Auftreten statt Austreten
Der Missbrauchsskandal hat die Kirche in eine Krise gestürzt. Aber dennoch: Die katholische Kirche ist mehr! Warum sie für viele auch weiterhin zum Leben gehört und wie viel Gutes von ihr auch ausgeht erzählen Ihnen hier Katholiken aus dem Dekanat Biberach:
Glaube ist das, was mich unbedingt angeht!
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Ein Leben ohne Kirche ist für mich nicht vorstellbar. Gerade der Blick auf die Apostel zeigt, wie durchaus menschlich, d.h. auch unterschiedlich diejenigen waren, denen Jesus die Verkündigung seiner Botschaft anvertraut hat. In dieser Tardition stehe ich und auch die, über die ich mich in der Kirche ärgere. Andrerseits muß ich sagen, was wüßte ich vom christlichen Glauben, wenn es über die Jahrhunderte nicht die Kirche mit unterschiedliochsten Facetten gegeben hätte.
Zur Zeit stehen wir m. E. an einem Wendepunkt. Die Selbstverständlichkeit und die kirchliche Machtausübung wendet sich hin zu einer neuen Form von Glaubwürdigkeit gem. dem Wort von Paul Tillich: Glaube ist das, was mich unbedingt angeht. Diesen aktuellen Wandel mitzugestalten ist für mich eine spannende Aufgabe. Ich halte es daher mit dem Motto Auftreten statt Austreten.
Pfarrer Klaus Sanke
Christliche Werte der Kirche sind für mich ein Fundament
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Warum bleibe ich trotz allem weiterhin in der Kirche?
Kirchenaustritt war für mich zu keinem Zeitpunkt ein Thema, denn die Straftaten Einzelner kann nicht der gesamten Gemeinschaft der katholischen Christen zur Last gelegt werden. Kirche ist für mich nicht der Pfarrer, sondern dort, wo Menschen im christlichen Glauben versuchen miteinander zu leben und füreinander da zu sein. Alle Menschen sind fehlbar, keiner ausgenommen, das wird uns in diesen Tagen sehr deutlich vor Augen geführt. Die Amtskirche hat im Umgang mit den Missbrauchsfällen in der Vergangenheit wohl Fehler gemacht, umso schmerzlicher ist jetzt die Aufarbeitung – sie ist aber auch eine Chance für uns, hinzuschauen und daranzugehen, die bestehenden Verhältnisse zu hinterfragen und zu verändern.
Warum gehört die Kirche trotzdem zu meinem Leben?
Der Glaube an Gott ist ein untrennbarer Teil meines Lebens. Diesen Glauben lebe ich in Gemeinschaft mit anderen in der Kirche und ihren verschiedenen Einrichtungen, die dem Wohl unserer Gesellschaft dienen. Die christlichen Werte der Kirche sind für mich das Fundament für ein gelingendes Miteinander in der Gesellschaft. Die Kirche und ihre Mitglieder insgesamt für die Verfehlungen der schuldigen Priester verantwortlich zu machen lässt mich an Sippenhaft denken. Für deren Tun bin ich persönlich nicht verantwortlich. Ich sehe meine Verantwortung darin, gegen Gewalt und Missbrauch, egal wer dies tut, Stellung zu beziehen und dabei mitzuwirken, dagegen vorzugehen. Allerdings nicht außerhalb der Kirche, sondern gerade mittendrin, denn Jesus Christus hat sich genau dieser Menschen angenommen.
Thekla Braun, Zweite Vorsitzende St. Josef Biberach
Unsere Kirche lebt vom Mitmachen
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Mehr als 2000 Jahre war das Christentum - die Katholische Kirche - Hilfe und Anker für alle Generationen. In guten und insbesondere schlechten Zeiten. Natürlich haben Menschen in der katholischen Kirche schon immer auch geirrt, aber grundsätzlich mit überwältigender Mehrheit ihren Glauben bis heute bewahrt.
