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Die Bischöfe der Diözese

Von 1828 bis heute

1828 wurde der erste Bischof von Rottenburg inthronisiert. Elf Oberhirten führten seither die württembergische Diözese, seit 1978 als „Bischof von Rottenburg-Stuttgart“.

Bischof Dr. Johann Baptist Keller

erster Bischof der Diözese Rottenburg 1828 - 1845

*16. Mai 1774 in Salem (Baden)
Studium der Theologie in Dillingen und Salzburg
Priesterweihe: 10. Juni 1797 in Salzburg
Bischofsweihe: 4. August 1816 in Rom (Titularbischof von Evara)
Inthronisation: 20. Mai 1828
† 17. Oktober 1845 in Bartenstein

Als Gründungsdatum der Diözese wird der 20. Mai 1828 betrachtet, der Tag, an dem der bisherige Generalvikar Dr. Johann Baptist Keller zum ersten Diözesanbischof ernannt und inthronisiert wird. Keller weiß, was auf ihn zukommt: Die staatliche Kontrolle über die Kirche, wie sie im protestantischen Württemberg üblich ist, soll auch im neuen Bistum Rottenburg herrschen. Jede Veröffentlichung und Verordnung wird von der Regierung in Stuttgart zensiert und fast alle Pfarreien und die Priesterausbildung von ihr kontrolliert. Bischof Keller bleiben nur wenige Spielräume zur eigenen Gestaltung, die er vor allem für die Vereinheitlichung der Liturgie im neuen Bistum nutzt.


Bischof Dr. Joseph Lipp

zweiter Bischof der Diözese Rottenburg 1845 - 1869

* 24. März 1795 in Holzhausen
Studium der Theologie in Ellwangen und Tübingen
Priesterweihe: 18. September 1819 in Rottenburg
Bischofsweihe: 12. März 1848 in Freiburg
Inthronisation: 19. März 1848
† 3. Mai 1869 in Rottenburg

Durch die Märzrevolution von 1848 erhalten auch die Katholiken Württembergs die bürgerlichen Freiheiten wie Presse-, Versammlungs- und Vereinsfreiheit. Das macht es dem zweiten Bischof von Rottenburg Joseph von Lipp leichter, eigene Akzente zu setzen. Er kann die Gründung von Frauenklöstern in Württemberg durchsetzen und die Publikationen der Bistumspresse und die Gründung katholischer Vereine vorantreiben. Auch das Verhältnis zur Regierung in Württemberg einerseits und den Professoren der Katholisch-Theologischen Fakultät in Tübingen anderseits gestaltet sich auch durch die ausgleichende Art Lipps vertrauensvoll.


Bischof Dr. Carl Joseph von Hefele

dritter Bischof der Diözese Rottenburg 1869 - 1893

* 15. März 1809 in Hochmühle (Unterkochen)
Studium der Theologie, Philosophie, Philologie und Mathematik in Tübingen
Priesterweihe: 15. August 1832 in Rottenburg
Bischofsweihe und Inthronisation: 29. Dezember 1869
† 5. Juni 1893 in Rottenburg

Der Beginn des Episkopats von Bischof Dr. Carl Joseph Hefele, einem Kirchenhistoriker von Weltruf, ist überschattet von der Kontroverse über die Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit auf dem Ersten Vatikanischen Konzil. Hefele lehnt diese strikt ab, stimmt jedoch um der Einheit der Kirche willen nach zähem Ringen zu. Einer der Schwerpunkte seines Episkopats ist der Ausbau der Seelsorge in den vormals rein protestantischen Gebieten der Diözese. Durch die Industrialisierung sind viele katholische Familien in die neu entstandenen Ballungsräume gezogen. Dass ein Kulturkampf in Württemberg ausbleibt, ist das Verdienst Hefeles, der mit König Karl ein positives persönliches Verhältnis unterhält. Auch das Klima in der Ökumene wird unter Hefele versöhnlicher.


Bischof Dr. Wilhelm Reiser

vierter Bischof der Diözese Rottenburg 1893 - 1898

* 13. Mai 1835 in Eggesheim
Studium der Theologie und Philosophie in Tübingen
Priesterweihe: 10. August 1859 in Rottenburg
Bischofsweihe: 14. November 1886 (Titularbischof von Enos und Weihbischof in Rottenburg)
Inthronisation: 11. Juli 1893
† 11. Mai 1898 in Rottenburg

Papst Leo XIII. hatte 1891 die Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ verfasst, deren Umsetzung Bischof Dr. Wilhelm von Reiser besonders am Herzen lag. Die Industrie in den Ballungsräumen Württembergs zieht um die Jahrhundertwende viele Katholiken an. So verfünffacht sich die Zahl der Katholiken in Stuttgart zwischen 1860 und 1900 und bringt für die Kirche neue Herausforderungen. Raiser unterstützt die Gründung von Zentrumspartei und Arbeitervereinen und treibt in den fünf Jahren seiner kurzen Amtszeit den Kirchenbau vor allem in der Diaspora voran.


