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Mehr als ein wenig Frommsein

Geerdete Spiritualität Thema in "drs.global"


Neben Hintergrundberichten zur Reise einer diözesanen Delegation in die Ukraine beschäftigt sich die neue Ausgabe von drs.global auch mit dem Wechsel des MISEREOR-Chefs. Pirmin Spiegel erzählt von seiner neuen Aufgabe.



 

Interview

Haben Ihre Erfahrungen und Begegnungen in Brasilien Ihren Glauben und den Menschen Pirmin Spiegel verändert?

Pirmin Spiegel: Das wohl Faszinierendste an der Kirche Brasiliens war und ist für mich ihre Bekehrung zu den Armen. ... Im Nordosten Brasiliens hat mich eine Kirche geprägt, die wirklich Kirche der Armen war, deren Leben und Träume, Herausforderungen und Hoffnungen teilte. Im Leben mit den Armen habe ich gelernt, das Evangelium und Jesus mit neuen Augen zu sehen und die Gegenwart Jesu in den Armen zu verstehen. ...

Was könnten die katholische Kirche sowie Gemeinden und Christen in Deutschland von den Christen in Brasilien lernen?

Spiegel: Rasche Übertragungen von einer Situation in die andere wären zu einfach. Die Kirche in Deutschland muss ihren Weg in ihrer Situation finden und gehen. Aber vielleicht ist gerade dies ein wichtiger Lernschritt von der Kirche Brasiliens: Als sich nämlich die Kirche dort den sozialen Realitäten der Menschen stellte, hörte sie auf „europäische Kirche“ zu sein und wurde für das Alltagsleben der Menschen relevant. Müsste sich die Kirche in Deutschland nicht auch stärker den Alltagssorgen und Nöten der Menschen zuwenden, von ihnen aus lernen und von da aus ihre Dienste, auch ihre Gottesdienste, entwickeln und gestalten und sich in die gesellschaftlichen Belange einmischen?
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Die deutsche Kirche befindet sich in einem Dialog- und  Erneuerungsprozess. Welche spezifische Rolle könnte MISEREOR als bischöfliches Hilfswerk in diesem Prozess spielen?

Spiegel: Meines Erachtens befindet sich die Kirche in Deutschland in einer Umbruchsituation. Sie ist dabei, ihre Defizite und deren Ursachen zu erkennen, zu sortieren und in einen Dialog über eine Erneuerung einzutreten. ... Auf allen Ebenen, angefangen von den Laien und ihren Organisationen bis hin zu den Bischöfen, sollte man es wagen, von einer Kirche zu träumen, die heutig und zukunftsfähig ist – das Aggiornamento Johannes‘ XXIII.. MISEREOR kann hier seine weltkirchlichen Erfahrungen einbringen und Dialoge ermöglichen.

„Missionarische Kirche werden“ – so lautet ein pastorales Hauptmotiv unserer Diözese.  Was bedeutet das für Sie?

Spiegel: Dass sich die Diözese Rottenburg-Stuttgart vorgenommen hat, „missionarische Kirche zu werden“, ist gerade für mich besonders spannend. Denn in Brasilien und anderen Ländern Lateinamerikas habe ich zuletzt an Prozessen und Kursen mitgewirkt, um für Pfarreien und Gemeinden Laienmissionare auszubilden und zu begleiten. Menschen, die sich begeistern und begeistern lassen, heute BotschafterInnen des Gottesreiches zu sein. Missionarische Kirche in Deutschland heißt für mich, dass sich die Kirche gesellschaftlichen Herausforderungen stellt und die großen Fragen, die die Menschen bewegen, tatsächlich aufgreift und zusammen mit den Menschen nach tragenden Antworten sucht. ...

Katholische Kirche sein heißt Weltkirche sein und  werden. Trotz (oder wegen?) immer mehr und schneller zunehmender Globalisierung scheint die weltkirchliche Perspektive in unseren Gemeinden eher schwächer zu werden ...

Spiegel: ... Beispiele belegen das hohe weltkirchliche Engagement der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Wenn Gemeinden heute ihre finanziellen Grenzen spüren und sehen müssen, wie sie zurechtkommen, ist es verständlich, dass solche Sorgen stärker wahrgenommen werden. Andererseits ist die weltkirchliche Aufgabe keine Schön-Wetter-Aufgabe. Gemäß dem II. Vatikanischen Konzil gehört die weltkirchliche Dimension unverzichtbar zum Kirchesein. In der Zusammenarbeit von Diözesen und MISEREOR kann gerade die weltkirchliche Arbeit wieder gestärkt werden. ... Die Menschen der Diözese Rottenburg-Stuttgart lade ich ein, sich mit MISEREOR mit „Zorn und Zärtlichkeit“ an die Seite der Armen zu stellen und an einer gerechteren und menschlicheren Welt mitzuarbeiten.

Interview: Dr. Willi Knecht
Foto: MISEREOR-Chef Pirmin Spiegel (rechts) bei der Schlüsselübergabe mit Vorgänger Josef Sayer.

Das vollständige Interview finden Sie in der Juli-Ausgabe von "drs.global".

 

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