rainer Öhlschläger, für Ihr großzügiges Entgegenkommen, das Gästehaus der Akademie für die Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen!
Ausdrücklich möchte ich auch dem Bischöflichen Beauftragten für Flüchtlinge danken: Herrn Dr. Thomas Broch. Ohne seine umsichtige Art und seine Fähigkeit der Vernetzung wäre all das nicht so schnell und nicht so kooperativ möglich gewesen. Allen, die auf unterschiedliche Weise an diesem Werk beteiligt waren und sind, und die ich hier nicht eigens nennen kann, darf ich meiner dankbaren Verbundenheit versichern.

Meine Damen und Herren, weder Europa und schon gar nicht Deutschland sind eine Insel der Seligen. Wir sind vom Wohl und Wehe der Menschen weltweit nicht unberührt und dürfen das auch nicht sein. Alleine schon die immer intensiver werdende Globalisierung macht die Menschheitsfamilie zu einer Schicksalsgemeinschaft, in der wir voneinander abhängig und auf gegenseitige Solidarität angewiesen sind.

Es sind aber noch mehr die Werte, die Europa im Erbe des Judentums, des Christentums und der europäischen Aufklärung geprägt und geformt haben. Sie müssen uns daran hindern, Europa zu einer abgeschotteten Festung zu machen, in der wir uns vor der Not der Menschen aus anderen Ländern und Kontinenten zu verbarrikadieren versuchen. Was vor den europäischen Grenzen und im Mittelmeer an menschlichen Tragödien geschieht, muss uns zutiefst beschämen. Es muss uns zugleich dazu herausfordern, Zeichen der Humanität zu setzen. Solche Not-wendigen Zeichen sind: Flüchtlinge aufzunehmen und zugleich helfen, dass Menschen ihre Heimat nicht verlieren oder verlassen müssen.

Ich sage das bewusst an diesem Ort – auf dem Weingartener Martinsberg. Der heilige Martin von Tours, der Patron dieses Klosters und unserer Diözese, ist eine „Ikone der Nächstenliebe“ (Papst Benedikt XVI.). Er ist in diesem Sinn ein Heiliger, dessen Name für ein Europa christlicher Humanität steht. Er ist in spezieller Weise Patron der Flüchtlinge. Es ist mir ein großes Anliegen, dass gerade Weingarten mit seinem Martinsberg und das gesamte Klosterareal mit der Martinsbasilika wieder zu einem Ort mit karitativer und geistlicher Ausstrahlung wird – zu einem lebendigen Zeichen von ganz Oberschwaben, von dem segensreiche Impulse für die Diözese und für das Land Baden-Württemberg ausgehen.

So darf ich abschließend mit besonderer Freude und mit großer Dankbarkeit darauf hinweisen, dass mit den Flüchtlingen, den Gästen aus Afrika und auch aus dem vorderen Orient auch ein Konvent mit drei Schwestern der Franziskanerinnen von Reute hier in der ehemaligen Abtei einziehen und hier künftig leben wird. Zwei von Ihnen, Sr. Ines und Sr. Regina, werden sich aktiv in die Begleitung der Flüchtlinge einbringen. Wie ich weiß, freuen sie sich sehr auf diese neue Aufgabe. Dass Flüchtlinge bei uns im Kloster zu Gast sind, hat uns, dem Kloster Weingarten, wieder einen kleinen, aber feinen Konvent geschenkt, der im Sinne des heiligen Martin und des heiligen Franziskus tätige Nächstenliebe übt.
Und dass Flüchtlinge bei uns in Weingarten eine Herberge haben, hat viele Menschen, Frauen und Männer, als ehrenamtlich Tätige geschenkt, die ebenfalls im Geist tätiger Nächstenliebe den Flüchtlingen beistehen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, freue mich auf die Worte von Frau Sozialdezernentin Raedler und Herrn Oberbürgermeister Ewald und auf die Begegnungen und Gespräche mit Ihnen allen!

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