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Texte und Reden

Medien, Kunst, Kultur

Stuttgart, St. Eberhard

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Überall in unserem Land finden in diesen Tagen zahlreiche Veranstaltungen statt, bei denen Menschen bedenken, wie das Zusammenleben über kulturelle, sprachliche und religiöse Grenzen hinweg gelingen kann. Die Interkulturelle Woche ist angekommen in unserer Gesellschaft und sie ist angekommen in unseren Gemeinden.

Liebe Schwestern und Brüder! Ich begrüße Sie alle sehr herzlich zur ökumenischen Eröffnung in Stuttgart! „Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede feiern.“ – Mit diesem Leitwort gehen wir in die diesjährige Interkulturelle Woche. Die kurzen Worte fassen die Erfahrungen von gelingender Begegnung und wachsendem Verständnis zusammen – Erfahrungen, die in fast vierzig Jahren an unzähligen Orten im ganzen Land gemacht wurden.

Die Interkulturelle Woche ist von der Erkenntnis geprägt, dass es immer wieder besondere Räume und Zeiten braucht, um zu entdecken, was Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft verbindet und bereichert.

Denn besonders in der Nachfolge Jesu verlieren solche Unterschiede ihre trennende Macht. Die Begegnung mit Fremden und der Dialog mit Menschen, die anderen Kulturen und Religionen angehören, gehören zu den unverzichtbaren Lebensvollzügen der Kirche.

Deshalb werben wir für ein friedliches und gerechtes Miteinander von Menschen unterschiedlicher Sprache, Herkunft und Religion in Deutschland. Alle sollen teilhaben können an unserem Gemeinwesen: mit Rechten und mit Pflichten. Gelingen kann dies durch eine Kultur des Dialogs.

Unser Land ist ein Zuwanderungsland. Insbesondere in einer Zeit der politischen Destabilisierung des Krieges und des Terrors suchen viele Menschen in Deutschland und in anderen europäischen Staaten Schutz und Heimat. Diese Flüchtlingsbewegungen stellen Europa vor ganz neue Herausforderungen. Besonders besorgniserregend ist die Flüchtlingskatastrophe im Norden des Irak. Dort sind hunderttausende Christen, Jesiden und Chaldäer, auf der Flucht. Ihre Not wird sich angesichts des drohenden kalten Winters noch dramatisch verschärfen. Hier ist die Solidarität und die Hilfe der Kirchen besonders wichtig! Das II. Vaticanum formuliert folgende Botschaft an uns: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi“, (GS 1) diese Worte sind Bestärkung und Aufforderung, alle Anstrengungen unternehmen, um weiteres Elend in den Krisengebieten abzuwenden und den Menschen, die zu uns kommen, Heimat ermöglichen.

„Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede feiern.“ Das Motto der diesjährigen Interkulturellen Woche kann in der Debatte um das Zusammenleben in unserem Land und um den Schutz für die Flüchtlinge in den Krisengebieten die Richtung weisen. Geht es doch ganz selbstverständlich davon aus, dass es fundamentale Gemeinsamkeiten unter den Menschen gibt, gleich welcher Herkunft, Sprache oder Religion sie sind: das Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit, das Bedürfnis nach freier Entfaltungsmöglichkeit, nach Teilhabe und Heimat.

Als Ermutigung für diesen Weg passt der Vers aus dem zweiten Timotheus-Brief, der unseren Gottesdienst heute wie ein roter Faden durchziehen wird: „Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Tim 1,7)

Ich  danke allen, die sich öffentlich für Integration, Konfliktlösung und internationale Hilfsmaßnahmen einsetzen. Möge die kommende Interkulturelle Woche mit ihren vielen Aktivitäten dazu dienen, dass unser Land gastfreundlicher, offener und humaner werden kann. Um Gottes – und der Menschen willen! 

So lasst uns nun diesen Gottesdienst zur Interkulturellen Woche feiern.

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