Missbrauchsfälle sind immer zu verurteilen - nicht nur die jüngst bekannt gewordenen in der katholischen Kirche. Denen, die darunter leiden mussten, gehört mein und unser tiefstes Bedauern und Mitgefühl. Ich wünsche mir eine katholische Kirche, die aus den eigenen schlimmen Erfahrungen und der daraus resultierenden Glaubwürdigkeitskrise lernt. Als Christen dürfen wir nicht vergessen, welche Kraft und welchen Halt uns unser Glaube und unsere Kirche geben. Gerade als katholische Gemeinschaft liegt es nun an uns, das Vergangene aufzuarbeiten, daraus zu lernen und den momentan schweren Weg gemeinsam zu bewältigen, um selbst gestärkt in die Zukunft zu gehen. Ich will mein Möglichstes dazu beitragen und Sie alle bitten, unsere Zukunft, die auch die unserer Kirche ist, mit zu unterstützen. Unsere Kirche - wie jede Gemeinschaft - lebt vom Mitmachen.
Elisabeth Jeggle, MdEP
Kirche gibt mir Hoffnung
Ich bin gerne in dieser Kirche. Als langjähriger Pfarrer und Ordensmann habe ich Stärken und Schwächen dieser Kirche mitbekommen. Gerne bin ich in einer solchen Kirche:
Die Menschen auf der Suche begleitet.
Die glaubwürdige Zeugen in großer Anzahl, im Großen und im Kleinen, erlebt
hat und erlebt.
Die die Saat des Glaubens nährt und fördert.
Die die Wirklichkeit Gottes in diese Welt transportiert.
Die sündig und heilig zugleich ist.
Die nicht den Himmel auf Erden gebiert – sondern die Sehnsucht danach nährt.
Die unzählige Menschen diakonisch und sakramental stärkt.
Kurz gesagt: Ich bin gerne in dieser Kirche, weil sie mir und vielen Menschen Hoffnung gibt.
Pater Alfred Tönnis OMI
In der Gemeinschaft so wirken, dass sich das Ganze zum Besseren wendet
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Der Glaube an Jesus Christus, an seine Frohe Botschaft ist ein sehr wichtiges Element in meinem Leben. Der Glaube gibt mir die Freiheit und die Kraft und ermutigt mich, zu meinen Überzeugungen zu stehen. Dieser Glaube braucht aber immer wieder Anregungen, er muss immer wieder hinterfragt und neu belebt werden.
Deshalb ist Glaube für mich nicht nur eine persönliche Angelegenheit, sondern der Glaube braucht auch eine Gemeinschaft, die stützt und trägt. Diese Gemeinschaft ist für mich die Kirche mit all ihren Gliederungen, zu Hause in der Kirchengemeinde, früher in der Jugendgruppe, in einer religiösen Gemeinschaft, in der Familie und in der Ferne das Heimatgefühl auch in einer fremden Kirche. Meiner Überzeugung nach können die Hochs und Tiefs im Leben und auch im Glaubensleben nur in einer Gemeinschaft gelebt bzw. überwunden werden.
Wie in jeder anderen Gemeinschaft gibt es auch in der Kirche Enttäuschungen, gibt es Mitglieder, die ihr Leben nicht nach den gleichen Grundsätzen ausrichten oder sich schlichtweg falsch verhalten. Dies kann jedoch keine Begründung sein, aus dieser Gemeinschaft auszutreten. Vielmehr muss es das Bestreben sein, in dieser Gemeinschaft so zu wirken, dass sich das Ganze zum Besseren wendet.
In diesem Sinne sollten wir unsere Kraft und unser Wirken dahingehend ausrichten und hoffen, so die Kirche auf ihrem Weg in eine bessere Zukunft zu begleiten.
