Am 15. und 16. Juni 2012 tagte der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart im Kloster Untermarchtal. Er beriet über die Zukunft der Kinderbetreuung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und über den Dialogprozess. Außerdem traf er finanzielle Entscheidungen mit einem Gesamtvolumen von über 32 Millionen Euro.
Kinderbetreuung
Mit 18 Millionen stattete der Diözesanrat einen neuen Fonds aus, mit dem Kinderkrippen in der Trägerschaft von Kirchengemeinden gefördert werden sollen. So hofft der Diözesanrat, die im Rottenburger Kindergartenplan geforderten „hochwertigen und differenzierten Betreuungsangebote für unter dreijährige Kinder“ gewährleisten zu können. Viele Kirchengemeinden sind durch ihre Kinderbetreuungsangebote an ihren finanziellen Grenzen angelangt. Mit dem Fonds, der aus im Jahr 2011 nicht ausgeschöpften Haushaltsmitteln gebildet wurde, steht in den Jahren 2012 bis 2018 pro Krippengruppe ein jährlicher Zuschuss von 5.000 Euro zur Verfügung. Die Diözese geht von einem Bedarf von bis zu 560 Krippengruppen aus. Für die Betreuung der Unter-Dreijährigen gilt in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ein Betreuungsschlüssel von einer Erzieherin pro fünf Kinder. Die Gruppengröße ist auf zehn Kinder beschränkt. Zum Einsatz kommt nur Fachpersonal, das für die Betreuung der Kleinkinder ausgebildet ist. Die Betreuung Unter-Dreijähriger hatte der Diözesanrat bereits im November 2007 mit der diözesanen Konzeption für die Kinderbetreuung in katholischen Einrichtungen, dem „Rottenburger Kindergartenplan“ befürwortet.
Bevor der Diözesanrat seine Entscheidung für den Kinderkrippen-Fonds fällte, hatte Ordinariatsrätin Irme Stetter-Karp, Leiterin der für die Kinderbetreuung zuständigen Hauptabteilung Caritas, eine Zwischenbilanz des Rottenburger Kindergartenplans vorgelegt und dessen Weiterentwicklung gefordert. Hohe Qualitätsstandards, eine verbesserte Personalstruktur und mehr kirchliche Profilierung sind durch das neue Konzept erreicht worden. Handlungsbedarf sieht die Auswertung besonders bei den Trägerstrukturen, bei der Bereitstellung ausreichender Stellenanteile in der Verwaltung und der pastoralen Betreuung sowie bei der Qualifizierung des Personals. Professor Marek Fuchs von der Technischen Universität Darmstadt beurteilte auf Grund einer wissenschaftlichen Auswertung das personelle Konzept des Rottenburger Kindergartenplans als „gelungen“ und empfahl, dieses fortzuschreiben. Derzeit gibt es im württembergischen Landesteil 903 katholische Einrichtungen für Kinderbetreuung, in denen knapp 55.000 Kinder betreut werden. 59 Prozent der Kirchengemeinden sind Träger von Kindergärten. Sie beschäftigen in diesem Bereich 6.075 Mitarbeiterinnen.
Dialog- und Erneuerungsprozess
Seit der Eröffnung des diözesanen Dialogprozesses im März 2011 gab es in vielen Dekanaten, Kirchengemeinden, Verbänden und kirchlichen Einrichtungen Veranstaltungen und Aktionen. An rund 50 Veranstaltungen nahm Bischof Fürst persönlich teil. 150 Veranstaltungen sind dokumentiert. Derzeit werden die Dokumentationen sowie eingegangene Briefe zu Reformthemen extern ausgewertet. Bischof Gebhard Fürst betonte in der Diözesanratssitzung, jetzt sei es an der Zeit, von der Phase des Hörens in eine Phase überzugehen, in der Konsequenzen aus dem Gehörten gezogen und Perspektiven entwickelt werden. Natürlich könnten weiterhin Diskussionsergebnisse aus den Dekanaten und Verbänden einfließen. Ihm selbst sei es ein besonderes Anliegen, gute Lösungen für wiederverheiratetet Geschiedene und für konfessionsverschiedene Ehen zu finden. Desweiteren wolle er sich dafür einsetzen, noch mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Er werde im September darüber mit der Gleichstellungsbeauftragten und der Frauenkommission der Diözese beraten.
Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn forderte eine Konzentration des Dialogprozesses. Man könne weiter „trefflich über Strukturen reden, über Ideale, Prinzipien, Weisheiten und Wahrheiten“. Er erlebe jedoch, dass „diese Fragen zumindest in der gesellschaftlichen Diskussion über kirchliche Themen weder interessieren noch weiterbringen“. Gemessen werde die Kirche daran, wie Menschen miteinander umgehen. Hier sei das Prinzip der Barmherzigkeit zu pflegen. Warmbrunn erläuterte: „Barmherzigkeit heißt nicht, Grundsätze und Werte über Bord zu werfen. Barmherzigkeit entsteht im direkten Miteinander, in der Zuwendung und im Teilen eines Schicksals.“ Er plädierte für offene „Räume, in denen ohne Scheu und Not gestaltet werden kann, aber auch immer wieder Werte zur Sprache gebracht werden können“. Sinnvoll sei es, sich auf die Themen zu konzentrieren, die sich in der Diözese entscheiden und umsetzen lassen.
