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Texte und Reden

Stuttgart, Haus der katholischen Kirche

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Gäste!

Ich begrüße sie alle hier im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart sehr herzlich. Ich freue mich, dass Sie so zahlreich meiner Einladung zur Verleihung des Franziskus-Preises 2017 gefolgt sind.

Der Klimawandel verändert unsere Erde. Immer mehr Menschen sind weltweit von der zunehmenden Wüstenbildung, dem Anstieg des Meeresspiegels und von Überschwemmungen betroffen. Nach Einschätzungen des Weltklimarats ist Afrika der durch den Klimawandel am meisten bedrohte Kontinent. Aber auch in Asien oder Mittel- und Südamerika ereignen sich Naturkatastrophen häufiger und mit zunehmender Heftigkeit. Überschwemmungen, Sturmfluten oder anhaltende Dürren treffen hier oft besonders arme und verwundbare Regionen. Sie erreichen Menschen, denen es an Möglichkeiten und Mitteln fehlt, sich vor den Gefahren angemessen zu schützen. Allein in diesem Spätsommer und Herbst wurden – wie Sie wissen – große Teile Mittelamerikas von zerstörerischen Hurrikans und Erdbeben heimgesucht. Das Ausmaß der Schäden löste in den betroffenen Gebieten ein humanitäres Desaster sondergleichen aus. Katastrophen aufgrund des extremen Klimas führen dazu, dass jährlich durchschnittlich 25 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden.

In meiner Verantwortung als Bischof ist es mir ein großes Anliegen, regelmäßig öffentlich zur Bewahrung der Schöpfung aufzurufen. Zu vielen Anlässen mahne ich, dass alle, Wirtschaftsunternehmen ebenso wie die Politik, die Kirche, aber auch jede und jeder Einzelne durch verantwortungsvolles Handeln einen Beitrag leisten, den Klimawandel aufzuhalten.

Besonders hat es sich Papst Franziskus in seinem Pontifikat zur Aufgabe gemacht, Zeichen zu setzen und die Menschen wachzurütteln, wenn es um weltpolitische Fragen, um Fragen der globalen sozialen Gerechtigkeit sowie um nachhaltiges Handeln in Hinblick auf Gottes Schöpfung geht. Im Jahr 2015 hat er sein drittes Lehrschreiben, die Enzyklika „Laudato si’“ veröffentlicht. Mit „Laudato si’“ legt Franziskus eine klare Analyse der globalen ökologischen und sozialen Krise vor. Er benennt die Ursachen und macht Vorschläge, wie den Gefährdungen entgegengewirkt werden kann. Franziskus ruft alle Menschen auf, ein neues Verantwortungsbewusstsein für das „gemeinsame Haus Erde“ – wie er es formuliert – zu entwickeln.

In der vergangenen Woche haben wir Bischöfe in unserer Vollversammlung in Fulda darüber beraten, welchen substantiellen Beitrag die Kirche zum Umwelt- und Klimaschutz leisten kann.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat den Schutz des Klimas und die Bewahrung des Schöpfung bereits sehr früh in ihre Agenda aufgenommen: In diesem Jahr können wir das 10-jährige Bestehen der diözesanen Klima-Initiative begehen, zu deren umfassenden Initiativen auch der Franziskus-Preis zählt. Besonders dankbar bin ich auch, dass wir noch in diesem Jahr ein umfassendes integriertes Klimaschutzkonzept vorstellen können. Herr Ordinariatsrat Dr. Drumm, der als zuständiger Hauptabteilungsleiter das integrierte Klimaschutzkonzept verantwortet, wird gleich im Anschluss Näheres dazu sagen.