Josef Rief, MdB
Jeder Mensch braucht eine Heimat
Jeder Mensch braucht eine Heimat. Für meine Familie und mich war, ist und bleibt die katholische Kirche die einzige Heimat. Trotz aller (menschlicher)Unvollkommenheit ist die Kirche Träger der Botschaft Jesu Christi. Schwere Krisen waren und sind Ausgangspunkt neuer Aufbrüche unserer Kirche. Jeder hat sich nach seinen Charismen zu engagieren und sich nicht zu verabschieden! „Es ist ausgeschlossen, dass alle Verhältnisse gut sind, solange nicht alle Menschen gut sind, worauf wir ja wohl noch eine hübsche Reihe von Jahren werden warten müssen.“ Thomas Morus (1478 – 1535)
Dietmar Bartnik, Mitglied im Diözesanrat
Kirche gibt mir Halt und Hoffnung
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Was gerade im Bereich Missbrauch innerhalb der Kirche ans Tageslicht kommt, stimmt mich sehr betroffen und macht mich nachdenklich, traurig und wütend. Trotzdem bin ich gerne in der Kirche. Es motiviert mich, zu sehen, wie viele Menschen – gerade auch Jugendliche – in der Kirche engagiert sind und ihren Glauben leben. Ich bin froh, Teil dieser großen Gemeinschaft zu sein (sonst hätte ich nie beeindruckende Jugendwallfahrten, Katholikentage etc. erleben können).
Die Kirche gibt mir Halt und Hoffnung. Bereits als Jugendlicher hat mir die Kirche als KJG-Mitglied viel bedeutet und ich habe viel Zeit in der kirchlichen Jugendarbeit verbracht. Daraus ist der Entschluss geboren, hauptberuflich in der Kirche zu arbeiten und Jugendliche zu begleiten, um ihnen möglichst die Erfahrungen vermitteln zu können, die mir damals begegnet sind. Kurzum: die Kirche und der Glaube sind fester Bestandteil meines Lebens – und ich finde, das ist gut so!
Carsten Reinaerdts, Dekanatsjugendreferent im Dekanat Biberach
Mit der Kirche lebens- und liebensfähig bleiben
Jesus Christus selbst führt seine Kirche. Er ist das Haupt und wir sind die Glieder. Er baute seine Kirche mit sündigen Menschen und vertraut sie uns Menschen mit unseren Fehlern und Schwächen bis heute an – wir sollen und dürfen Glieder seiner Kirche sein. Er selbst sicherte uns zu, dass er alle Tage bei uns ist.
Gerade seine Gegenwart ist für uns in unserer Kirche, und ganz besonders in den Sakramenten Eucharistie und Versöhnung, immer wieder neu erfahrbar. Diese Begegnungen mit Gott selbst – in denen wir von der Liebe Gottes berührt werden, sind für uns Kraftquellen für unser Leben und die täglichen Herausforderungen.
Gott selbst schenkt sich uns, heilt unsere Wunden, schenkt inneren Frieden und macht uns fähig von Neuem zu lieben. Ein Leben ohne Gott - ohne unsere Kirche - wir wären bald ausgebrannt und nicht mehr lebens- und liebesfähig.
Egon und Rita Oehler, Initiatoren des Oberschwäbischen Pilgerweges
Ich engagiere mich gerne in der Kirche
Ich bleibe in der Kirche weil sie mir Halt und Sicherheit gibt. Hier kann ich die Beziehung zu Gott lebendig gestalten. Viele Leute innerhalb der Kirche leisten hervorragende Arbeit. Im karitativen Bereich in der Seelsorge, in der Katechese, in der Kinderbetreuung nur um einige wenige zu nennen.Wichtig ist, dass man auch in Krisenzeiten zueinander steht und einander achtet und vertraut. Ich engagiere mich gerne in der Kirche und freue mich jeden Tag in einer kirchlichen Institution zu arbeiten.
