Kirche im Leben

Seelsorge - Gott und den Menschen nahe

Seelsorge ist mehr, als die Sorge um die Seele des Menschen. Es ist die Sorge um den ganzen Menschen. Die Priester, aber auch alle Getauften sind aufgefordert, sich für eine Welt zu sorgen, in der das Reich Gottes erfahrbar wird.



Die Gemeinde ist Trägerin der Seelsorge. Doch heute hat längst nicht jede Kirchengemeinde einen eigenen Pfarrer.

Deshalb sind die 1.039 Gemeinden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart in 284 Seelsorgeeinheiten zusammengeschlossen. Die Kirchengemeinden bleiben dabei eigenständige Größen, in denen ein Team von Seelsorgern, Priestern und haupt- und ehrenamtliche Laien die Aufgaben in der Gemeinde erfüllt. In den Dekanaten wird die Arbeit der Gemeinden gebündelt und durch eigene Fachdienste, die über die Pfarrgrenzen hinaus wirksam sind, unterstützt.

Was die Gemeinde als Trägerin der Seelsorge allein leisten kann, das leistet sie weiterhin. Wenn sie eine Aufgabe nicht allein bewältigen kann oder neuartige Herausforderungen auf sie zukommen, kann sie auf die Solidarität der anderen Gemeinden der Seelsorgeeinheit setzen.

Jede/r im Pastoralteam kann in der Seelsorgeeinheit mehr denn je seinen Fähigkeiten entsprechend tätig werden. Dem einen liegt, vielleicht aufgrund seiner eigenen Jugend, die Jugendarbeit am Herzen, der andere kümmert sich intensiv um die Trauernden. Auch die Laien in der Gemeinde werden stärker als bisher zur Mitarbeit angeregt. Bei Wortgottesdiensten am Sonntag erleben sie ganz konkret, dass jeder und jede zum gemeinsamen Priestertum berufen ist.


Die kategoriale Seelsorge

Einen besonderen Schwerpunkt in der Seelsorge bildet die so genannte kategoriale Seelsorge, die Seelsorge für bestimmte Menschengruppen. So ist zum Beispiel die Krankenseelsorge in knapp vierzig Krankenhäusern in ganz Württemberg. Wenn Seelsorger erzählen, wie viele Menschen im Sterben allein sind, dann kann man spüren, wie lebenswichtig Seelsorge im Krankenhaus ist. Eine ganze Bewegung, die Hospizbewegung, hat sich zum Ziel gemacht, das Sterben menschlich mitzugestalten.

Einmalig in Deutschland ist die Aidsseelsorge für die HIV-Infizierten und Aidskranken. Auch für alte Menschen und Menschen mit Behinderungen gibt es eine eigene Seelsorge. Dazu kommt die Seelsorge auf den Flughäfen, Bahnhöfen, in Kurorten, an Hochschulen, bei Freizeit und Urlaub und die Seelsorge für Polizisten, Vertriebene, Gefangene, für Sinti und Roma. Auch für Führungskräfte mit ihrer besonderen Verantwortung für die Gesellschaft bietet die Diözese Seelsorge an.


Die Notfallseelsorger, die bei schweren Unfällen und Katastrophen zu Hilfe gerufen werden, stehen schockierten Opfern, ratlosen Angehörigen und manchmal hilflosen Einsatzkräften bei.

In den Großstädten der Diözese sorgen sich die Kirchengemeinden immer häufiger um das städtische Leben insgesamt. In Stuttgart ist die Passantenseelsorge dafür ein gutes Beispiel. Täglich gehen knapp eine Viertel Million Menschen die Königstraße entlang, auf dem Weg zum Bahnhof, beim Shopping oder Stadtbummel. Für diese Menschen wollen die Passantenseelsorger in der St.-Eberhard-Kirche eine Anlaufstelle sein. Mit ihnen können sie sich in einem kleinen Nebenraum der Kirche zum Gespräch zurückziehen. Alltagssorgen, Lebenskrisen und Glaubenszweifel - Das Leben mit all seinen Sonnen- und Schattenseiten ist Thema bei dieser Art der City-Pastoral.




Gehörlosengottesdienst


Krankenhausseelsorge


City-Pastoral


Eine andere Art der Seelsorge ist die Betriebsseelsorge. Diese Seelsorger wenden sich dem Menschen am Arbeitsplatz oder in seiner Arbeitslosigkeit zu. Sie treten für die Arbeiter ein, wenn der Druck am Arbeitsplatz zu groß wird oder der Arbeitsplatz bedroht ist. Betriebsseelsorger streiten, wenn es sein muss, mit dem Betriebsrat und den Gewerkschaften für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und den Erhalt bedrohter Arbeitsplätze. Auch wenn Kollegen auf einen anderen Druck ausüben, beim "Mobbing", sind die Betriebsseelsorger eine Anlaufstelle. Arbeitslose finden in den "Offenen Treffs" der Betriebsseelsorge Leidensgenossen und erhalten Beratung beim beruflichen Wiedereinstieg.

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