„Alfons Auer war ein bedeutender und autonomer Denker, getragen von einer Frömmigkeit, die Gott und den Menschen nah war.“ So würdigte Bischof Gebhard Fürst den verstorbenen Moraltheologen Alfons Auer.
„Auer hat viele Theologen in unserer Diözese mit seinem Denken geprägt“. Dankbar ist der Bischof dem ehemaligen Tübingen Moraltheologen, dass er der Vernunft in Fragen der christlichen Sittenlehre eine entscheidende Rolle eingeräumt hat. „Auer hat den Weg für einen Dialog auf Augenhöhe zwischen Theologen und Wissenschaftlern freigemacht“, so Fürst.
Mit seiner Autonomen Moral habe Auer vor fast 40 Jahren die Rolle der Vernunft in der Erkenntnis des sittlich Guten hervorgehoben. Er habe durchbuchstabiert, was das Zweite Vatikanische Konzil in seiner Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ programmatisch entworfen hat. Auer, betonte Gebhard Fürst, sei ein Mann des Dialogs gewesen. Grundlage für diesen Dialog sei seine positive Sicht von Mensch und Schöpfung. Zukunftsangst und Kulturpessimismus seien ihm deshalb fremd geblieben. „Mit seiner freundlichen Art hat Auer das ausgestrahlt, was in seiner wissenschaftlichen Arbeit zum Ausdruck kam: Dass Gottes Schöpfung gut ist und ein gutes Ende nehmen wird.“
Auer hat sich zeitlebens um den Dialog zwischen Kirche und Welt bemüht. Mit seiner Schrift „Autonome Moral und christlicher Glaube“ stärkte er die Rolle der Vernunft in der moraltheologischen Diskussion. Seine Position war jahrelang umstritten. Er selbst äußerte sich zu innerkirchlichen Fragen durchaus kritisch. Seine wissenschaftliche Arbeit und seine gelebte Frömmigkeit ließen jedoch keinen Zweifel an seiner Liebe zur Kirche.
Alfons Auer wurde 1915 in Schönebürg bei Biberach geboren und erhielt 1939 die Priesterweihe in Rottenburg. Er war nach dem Krieg Repetent im Wilhelmsstift und Studentenseelsorger in Tübingen. Von 1951 bis 1953 war er der erste Direktor der Katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart und dann bis zu seiner Emeritierung 1981 Professor für Moraltheologie an den Universitäten Würzburg und Tübingen.
Das Pontifikalrequiem für Alfons Auer, das Bischof Gebhard Fürst leiten wird, findet statt am kommenden Donnerstag, 24. November, um 18:00 Uhr in St. Paulus, Karl-Adam-Straße 3, in Tübingen. Beerdigt wird Auer am Samstag, 26. November, um 10:30 Uhr in seinem Heimatort in Schönebürg. Das Requiem dort findet in der St.-Gallus-Kirche statt.
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