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Texte und Reden

Stuttgart, Haus Stella Maris

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste!

Ich begrüße sie heute alle hier in Stuttgart im Haus Stella Maris sehr herzlich! Ich freue mich, dass Sie so zahlreich meiner Einladung zur Verleihung des Franziskus-Preises gefolgt sind!

Erst vor wenigen Tagen waren alarmierende Szenarien in der Presse zu lesen. Der  CO2-Gehalt in der Atmosphäre ist trotz aller Warnungen so hoch, wie noch nie! Die Erderwärmung geht ungebremst weiter. Um den Menschen, das Klima und die gesamte Schöpfung zu schützen, ist schnellstens ein Umdenken vom Gesetzgeber, aber auch von uns allen gefordert. Dass schnelles, entschiedenes Handeln unmittelbar Konsequenzen für die Verbesserung des Weltklimas hat, zeigen andere aktuelle Werte. So hat die Verminderung ozonschädigender Chemikalien – FCKW – dazu geführt, dass das Ozonloch beginnt, sich wieder zu schließen! Wir können durch kompetentes, entschiedenes Handeln bedrohliche Entwicklungen aufhalten! Wir wissen auch, dass ein Scheitern der internationalen Anstrengungen, den Anstieg der Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, mittel- und langfristig zu katastrophalen Konsequenzen führen wird. Wenn wir weiter so rücksichtslos handeln wie bisher, drohen von Menschen bewohnte Regionen überflutet zu werden. Lebensgrundlagen werden zerstört, Meere kippen um und das Leben im Wasser stirbt.

Zum nachhaltigen Handeln sind wir als Christen besonders angefragt. Wir sind herausgefordert, unseren eigenen Lebensstil zu überdenken und zu ändern.

Dass Sie heute Abend an der Verleihung des Franziskus-Preises teilnehmen, ist mehr als eine Geste der Aufmerksamkeit. Es ist ein Statement! Es ist ein Statement für Ihren persönlichen Einsatz für umwelt- und klimagerechtes Handeln. Es zeigt, wie sehr Ihnen und uns allen die Bewahrung und der Schutz der Schöpfung Gottes am Herzen liegen.

Deshalb ist es mir eine besondere Freude, dass ich in Vertretung des Schirmherrn des Franziskus-Preises, Herrn Ministerpräsident Winfried Kretschmann, heute den Leiter der Staatskanzlei im Staatsministerium, Herrn Staatssekretär Klaus-Peter Murawski, begrüßen kann! Willkommen! Staatssekretär Murawski wird im Anschluss noch zu uns sprechen.

Begrüßen darf ich auch den Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes, Franz Untersteller. Sie, Herr Minister Untersteller, werden als Vorsitzender der Jury die Auszeichnung der Preisträger vornehmen. Dafür danke ich Ihnen sehr!

In der Jury zur vierten Verleihung des Franziskus-Preises wirkten zudem mit:

  • Frau Prof. Anett-Maud Joppien von der Technischen Universität Darmstadt,
  • Herr Prof. Dipl.-Ing. Arno Lederer, Freier Architekt, Stuttgart,
  • Herr Prof. Dr. Günther Sabow, Leiter des Instituts für Verkehr und Umwelt e. V., Stuttgart,
  • Herr Prof. Dr. Markus Vogt, von Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München,
  • Herr William Vorsatz, Redakteur/Ressortleiter Politik der Zeitschrift „Solarpraxis“, Berlin
  • Herr Dr. Johannes Warmbrunn, Sprecher des Diözesanrats der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Auch Sie heiße ich herzlich Willkommen und verbinde mit meinen Gruß zugleich meinen Dank für Ihr außerordentliches Engagement mit dem Sie sich Ihrer Aufgabe als Mitglied der Jury des Franziskus-Preises widmen. Es ist eine große Bereicherung für uns und für die Bewertung der verschiedenen Projekte, dass Sie in so unterschiedlichen Fachbereichen zuhause sind. Zeigt dies doch auch, wie zentral das Anliegen unserer Ortskirche ist, die Schöpfung zu bewahren und schöpfungsfreundlich zu handeln. Schöpfungsfreundlich gehört als Markenzeichen zum Profil der Diözese Rottenburg-Stuttgart – ebenso, wie missionarisch, diakonisch-karitative und dialogische Kirche zu sein.

Gerne möchte ich Ihnen nun im Folgenden einige Worte zum Franziskus-Preis selbst sagen. Es ist kein Zufall, dass wir Anfang Oktober Gemeinden, Einrichtungen und Projekte, die sich in besonderer und beispielhafter Weise um den Erhalt der Schöpfung verdient machen, mit dem Franziskus-Preis auszeichnen. Der Franziskus-Preis ist Teil einer umfassenden Klima-Initiative der Diözese Rottenburg-Stuttgart und wird alle zwei Jahre – in diesem Jahr bereits zum vierten Mal – verliehen. Als Fixpunkt der Preisübergabe haben wir uns für einen Tag um den Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi, am 4. Oktober, entschieden. Denn die Kirche ehrt Franziskus bis heute als Vorbild und Leitfigur für die  Schöpfungsverantwortung. Seine Liebe zur Schöpfung und seine damit verbundene Dankbarkeit an Gott als Schöpfer allen Lebens ist für uns Christen Ermutigung und Beispiel zugleich.

