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Martinsjahr 2016

Heiliges Jahr der Barmherzigkeit – Martin, Vorbild und Wegweiser

„Jesus ist das Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters“, so beginnt die Bulle, mit der Papst Franziskus am 11. April 2015 offiziell das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen hat. Es wird am 8. Dezember 2015 mit dem Öffnen der Heiligen Pforten an den Papstbasiliken Roms beginnen und bis zum Christkönigsfest 2016 dauern.

Es gehört zum Leben eines Christen, sich beständig das Geheimnis der Barmherzigkeit vor Augen zu halten. Um das in einer geprägten Zeit als Kirche gemeinsam tun zu können, habe er entschieden, ein außerordentliches Heiliges Jahr auszurufen, so der Papst in seiner Ankündigung. Er spricht dann von der Kirche und ihrem Auftrag, barmherzig zu sein. „Die Glaubwürdigkeit der Kirche geht über den Weg der barmherzigen und mitleidenden Liebe“, so der Papst. Vielleicht habe man über die Zeit vergessen, den Weg der Barmherzigkeit zu gehen. Er entfaltet den Gedanken der frei geschenkten Barmherzigkeit und greift darin das Jesuswort auf: „Urteilt nicht, damit auch ihr nicht verurteilt werdet“ (Lk 6,37). Barmherzigkeit sei das Gegenteil dessen, was er an anderer Stelle die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ genannt hatte, es gehe um die Verwundungen der Welt und die Antwort der Kirche darauf. Einer, der Barmherzigkeit in ganz konkretem Sinn gelebt und gegen die Gleichgültigkeit seiner Zeit angekämpft hat, ist der heilige Martin. Papst Benedikt XVI. hat ihn deshalb einmal als „Ikone der Nächstenliebe“ bezeichnet.

In der Gestalt des heiligen Martin tritt uns ganz augenscheinlich vor Augen, was barmherziges Handeln für einen Christen ausmacht: sich anrühren zu lassen von der Not des anderen, sich ihm helfend und unterstützend zuzuwenden und in diesem Handeln eine wirkliche Christus- und Gotteserfahrung zu erleben.

So fügt es sich sehr gut, dass wir im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit auch den 1700. Geburtstag des heiligen Martin von Tours feiern. Als Patron der Diözese Rottenburg-Stuttgart weist er uns in besonderer Weise auf unseren Auftrag zur Nächstenliebe und zur Barmherzigkeit hin. Die Geschichte des heiligen Martin – allem voran die Mantelteilung vor dem Stadttor von Amiens – wird deshalb bis heute weitererzählt, weil in ihr das Wort Jesu erfahrbar wird: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder, für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan“ (nach Mt 25,40).

Genau auf dieses Wort bezieht sich Papst Franziskus, wenn er den Wunsch äußert, dass die Christen während des Heiligen Jahres die Werke der Barmherzigkeit reflektieren sollen. So könne man unterscheiden, ob man wirklich als Jünger Jesu nach seinen Lehren lebe oder nicht. Den Worten des Herrn könne man nicht entkommen, auf ihrer Grundlage würde jeder gerichtet. „Lassen wir uns in diesem Heiligen Jahr von Gott überraschen“, schließt Papst Franziskus seine Gedanken in der Bulle zur Ausrufung des Heiligen Jahres. „Die Kirche spürt sehr deutlich die Dringlichkeit, die Barmherzigkeit Gottes zu verkünden.“

Doch nicht nur durch das Martinsjubiläum sind wir in der Spur, die Papst Franziskus mit dem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit legt. Auch der diözesane Prozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“ führt uns immer stärker aus der innerkirchlichen Perspektive heraus. So werden wir aufmerksamer für die Menschen in ihrer je eigenen Lebenswelt, mit ihren je eigenen Fragen und Nöten, Herausforderungen und Erfahrungen. In diesem Sinn sind wir gemeinsam auf dem Weg, als missionarische, diakonische, dialogische und sakramentale Ortskirche von Rottenburg-Stuttgart.

Schauen wir als Diözese und als einzelne Gläubige in diesem Jahr besonders auf unseren Patron, den heiligen Martin. Lassen wir ihn Vorbild und Wegweiser sein auf dem Weg zu einer Kirche der Barmherzigkeit und Nächstenliebe!

Domkapitular Matthäus Karrer, HA IV – Pastorale Konzeption

Weitere Informationen

Bischof Dr. Gebhard Fürst: Predigt anlässlich der Eröffnung des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit
Informationsblatt Jubiläum der Barmherzigkeit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart verbindet das Heilige Jahr der Barmherzigkeit mit dem Jubiläumsjahr des Diözesanpatrons, dem Heiligen Martin von Tours.

Heilige Pforten in der Diözese Rottenburg-Stuttgart bis 20.11.2016
Arbeitshilfe Jubiläum der Barmherzigkeit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Die Diözese begeht das Heilige Jahr der Barmherzigkeit im Jubiläumsjahr des Heiligen Martin von Tours mit den thematischen Schwerpunkten:

  • Türen öffnen (Adventszeit)
  • 24 Stunden für den Herrn (4. und 5. März 2016, Freitag und Samstag vor dem 4. Fastensonntag.)
  • Barmherzigkeit setzt Gerechtigkeit voraus (September/Oktober/Erntedank)

Die Arbeitshilfe stellt hierfür Gebete, Feiern und Aktionsvorschläge bereit.

Abschluss des Jubiläums der Barmherzigkeit in Kirchen und Wallfahrtsheiligtümern

In den Gemeinde- und Wallfahrtskirchen, in denen eine „Pforte der Barmherzigkeit“ geöffnet war, kann der Abschluss des Heiligen Jahres nach diesem Ablauf gestaltet werden.