Kirche im Jahr

Aschermittwoch

Vom Sinn des Fastens


Am Aschermittwoch sind die "tollen Tage" vorbei: Zeit für die Narren und alle anderen, sich wieder auf sich selbst zu konzentrieren. Die Kirchen leiten am Aschermittwoch eine 40-tägige Bußzeit als Vorbereitung auf Ostern ein.

Der Duft von "Berlinern" und Alkoholischem hängt vielen Jecken noch in der Nase. Speckröllchen bleiben oftmals als Erinnerung an die "Fasnet" zurück. Deshalb nutzen viele Menschen die Fastenzeit als Gelegenheit, der Strand-Figur vom letzten Sommer wieder ein Stück näher zu kommen.
Doch Gewichtsreduktion ist nicht der eigentliche Grund, warum seit Alters her vor Ostern gefastet wird. In der Alten Kirche wurden die Katechumenen, die Taufbewerber, in der Osternacht getauft. Zuvor verzichteten sie auf bestimmte Speisen, um sich von heidnischen Bindungen zu lösen.
Im Mittelalter waren die Fastenbräuche streng und die Menschen an harte Verpflichtungen gebunden: Fasten hieß Verzicht auf Fleisch, Milchprodukte und Eier. Verpflichtend waren aber auch die Mitfeier der Karwoche und die Teilnahme an der Osterbeichte.
Es mag allerdings verwundern, dass Schokolade als Fastenspeise legitimiert war: Die Bischöfe von Mexiko sandten 1569 extra einen Boten zu Papst Pius V., damit dieser entscheide, ob ein Getränk namens "Xocoatl" in der Fastenzeit getrunken werden dürfe. Als der Papst das bittere Getränk probierte soll er die Nase gerümpft und gesagt haben: "Schokolade bricht das Fasten nicht."

Fasten im biblischen Sinn bezieht sich vor allem auf die Besinnung auf die Verantwortung, mit den Gaben Gottes und seiner Schöpfung umzugehen und diese maßvoll zu gebrauchen.
Somit beschränkt sich das Fasten nicht nur auf den Verzicht von Nahrungsmitteln, sondern auf sämtliche Lebensbereiche. Bewusstes Fasten kann Hilfe zu einem verantwortlicheren Leben sein.
Von diesen biblischen Grundgedanken her, kann Ziel des Fastens heute sein, eingeschliffene Alltagsgewohnheiten zu überdenken, auf lieb gewonnene "Sünden", wie z.B. Alkohol, Nikotin, Süßigkeiten zu verzichten und zu klären, was Lebensqualität ausmacht. Fasten bietet die Gelegenheit, Platz zu schaffen für Veränderungen, um neue Perspektiven für das eigene Leben entwickeln zu können.
In den letzen Jahren kam eine neue Idee hinzu: das Fasten aus Solidarität mit den Hungernden auf dieser Erde. Das ersparte Geld wird dann gespendet.

Früher wie heute wird die Fastenzeit durch ein altes Ritual eingeleitet: Als Symbol der Buße und Reue wird den Gläubigen an Aschermittwoch mit Asche ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Dieses Aschenkreuz initialisiert die Reinigung der Seele in der Bußzeit, die somit begonnen hat.


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