Die Diözese |
Diözese Rottenburg-Stuttgart - Auf ihrem Weg durch die Zeit
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart ist mit ihrer Gründung 1828 eine junge Diözese, doch das Christentum im württembergischen Raum ist schon uralt. Es geht bis in die Zeit des Römischen Reiches zurück. Schon im 6. Jahrhundert soll es in den römischen Vorläufersiedlungen von Rottweil und Rottenburg Christen gegeben haben. Älteste Funde, die das belegen, sind die alemannischen Goldblattkreuze, die den Toten beigelegt wurden. In das Pektorale des 11. Bischofs von Rottenburg ist deshalb ein solches Goldblatt eingearbeitet. Die Christen im Raum Württemberg gehörten nach der Gründung der ersten Diözesen keiner eigenen Diözese an, sondern verteilten sich auf die fünf Bistümer Konstanz, Speyer, Augsburg, Worms und Würzburg. In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhundert erfolgte nach der Säkularisation und den napoleonischen Kriegen die Neuordnung der Bistümer im Südwesten. Die Bistumsgrenzen sollten nun den Landesgrenzen entsprechen. König Friedrich I. wünschte, dass kein fremder Bischof auf seine knapp halbe Million katholischen Untertanen Zugriff habe. 1812 errichtete er eigenmächtig in Ellwangen ein Generalvikariat mit der "Katholischen Landesuniversität". Doch Ellwangen lag zu weit am Rande der zukünftigen Diözese. Zudem sollte die Priesterausbildung an der Universität in Tübingen erfolgen. Deshalb zogen die "Katholische Landesuniversität" nach Tübingen und das Generalvikariat ins nahe Rottenburg, um die Aufsicht über die Priesterausbildung zu gewährleisten. Das protestantische Stuttgart wurde als Bischofssitz damals nicht in Betracht gezogen, zumal Rottenburg mit der Martinskirche und den ehemaligen Ordenshäusern nebenan gute Voraussetzungen für die kirchliche Behörde bot, so meinte man. Viele haderten jedoch mit der Entscheidung. Gerade angesichts so wunderbarer Gotteshäuser wie in Weingarten, Zwiefalten oder Neresheim erschien ihnen die Martinskirche als Domkirche ungeeignet. Am 16.08.1821 wurde die Diözese Rottenburg von Papst Pius VII. förmlich errichtet, am 20.05.1828 dann Johann Baptist von Keller als erster Bischof der Diözese inthronisiert. Es folgten Jahre des Aufbaus der Diözese und des Machtkampfs mit der Landesregierung um die Autorität des Bischofsamts. Diese Jahre sind mit dem Namen des ersten Bischofs verbunden. Erst 1862 wurde das Verhältnis von Staat und Kirche unter Bischof Joseph Lipp gesetzlich geregelt. Sein Nachfolger, der berühmte Kirchenhistoriker Carl Joseph Hefele, bewahrte Württemberg durch seine ausgeglichene Politik vor einem Kulturkampf. Bischof Wilhelm Reiser bemühte sich besonders um die Förderungder Seelsorge in der Diaspora. Bischof Franz Linsenmann, ein weithin anerkannter Moraltheologe, starb nach seiner Wahl, kurz vor seiner Weihe. Neue Herausforderungen an die Kirche stellten die Industrialisierung und die damit verbundene Verarmung großer Teile der Bevölkerung dar. Die Frage der Gerechtigkeit bewegte daher Bischof Paul Wilhelm Keppler, einen hervorragenden Schriftsteller und Prediger, besonders. In Kepplers Amtszeit fiel auch die Katastrophe des Ersten Weltkriegs, vor dem er eindringlichgewarnt hatte. Joannes Baptista Sproll war Bischof, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Er wurde zum Bischof des Widerstands gegen das Naziregime. 1938 in die Verbannung geschickt, kehrte er 1945, umjubelt von der Bevölkerung, nach Rottenburg heim. Sein Gedenken wachzuhalten, ist ein besonderes Anliegen des heutigen Bischofs Gebhard Fürst. 