Kirche im Jahr

Die Jakobusmuschel als Pilgerzeichen


Die Jakobsmuschel gilt als typisches Erkennungszeichen eines Santiagopilgers. Die Jakobsmuschel, auch Kamm- oder Venusmuschel genannt, die an der Küste Galiciens vorkommt, wurde am Mantel, Hut oder Pilgertasche  befestigt und als Beweis für eine erfolgreiche Wallfahrt aus Santiago de Compostela mit nach Hause gebracht.

Seit dem 13. Jahrhundert wird die Pilgerreise nach Santiago durch ein Beglaubigungsschreiben beurkundet, die La Compostela.

Die Muschel bezeugte außerdem ein Anrecht auf Herberge, fürsorgliche Betreuung und rechtlichen Schutz während der Pilgerfahrt. Mancher Pilger ließ und lässt sich nach seinem Tod sogar mit der Jakobsmuschel begraben.

Daneben hatte die Jakobsmuschel aber auch den praktischen Wert, dass der Pilger sie zum Wasserschöpfen verwenden konnte.

An allen Pilgerzielen im Mittelalter konnte man Pilgerabzeichen erwerben. Sie sollten den Pilger auf dem Heimweg und auch noch in der Heimat schützen.

Die Bedeutung der Jakobsmuschel ist nicht eindeutig geklärt. Die Legende erzählt, dass ein Adeliger zu Pferd in der Nähe von El Padròn an der Anlegestelle jenes Schiffes stand, welches den Leichnam des Apostels Jakobus nach Spanien brachte. Der Ritter wurde von den Fluten ins Meer gerissen, aber gerettet. Als der Ritter aus dem Wasser stieg, war er mit Muscheln bedeckt.

Heute ist die Jakobsmuschel zum Wegweiser geworden für Jakobswege.


Die Ausrüstung eines Pilgers


Jakobusdarstellung, Kath. Pfarrkirche Tuttlingen-Esslingen

Ursprünglich aus praktischen Erwägungen, wurde die Pilgerausstattung bald zur festen Tracht, zum äußeren Zeichen des Jakobspilgers bis ins 19. Jahrhundert. Sie diente ihm als Geleitbrief, konnte vor Abgaben schützen und gab ihm das Recht auf die Mildtätigkeit der Hospize.

Geeignetes Schuhwerk - Von ihnen benötigte der Pilger nach dem Jakobslied zwei Paar.

Hut - Der breitkrempige (Filz-) Hut galt als Schutz gegen Sonne und Regen. Gelegentlich trug man den Esslöffel am Hut.

Muschel - Die Muschel ist das Zeichen der Jakobspilger und seit dem ausgehenden 11. Jahrhundert belegt. Der Pilger trug sie, wenn er in Santiago angekommen war. Befestigt wurde die Muschel erst an der Pilgertasche, später an Hut, Mantel oder am Rosenkranz.

Pilgertasche - Die Pilgertasche war ursprünglich ein kleiner Sack aus Tierhaut, oft mit einer Muschel geschmückt. Die lederne Tasche diente zur Aufbewahrung des Proviants und sollte klein sein, was nicht nur praktische, sondern auch symbolische Gründe hatte: so konnte nur das Nötigste mitgenommen werden. Tasche und Stab wurden dem Pilger in einem Aussendungsritus überreicht.

Pilgerstab - Als Gehhilfe auf schwierigen Wegstrecken oder um kleine Gewässer zu überspringen diente der Pilgerstab und auch zum Schutz vor Hunden oder Weggelagerer. Er war etwa brusthoch, hatte am oberen Ende einen Knauf mit Haken, an dem der Quersack hing, und am unteren Ende eine Eisenspitze.

Pilgerausweis/Pilgerpass - Von der Heimatpfarre ausgestellt, wird der Pilgerausweis unterwegs abgestempelt und berechtigt zur Übernachtung in den Pilgerhospizen oder der Pilger erhält bei Vorlage des Ausweises ermäßigte Preise. 

Mantel - Die knielange Pelerine (von franz. pélerine = Pilger), der Pilgermantel, war typisch für den mittelalterlich Reisenden. Der weite, ärmellose Mantel schützte den Pilger vor Regen und Kälte und diente gleichzeitig als wärmende Decke für unterwegs.

Trinkflasche - In einem, meist als Kürbis abgebildeten, Tringefäß (Kalebasse) oder in einer aus Ton gebrannten Bocksbeutelflasche wurden Wein und Wasser aufbewahrt. Die Flasche konnte an den Gürtel oder an den Wanderstab gehängt werden.

Gepäck - Viele Pilger nehmen zuviel Gepäck mit auf die Pilgerreise. Erfahrene Pilger empfehlen, das Gewicht des Rucksacks auf 10 Kilogramm zu beschränken.

Jean-Pierre Caillet: Die Bilderwelt des Jakobus-Pilgerwegs. In: Welt und Umwelt der Bibel. Archäologie - Kunst - Geschichte: Der Jakobsweg. Pilgern nach Santiago de Compostela, S. 54f.


"wol auf sant Jakobs straßen"


Pilgerausweis

Lied der Jakobspilger seit dem 13. Jahrhundert

Wer das elend bauen wel,
der heb sich auf und sei mein gesel
wol auf sant Jakobs straßen!
Zwei Paar schuch der darf er wol
ein schüßel bei der flaschen.

Ein braiten hut den sol er han
Und an Mantel sol er nit gan
mit Leder wil besezet;
es schnei oder regn oder wähe der wint,
dass in die luft nicht nezet.

Sack und stab ist auch darbei,
er lug, dass er gebeichtet sei,
Gebeichtet und gebüßet!
Kummt er in die welschen land,
er findt kein´ teutschen priester.

In: Peter Müller: Die Seele laufen lassen. Pilgertage und spirituelle Wanderungen. Kösel-Verlag  München 2005, S. 123.

"Bruder Jakob, schläfst du noch?"

Kennen Sie das Lied vom "Bruder Jakob", der noch schläft, als die Glocken zur Messe läuten? Bruder Jakob ist der Legende nach ein fauler Pilger auf dem so genannten Jakobsweg. Wenn die Pilger morgens noch faul in der Herberge lagen und die Glocken läuteten, sang man das Lied: "Bruder Jakob, schläfst du noch? Hörst du nicht die Glocken? Bimm, bamm, bomm." Denn es war Brauch, dass ein Pilger mit dem ersten Glockenschlag sein Nachtlager verlassen, die Messe hören und dann weiterziehen musste.

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