Claudia Kutscher, Mitglied im Diözesanrat
Für uns ist die Kirche gut vergleichbar mit einer Familie
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Wenn ein Kind, Vater oder Mutter oder jemand in der weiteren Verwandtschaft einen Fehler macht, schuldig wird, für alle offensichtlich – dann mag man innerlich noch so frei sein – es trifft. Man ist entsetzt. Es tut weh. Man schämt sich, dazu zu gehören. Man möchte sich distanzieren. Vielleicht bricht etwas. Beziehungen gehen kaputt.
Je näher man dran ist, umso mehr tut einem aber auch der schuldig gewordene leid. Die Eltern können nicht aus der Haut – sie lieben auch das schuldig gewordene Kind. Es entsteht Mitleiden. Wir leiden miteinander an der Schuld. Als Ehepaar auch schon mal aneinander. Wir tragen und ertragen in den Familien einander.
Wir tragen und ertragen auch in unserer Kirche einander. Wie oft erleben wir menschliche Schwäche – an uns, in unseren Familien, in unseren Gemeinden? Wie oft ist unser Friedensgruß halbherzig – weil ja noch was auszutragen wäre? Andererseits: geben wir aufeinander acht?Lieben wir einander auch wirklich, so wie über die ersten Christen geschrieben steht? Ernsthaft – es fällt oft schwer. Ein hohes Ideal. Man muss sich überwinden. Man muss sich öffnen. Man muss auf den anderen zugehen. Immer wieder. Ein Leben lang.
Wir träumen von einer Kirche, in der wir so gut umeinander Bescheid wissen, dass wir uns gegenseitig stützen. Laien und Priester. Eine Lebensgemeinschaft, die mehr ist als abstrakte Glaubensgemeinschaft. Eine innige Herzensverbindung, die liebevolle Ermahnung ermöglicht. Dass wir was sagen. Dass wir annehmen. Voneinander lernen – in beide Richtungen.
Wir glauben fest, das unsere geliebte Kirche dann eine Zukunft hat, wenn sie eine demütige und suchende Kirche geworden sein wird. Wenn wir alle uns bewusst werden, dass wir alle wohl durch Christus erlöst sind, aber doch ein jeder Sünder. Wenn wir miteinander barmherzig sind. Wenn wir mit unseren Mitmenschen ehrfürchtig umgehen. Wenn wir uns darum bemühen, alle Menschen mit Gottes Augen anzusehen: wir sind alle seine Lieblingsgedanken.
Warum wir in der Kirche bleiben? Weil wir dort so fest wie sonst nicht in unserem Leben immer wieder Hoffnung haben. Hoffnung darauf, dass wir uns wandeln. Hoffnung darauf, dass wir in unserer Gemeinschaft, in unserer Gemeinde, in unserer Diözese, in unserer Kirche uns auf diesem verheißenen Weg befinden. Gottes Reich hat begonnen. Hier – in dieser Kirche.
Andreas und Silvia Matt, Schemmerhofen
Kind nicht mit dem Bade ausschütten
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Eine alte Redensart rät, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten. Das gilt für mich auch in der aktuellen Diskussion um die Missbrauchsfälle in der Kirche. Auch ich finde diese Vorkommnisse schrecklich und auch ich leide oft an der Kirche. Aber ich habe in und durch diese Kirche auch schon unendlich viel Gutes erfahren. Dafür bin ich dankbar und möchte, dass andere auch in Zukunft diese Erfahrungen machen können.
Wolfgang Preiss-John, Dekanatsreferent
Mittels, dank und trotz der Kirche glauben
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Ich finde für mich den Satz des Theologen Gotthard Fuchs richtig: Mittels, dank und trotz der Kirche glauben! Mittels der Kirche erfahre ich eine wohtuende Gemeinschaft im Glauben an Jesus Christus, dank der Kirche habe ich viele stärkende Erfahrungen gemacht und - ja, ich glaube trotz der Kirche und all ihren Schwächen im Umgang mit den Missbrauchsfällen.
Kerstin Held, Dekanatsreferentin


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