1949 folgte Bischof Carl Joseph Leiprecht als Bischof des Wiederaufbaus der Diözese und der Aufnahme einer großen Zahl von Heimatvertriebenen. Die Teilnahme am Zweiten Vatikanischen Konzil prägte seine pastoralen Zielvorstellungen. Wie sein Nachfolger Bischof Georg Moser steht er für den Bau zahlreicher Kirchen und den Ausbau karitativer Werke und Einrichtungen. Bischof Moser fasste sein seelsorgliches Anliegen in den Beschlüssen einer Diözesansynode zusammen: "Weitergabe des Glaubens an die kommende Generation." Mit Bischof Walter Kasper wurde 1989 einer der führenden Theologen der Gegenwart Bischof der Diözese. Nach Rom gerufen und zum Kardinal ernannt, setzt er sich als Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen für den Dialog der Kirchen inder Welt ein. Schon als Direktor der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat sich Gebhard Fürst 14 Jahren lang für den Dialog von Kirche und Gesellschaft, von Religion und Naturwissenschaften eingesetzt. Diesen Dialog fortzusetzen und die Kirche auf ihrem Weg von der Volkskirche zur missionarischen Kirche mit einem starken diakonischen Profil zu führen, das prägt das Hirtenamt des Bischofs. Als profunder Kenner bioethischer Fragen setzt er sich für die Würde und Unversehrtheit des menschlichen Lebens an seinem Anfang wie an seinem Ende ein. Das diakonische Wirken der Kirche zu stärken, das für Bischof Fürst heute eine genauso starke Ausstrahlungskraft besitzt wie in der frühen Kirche, ist ein großes Anliegen des Rottenburger Bischofs. Neben den Bischöfen haben viele große Katholiken das Gesicht des Christentums im Südwesten geprägt: die Mystikerin Elisabeth von Reute, die einfache Ordensschwester Ulrika Nisch, der besonders in Ellwangen verehrte Pater Philipp Jeningen oder der Nazi-Widerständler Pater Rupert Mayer. Zu nennen sind auch die großen Theologen der Tübinger Schule Johann Sebastian Drey, Johann Adam Möhler und Johann Baptist Hirscher und die vielen Priester, Ordensleute und Laien. Letztere haben in den Räten der Diözese ihre gewachsenen Einflussmöglichkeiten seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zum Wohle der Diözese genutzt. Der Heilige Martin von Tours ist der Patron des Doms zu Rottenburg und des Bistums Rottenburg-Stuttgart. Über achtzig Kirchen in Württemberg tragen seinen Namen. Schon lange wurde er im Gebiet der späteren Diözese als Heiliger verehrt. So trägt die Sülchenkirche vor den Toren Rottenburgs bereits seit dem sechsten Jahrhundert seinen Namen. Am 11. November erinnern die Martinsumzüge an den Heiligen mit dem geteilten Mantel. Er verkörpert in seiner Lebensgeschichte Caritas und überzeugende Glaubensverkündigung und ist damit ein großes Vorbild für die Katholiken in Württemberg. Aus: "Diözese Rottenburg-Stuttgart Diakonisch - Missionarisch". Herausgegeben vom Bischöflichen Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Hauptabteilung Medien und Öffentlichkeitsarbeit, in Zusammenarbeit mit den zuständigen (Haupt-)Abteilungen im Bischöflichen Ordinariat. Rottenburg/Stuttgart, 2008. Redaktion: Hauptabteilung Medien und Öffentlichkeitsarbeit; Öffentlichkeitsarbeit; Eckhard Raabe; Bischof-von-Keppler-Str. 7; 72108 Rottenburg; E-Mail: Oeffentlichkeitsarbeit@bo.drs.de; Bezugsadresse: Bischöfliches Ordinariat, Expedition, Eugen-Bolz-Platz 1, 72108 Rottenburg; Fax: 07472 169-561; E-Mail: expedition@bo.drs.de |


Die Diözese