Bischof Dr. Franz Xaver Linsenmann

fünfter Bischof der Diözese Rottenburg 1898

* 28. November 1835 in Rottweil
Studium der Theologie und Philosophie in Tübingen
Priesterweihe: 10. August 1859 in Rottenburg
Wahl zum Bischof von Rottenburg: 20. Juli 1898
Präkonisierung: 5. September 1898
† 21. September 1898 in Rottenburg

Reisers Nachfolger Dr. Franz Xaver von Linsenmann, einer der führenden Moraltheologen seiner Zeit und Herausgeber des „Lehrbuchs für Moraltheologie“, wird 1898 zum Bischof gewählt und ernannt. Er stirbt aber noch vor seiner Bischofsweihe und kann sein Hirtenamt nicht antreten. Statt als fünfter Bischof von Rottenburg in den Dom St. Martin einzuziehen, wird er in der Sülchenkirche in der Gruft der Bischöfe beigesetzt. An dem Tag, als Franz Xaver Linsenmann von einer Kur bei Schramberg in seine Bischofsstadt zurückkehren soll, wird sein Leichnam dorthin überführt. Eine Lähmung hat seinem Leben ein plötzliches Ende gesetzt.


Bischof Dr. Paul Wilhelm Keppler

sechster Bischof der Diözese Rottenburg 1898 - 1926

* 28. September 1853 in Schwäbisch Gmünd
Studium der Theologie und Philosophie in Tübingen
Priesterweihe: 2. August 1875 in Rottenburg
Bischofsweihe und Intronisation: 18. Januar 1899
† 16. Juli 1926 in Rottenburg

„In trinitate robur – Kraft in der Dreieinigkeit“

Als Autor pastoraler Ratgeber für Laien, wie „Mehr Freude“ oder „Leidensschule“, erreicht der sechste Bischof von Rottenburg, Paul Wilhelm von Keppler, ein breites Publikum. Bis zu eine Viertel Million dieser Schriften wird gedruckt und in Fremdsprachen übersetzt. In Hirtenbriefen befasst sich Keppler mit sozialethische Fragen und beschreibt die kirchlichen Kunstwerke seines Bistums nach ausführlichen Wanderungen. Der begabte Prediger sorgt sich intensiv um die homiletische Weiterbildung seiner Geistlichen und nutzt die neuen Freiräume der Kirche im Staat, unter anderem zur Gründung von Männerorden. In der württembergischen Diaspora lässt er zahlreiche Kirchen im neoromanischen Stil erbauen.


Bischof Dr. Joannes Baptista Sproll

siebter Bischof der Diözese Rottenburg 1927 - 1949

* 2. Oktober 1870 in Schweinhausen bei Biberach
Studium der Theologie und Philosophie in Tübingen
Priesterweihe: 16. Juli 1895 in Rottenburg
Bischofsweihe: 18. Juni 1916 (Titularbischof von Almira und Weihbischof in Rottenburg)
Inthronisation: 14. Juni 1927
† 4. März 1949 in Rottenburg

„Fortiter in fide – Tapfer im Glauben“

Den Ehrentitel Bekennerbischof erlangt Dr. Joannes Baptista Sproll aufgrund seines mutigen Eintretens gegen den Nationalsozialismus. Schon früh erkennt Sproll, dass sich Nationalsozialismus und christlicher Glauben ausschließen. „Die Religion des Blutes ist höchstens Ersatzreligion der Gottesleugner“, betont Sproll in seinen Predigten und Denkschriften immer wieder. Bei der Abstimmung über den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 und der damit gekoppelten Wahl zum „Großdeutschen Reichstag“ bleibt er als einziger Rottenburger Bürger und als einziger Bischof in Deutschland der Wahl fern. Daraufhin wird er nach schweren Tumulten in der Bischofsstadt ins bayerische Exil vertrieben. Erst nach dem Krieg kann er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, jedoch schwer gezeichnet von seiner Krankheit, nach Rottenburg zurückkehren.


Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht

achter Bischof der Diözese Rottenburg 1949 - 1974

* 11. September 1903 in Hauerz bei Leutkirch im Allgäu
Studium der Theologie und Philosophie in Tübingen
Priesterweihe: 24. März 1928 in Rottenburg
Bischofsweihe: 30. November 1948 (Titularbischof von Scyrus und Weihbischof in Rottenburg)
Inthronisation: 8. September 1949
Rücktritt vom Bischofsamt: 4. Juni 1974
† 29. Oktober 1981 in Ravensburg

„Deus adjutor – Gott ist mein Helfer“

Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus ist die Hauptaufgabe für den achten Bischof von Rottenburg, Dr. Carl Joseph Leiprecht, der Wiederaufbau. Bischof Leiprecht lässt 450 Kirche vor allem in den Diasporagebieten bauen und versucht der halben Million Heimatvertriebenen in den Gemeinden eine neue Heimat zu bieten. Aber Bischof Leiprecht ist alles andere als nur ein Kirchenbaumeister. Er versucht auch die Menschen, die durch den Untergang des „Tausendjährigen Reiches“ schwer erschüttert sind, wieder aufzubauen. Mit der Katholischen Akademie, der Stärkung von Bildung und Kirchenmusik will er an der Erneuerung des Geistes mitwirken. Das Zweite Vatikanische Konzil, bei dem er „heilige Freiheit“ erlebt, beflügelt die liturgische Erneuerung und die Mitwirkung der Laien in der Kirche durch die Räte. Er gründete die Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen, ACK. Als Medienbischof führt er die Kirche ins noch junge Medienzeitalter.


Bischof Dr. Georg Moser

neunter Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart 1975 - 1988

* 10. Juni 1923 in Leutkirch im Allgäu
Studium der Theologie und Philosophie in Tübingen
Priesterweihe: 18. März 1948 in Rottenburg
Bischofsweihe: 14. November 1970 (Titularbischof von Tiges und Weihbischof in Rottenburg)
Inthronisation: 12. April 1975
† 9. Mai 1988 in Stuttgart

„Ut habeant vitam – Damit sie das Leben haben“

Zur Feier des 150-jährigen Bestehens beantragt der neunte Bischof, Dr. Georg Moser, die Diözese Rottenburg in Diözese Rottenburg-Stuttgart umzubenennen und die Stuttgarter Stadtkirche St. Eberhard zur Konkathedrale zu erheben. Für Bischof Moser ein deutliches Zeichen dafür, dass die Kirche bei den Menschen und im Zentrum des Landes sein will. Als „Volksbischof“ geht Moser auf die Menschen zu und sucht die Auseinandersetzung mit den modernen Strömungen der Zeit. Er beruft eine Diözesansynode ein, in der es um die „Weitergabe des Glaubens an die kommende Generation“ geht. Ihre Beschlüsse bilden die Umrisse eines Pastoralkonzepts für die folgenden Jahre. Als Medienbischof baut er die kirchliche Medienarbeit für den Dialog mit den Menschen aus und nutzt selbst die Medien seiner Zeit. Immer steht für Moser die Weitergabe des Glaubens, der ihn selbst mit Lebensfreude erfüllt, im Zentrum seines Wirkens.


Bischof Dr. Walter Kasper

zehnter Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart 1989 - 1999

* 5. März 1933 in Heidenheim an der Brenz
Studium der Theologie und Philosophie an den Universitäten Tübingen und München
Priesterweihe: 6. April 1957 in Rottenburg
Bischofsweihe und Inthronisation: 17. Juni 1989
Emeritiert als Bischof von Rottenburg-Stuttgart: 31. Mai 1999

„Veritatem in Caritate - Die Wahrheit in Liebe“

Mit Dr. Walter Kasper wird 1989 einer der profiliertesten deutschen Theologieprofessoren Bischof von Rottenburg. Seit 1964 lehrt er in Münster und Tübingen und veröffentlicht zahlreiche grundlegende theologische Werke. Als zehnter Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart setzt er sich für die Glaubensweitergabe, die Verlebendigung der Liturgie und der Zusammenarbeit von Priestern und Laien ein. Beim Diözesanforum 1995 führt er die Anliegen der Diözesansynode fort. Zudem leitet er den Prozess der Reform der Diözesankurie ein und gibt starke Impulse für eine zeitgenössische Pastoral in den Gemeinden der Diözese. Im Jahr 1999 wird er erst zum Sekretär, dann 2001 als Kardinal zum Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen in Rom berufen. Dort setzt er sich über ein Jahrzehnt lang für den Dialog der christlichen Konfessionen und des Christentums mit dem Judentum ein.


Bischof Dr. Gebhard Fürst

elfter Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart seit 2000

„Propter nostram salutem - Um unseres Heiles Willen“