Liebe Gäste,
wenn wir nun heute, anlässlich des Fests des heiligen Franziskus, Projekte und Initiativen zum Klimaschutz mit dem Franziskus-Preis auszeichnen, dann steht dieses Mal mehr denn je in dem Bewusstsein, dass Nachhaltigkeit ein zentraler Aspekt unseres christlichen Tuns ist. Und ich möchte an dieser Stelle noch einmal Papst Franziskus zitieren, der in „Laudato sì’“ schreibt: „Die Grundhaltung des Sich-selbst-Überschreitens, indem man das abgeschottete Bewusstsein und die Selbstbezogenheit durchbricht, ist die Wurzel aller Achtsamkeit gegenüber den anderen und der Umwelt.“

Menschen mit dieser „Grundhaltung der Achtsamkeit“ wollen wir loben und belohnen, indem wir Ihr Engagement mit dem Franziskus-Preis auszeichnen. Dass Sie heute den Preis erhalten ist ein Statement! Es ist ein Statement für ihren persönlichen Einsatz für umwelt- und klimagerechtes Handeln. Es zeigt, wie sehr Ihnen und uns allen die Bewahrung und der Schutz der Schöpfung Gottes am Herzen liegen.

Deshalb ist es mir eine besondere Freude,
Herrn Staatssekretär Dr. Andre Baumann aus dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg zu begrüßen. Sie vertreten Herrn Minister Untersteller, der auch in diesem Jahr wieder den Vorsitz der Jury des Franziskus-Preises übernommen hat. Bitte übermitteln Sie unseren Dank auch an Herrn Minister Untersteller.

Herzlich begrüße ich zudem die Mitglieder des Landtags, Herrn Andreas Glück und Herrn Andreas Stoch, sowie die Mitglieder der Diözesanleitung.

In der Jury zur vierten Verleihung des Franziskus-Preises wirkten mit:

  • Frau Professorin Dr. Susan Draeger, Assoziierte Partnerin bei WSGreenTechnologies und Professorin an der OTH Regensburg für den Studiengang Gebäudeklimatik;
  • Herr Dr. Dr. Oliver Putz vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS), Potsdam;
  • Frau Veronika Rais-Wehrstein, Mitglied im Präsidium des Diözesanrats der Diözese Rottenburg-Stuttgart;
  • Herr Prof. Dr. Ing. Günther Sabow, Leiter des Instituts für Verkehr und Umwelt e.V., Stuttgart;
  • Herr Professor Dr. Markus Vogt, von Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. Herr Professor Vogt, war bei der Jurysitzung leider kurzfristig verhindert.

Ich heiße Sie, die Mitglieder der Jury, herzlich Willkommen und verbinde mit meinen Gruß zugleich meinen Dank für Ihr außerordentliches Engagement, mit dem Sie sich Ihrer Aufgabe als Mitglied der Jury des Franziskus-Preises widmen. Es ist eine große Bereicherung für uns und für die Bewertung der verschiedenen Projekte, dass Sie in so unterschiedlichen Fachbereichen zuhause sind. Zeigt dies doch auch, wie zentral das Anliegen unserer Ortskirche ist, die Schöpfung zu bewahren und schöpfungsfreundlich zu handeln. „Schöpfungsfreundlich“ gehört als Markenzeichen zum Profil der Diözese Rottenburg-Stuttgart – ebenso wie missionarische, diakonisch-karitative und dialogische Kirche zu sein.

Es ist also kein Zufall, dass wir Anfang Oktober Gemeinden, Einrichtungen und Projekte, die sich in besonderer und beispielhafter Weise um den Erhalt der Schöpfung verdient machen, mit dem Franziskus-Preis auszeichnen. Der Franziskus-Preis ist, wie ich vorhin bereits erwähnt habe, Teil der umfassenden Klima-Initiative der Diözese Rottenburg-Stuttgart und wird alle zwei Jahre – in diesem Jahr bereits zum fünften Mal – verliehen. Wir begehen heute sein 10-jähriges Jubiläum! Als Fixpunkt der Preisübergabe haben wir uns für einen Tag um den Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi, am 4. Oktober, entschieden. Denn die Kirche ehrt Franziskus bis heute als Vorbild und Leitfigur für die Schöpfungsverantwortung. Seine Liebe zur Schöpfung und seine damit verbundene Dankbarkeit an Gott als Schöpfer allen Lebens ist für uns Christen Ermutigung und Beispiel zugleich.