Die Liebe zu allen Geschöpfen ist unsere Motivation und unser Antrieb, wenn wir uns heute um einen vor Gott verantworteten Umgang mit der Schöpfung, unserer Umwelt oder Mitwelt bemühen. Der heilige Franziskus ist uns heutigen Menschen auch Vorbild in einer Haltung der Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfergott für sein gesamtes Schöpfungswerk, das weitergeht und bis heute fortdauert.  Aus dieser Haltung der Liebe zur Schöpfung heraus und der Dankbarkeit für die Schöpfung verstehen wir unsere Aktivitäten zur Bewahrung der Schöpfung. Sie verpflichten uns der heutigen Gesellschaft, allen Zeitgenossen, sowie den kommenden Generationen ein Beispiel zu geben.

Denn Liebe und Dankbarkeit zur Schöpfung drohen in der jetzigen Zeit, die von einer ökonomischen Rationalität dominiert ist, verloren zu gehen. Doch können ökonomische Zwänge und die sogenannten Sachzwänge das letzte Wort haben, wenn es um die Erhaltung und Bewahrung der Schöpfung Gottes geht, in die wir nach christlichem Glauben hineingesetzt sind, wie in einen Garten, den es zu bebauen, zu gestalten und zu bewahren gilt? – Sicherlich nicht, denn als Geschöpfe Gottes dürfen wir Menschen uns keine Verfügungsgewalt über die Werke unseres Schöpfers anmaßen.

Jede und jeder steht vor der schwierigen Aufgabe, diese Haltung der Liebe und der Dankbarkeit in den Alltag zu übertragen. Es sind schwierige Entscheidungen zu fällen, wir stehen oft genug vor Zielkonflikten, die kein einfaches Ja oder Nein erlauben. Mit kleinen Gesten entscheiden wir etwa als Konsumenten über die Produktionsverhältnisse auf dem globalen Markt. Als Reisende sind wir Teil des globalen Rohstoffverbrauchs. Und wie jede Institution steht auch und gerade die Kirche in ihrem tagtäglichen Leben und Handeln immer wieder vor ökologischen Herausforderung. Es gilt abzuwägen und die Folgen unserer Entscheidungen für die heutigen und kommenden Generationen sowie die gesamte Schöpfung zu bedenken, um dann entschlossen zu handeln. Auch die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat sich mit der von mir 2007 ins Leben gerufenen Klima-Initiative auf diesen Weg gemacht. Derzeit sind wir dabei mit unserer Klima-Initiative unser Schöpfungshandeln mit „Nachhaltigkeitsleitlinien“, die für die gesamte Diözese gelten sollen, weiter zu konkretisieren und auf eine verbindliche Basis  zu stellen.

In der Nachfolge des heiligen Franziskus und gemäß ihres Schöpfungsglaubens möchte die Kirche so durch vorbildhaftes Handeln in die Gesellschaft hineinwirken und Beispiele setzen. Zugleich haben wir auch eine prophetische Rolle wahrzunehmen. Es ist unsere Pflicht auf Missstände im Umgang mit der Schöpfung Gottes hinzuweisen und Verbesserungen anzumahnen.

Alle Initiativen die sich für den Franziskus-Preis beworben haben, sind Vorbilder und Beispiele dieser gelebten Schöpfungsverantwortung in ihrem alltäglichen Handeln.

Ich danke allen, die sich für den Franziskus-Preis beworben haben. Hiermit spreche ich Ihnen meine besondere Anerkennung aus.

Danken möchte ich zudem dem Strategieentwicklungsteam der Klima-Initiative unter dem Vorsitz von Herrn Ordinariatsrat Dr. Joachim Drumm. Ihnen, lieber Herr Drumm, bin ich für Ihre kontinuierliche und erfolgreiche Arbeit sehr dankbar.

Ich danke Frau Architektin Anna Blaschke sehr für die gelungene Aufbereitung der Präsentation der eingereichten Projekte.

Herzlich danke ich auch allen, die für die organisatorische Vorbereitung und Gestaltung dieser Preisverleihung Sorge getragen haben.

Und schließlich danke ich Ihnen, die Sie mit Ihren Bewerbungen zum Ausdruck bringen, dass Ihnen die Bewahrung der Schöpfung ein Herzensanliegen ist. Sie sind ein Beispiel für schöpfungsfreundliches kirchliches Handeln.

Ich wünsche Ihnen allen für den heutigen Abend spannende Impulse und interessante Begegnungen hier in diesem Haus!

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