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Gastpriester aus aller Welt

Martina Brandl organisiert die Urlaubsvertretungen


Sommerzeit ist Urlaubszeit, auch für Pfarrer. Damit ihre deutschen Kollegen sich erholen können, übernehmen ausländische Priester die Gottesdienste. Martina Brandl koordiniert im Rottenburger Ordinariat Angebot und Nachfrage.


Kein Religionsunterricht, keine Kirchengemeinderatssitzung - und auch das Telefon klingelt nicht im Fünf-Minuten-Takt. Die Sommerferien sind eine der wenigen Zeiten, in denen in den Pfarrbüros der Diözese Rottenburg-Stuttgart etwas Ruhe einkehrt. Zeit für die pastoralen Mitarbeiter Urlaub zu machen. Doch wer spendet dann die Krankensalbung und feiert sonntags Eucharistie, wenn der Pfarrer verreist ist? "Viele regeln das in der Seelsorgeeinheit selbst", weiß Martina Brandl, die in der Rottenburger Hauptabteilung Pastorales Personal die Vertretung organisiert. Wenn zwei Priester da sind, wechseln sie sich ab. Und da auch etliche Gläubige in der Fremde weilen, verringert sich die Anzahl der Gottesdienste und beauftragte Laien gestalten sie vermehrt als Wort-Gottes-Feiern.

Ergeben sich trotzdem Engpässe, freuen sich Priester vor allem aus Südasien und Afrika, wenn sie in Deutschland aushelfen dürfen. Etwa 130 von ihnen - vorwiegend aus Indien, Uganda und Nigeria -  bleiben für drei bis vier Wochen in ihren württembergischen Vertretungsgememeinden. Interessenten gibt es mehr, verrät die Warteliste. "Das fängt Ende des Jahres an", erklärt Martina Brandl, bei der die Bewerbungen eingehen. Neben den Neuen, die mit einer kurzen E-Mail anfragen, melden sich auch diejenigen, die seit Jahren denselben Ort aufsuchen und dort erwartet werden. "Bis März bekomme ich die Urlaubslisten mit den Anfragen von den Dekanaten", beschreibt die Mitarbeiterin in der Haupabteilung Pastorales Personal das Vorgehen. Danach koordiniert die 45-Jährige Angebot und Nachfrage und verschickt die Dekrete fürs Visum.

"Wir sind bei der Beliebtheit vorne mit dabei", weiß Martina Brandl aus Gesprächen mit Betroffenen und von Kollegen aus anderen Diözesen. Trotzdem kann nicht jeder ausländische Priester eingesetzt werden. "Sie brauchen eine Erklärung ihres Bischofs, dass sie es machen dürfen, und wir fordern den B-Level in Deutsch", betont die gelernte Einzelhandelskauffrau, die seit zwei Jahren die Vertretungen organisiert. Nur das Messbuch ablesen ist zu wenig. Gerade bei Beerdigungen müssen die Priester auch Gespäche führen können. Was das Papier nachweist, klappt vor Ort dann aber unterschiedlich. Auch darüber tauscht sich die Rottenburger Ansprechpartnerin mit denen aus anderen Diözesen aus. Dass es aber viele erfreuliche Beispiele gibt, zeigt sich schon daran, dass die Vertretungspriester vielerorts nicht im verwaisten Pfarrhaus, sondern regelmäßig bei Privatpersonen ein Zuhause auf Zeit finden.

Das Promotionsstudium in Rom finanzieren oder pastorale Projekte im Heimatland unterstützen. Die Motivation für ausländische Priester im Sommer nach Deutschland zu kommen ist unterschiedlich. Die Bezahlung pro Tag erhalten sie aber einheitlich, egal ob als Urlaubsvertretung von den Kirchengemeinden oder als Aushilfe in Vakanzen von der Diözese. Der Einsatzort, die Anzahl der Gottesdienste oder das Herkunftsland wirken sich nicht darauf aus. Für eine zusätzliche Unterstützung durch Gemeindemitglieder sind viele Gastpriester dankbar. Noch mehr freuen sie sich aber über Einladungen zum Essen und zu kleinen Ausflügen, bei denen sie Land und Leute kennen lernen. Denn schließlich ist die Arbeit in Deutschland ihr Urlaub.