Die 42 Frauen im Diözesanrat stellten den Antrag, in der Novembersitzung ein Votum zu Fragen des partnerschaftlichen Umgangs von Männern und Frauen in der Kirche abzugeben. In seiner Sitzung im Mai 2011 hatte der Diözesanrat dies als zweitwichtigstes Thema für den Dialog- und Erneuerungsprozess bewertet. „Bisher haben wir uns im Diözesanrat mit diesem wichtigen Themenkomplex nur am Rande bzw. innerhalb anderer Tagesordnungspunkte beschäftigt. Unseres Erachtens ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, eine gemeinsame Position zu finden“, hieß es in dem Antrag. Der Auftrag des Diözesanrats, den Bischof zu beraten, könne eben heißen, dem Bischof eine Empfehlung mitzugeben im Blick auf den Studientag, den die Deutsche Bischofskonferenz zu diesem Thema für das Frühjahr 2013 plane. Der Diözesanrat stimmte dem Antrag bei einer Nein-Stimme und einer Enthaltung zu. Der Pastoralausschuss übernahm die Aufgabe, eine Textvorlage zu erarbeiten. Eine Abstimmung mit der Frauenkommission und der Gleichstellungsbeauftragten der Diözese ist vorgesehen.
Weitere finanzielle Entscheidungen
Finanzdirektor Dietmar Krauß informierte den für die Kirchensteuer zuständigen Diözesanrat über die finanzielle Situation der Diözese. Nach einem überwiegend konjunkturbedingten Rückgang der Kirchensteuereinnahmen in 2009 und 2010 von zusammen über zehn Prozent konnte die Diözese in 2011 siebeneinhalb Prozent wieder aufholen. Der Finanzausschuss mit seinem Vorsitzenden Werner Krahl empfahl dem Diözesanrat, einen Teil der 2011 nicht ausgegebenen Mittel zur Entlastung zukünftiger Haushalte zu nutzen. Krahl erklärte: „Wir sind der Meinung, dass wir die gute finanzielle Entwicklung nutzen müssen, um weiter zu sparen, um Risikovorsorge zu treffen und in gewissem Rahmen auch gestalten zu können.“
Der Diözesanrat folgte einstimmig den Empfehlungen des Finanzausschusses. Mit einer Rückstellung für Versorgungsverpflichtungen für kirchliche Angestellte und Beamte in Höhe von 20 Millionen Euro soll der Diözesanhaushalt in den kommenden Jahren entlastet werden. Bisher wurden die Pensionen der kirchlichen Beamten und die Zusatzversorgung der Angestellten ausschließlich im Umlageverfahren aus dem laufenden Haushalt bezahlt. Zukünftig wird ein Teil der Ausgaben über die jetzt eingerichtete Rückstellung beglichen. So soll das zu erwartende Ungleichgewicht zwischen gleich bleibenden Versorgungsansprüchen und langfristig rückläufigen Kirchensteuereinnahmen gemindert werden. Außerdem beschloss der Diözesanrat eine Zustiftung zur Stiftung „Katholische Freie Schule“ in Höhe von drei Millionen Euro. Mit 450.000 Euro schuf er die finanzielle Grundlage zur Gründung einer Freiwilligendienst-gGmbH. Diese soll gemeinsam mit dem Diözesancaritasverband und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) gegründet werden, um weiterhin aus einer Hand Freiwilligendienste wie Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) oder Bundesfreiwilligendienste für Jugendliche und Erwachsene (BFD/BFD 27+) anbieten zu können.
Im Blick auf die Jahre 2013 und 2014 erläuterte Finanzdirektor Dietmar Krauß: „Angesichts der vielen Risiken, gerade auch im Hinblick auf die Staatsverschuldungen in der Eurozone, haben wir im Einvernehmen mit dem Finanzausschuss eine verhaltene Einschätzung der Steuerentwicklung mit plus ein Prozent für 2013 und plus zwei Prozent für 2014 getroffen.“ Den Kirchengemeinden stehen 2013 sechs Prozent mehr Geld zur Verfügung als in diesem Jahr. 2014 sollen weitere vier Prozent hinzukommen. „Mit einer Steigerung der Zuweisungen 2013/2014 von zehn Prozent leisten wir einen wichtigen Akzent zur Finanzausstattung der Kirchengemeinden. Wir tun dies im Bewusstsein, dass die Mittel in den Kirchengemeinden wirklich gut angelegt sind und benötigt werden“, betonte Finanzdirektor Dietmar Krauß. Die Diözesanhaushalte 2013 und 2014 verabschiedet der Diözesanrat im November.
Pressemeldung Diözesanrat/Cäcilia Branz
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