Die Liebe zu allen Geschöpfen ist unsere Motivation und unser Antrieb, wenn wir uns heute um einen vor Gott verantworteten Umgang mit der Schöpfung, unserer Umwelt oder Mitwelt bemühen.

Im zweiten Schöpfungsbericht des Buches Genesis heißt es: „Gott, der Herr nahm (…) den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte.“ (Gen 2,15) Der Mensch ist nicht der Hervorbringer der Schöpfung. Er ist ihr Hüter und Bewahrer. Er hat einen Grundauftrag; und er hat auch einen Auftraggeber, dem er Verantwortung schuldet. Der Mensch ist nicht „Shareholder“ der Schöpfung, sondern „Treuhänder“, „Gärtner“, und in der Verantwortung einer höheren Instanz. Diese Instanz ist Gott – der Schöpfergott, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott Jesu Christi.

Der heilige Franziskus ist uns heutigen Menschen auch Vorbild in einer Haltung der Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfergott für sein gesamtes Schöpfungswerk, das weitergeht und bis heute fortdauert. Aus dieser Haltung der Liebe zur Schöpfung und der Dankbarkeit für die Schöpfung heruas verstehen wir unsere Aktivitäten zur Bewahrung der Schöpfung. Sie verpflichten uns, der heutigen Gesellschaft, allen Zeitgenossen, sowie den kommenden Generationen ein Beispiel zu geben.

Jede und jeder steht vor der schwierigen Aufgabe, diese Haltung der Liebe und der Dankbarkeit in den Alltag zu übertragen. Es sind schwierige Entscheidungen zu fällen, wir stehen oft genug vor Zielkonflikten, die kein einfaches Ja oder Nein erlauben. Mit kleinen Gesten entscheiden wir etwa als Konsumenten über die Produktionsverhältnisse auf dem globalen Markt. Als Reisende sind wir Teil des globalen Rohstoffverbrauchs. Und wie jede Institution steht auch und gerade die Kirche in ihrem tagtäglichen Leben und Handeln immer wieder vor ökologischen Herausforderungen. Es gilt abzuwägen und die Folgen unserer Entscheidungen für die heutigen und kommenden Generationen sowie die gesamte Schöpfung zu bedenken, um dann entschlossen zu handeln.

In der Nachfolge des heiligen Franziskus und gemäß ihres Schöpfungsglaubens möchte die Diözese Rottenburg-Stuttgart so durch vorbildhaftes Handeln in die Gesellschaft hineinwirken und Beispiele setzen. Zugleich haben wir auch eine prophetische Rolle wahrzunehmen. Es ist unsere Pflicht, auf Missstände im Umgang mit der Schöpfung Gottes hinzuweisen und Verbesserungen anzumahnen.

Alle Initiativen, die sich für den Franziskus-Preis beworben haben, sind Vorbilder und Beispiele dieser gelebten Schöpfungsverantwortung in ihrem alltäglichen Handeln.

Ich danke allen, die sich für den Franziskus-Preis beworben haben. Hiermit spreche ich Ihnen meine besondere Anerkennung aus.

Danken möchte ich zudem dem Strategieentwicklungsteam der Klima-Initiative unter dem Vorsitz von Herrn Ordinariatsrat Dr. Joachim Drumm. Ihnen, lieber Herr Drumm, bin ich für Ihre kontinuierliche und erfolgreiche Arbeit sehr dankbar.

Ich danke Frau Architektin Anna Blaschke sehr für die gelungene Aufbereitung der Präsentation der eingereichten Projekte.

Herzlich danke ich auch allen, die für die organisatorische Vorbereitung und Gestaltung dieser Preisverleihung Sorge getragen haben, insbesondere dem Umweltbeauftragten der Diözese, Herrn Stefan Schneider.

Und schließlich danke ich Ihnen, die Sie mit Ihren Bewerbungen zum Ausdruck bringen, dass Ihnen die Bewahrung der Schöpfung ein Herzensanliegen ist. Sie sind ein Beispiel für schöpfungsfreundliches kirchliches Handeln.

Ich wünsche Ihnen allen für den heutigen Abend spannende Impulse und interessante Begegnungen hier im Haus der Katholischen Kirche!

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