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600 Jahre Konstanzer Konzil

Sommerserie "Lebendiges Konzil"

Junge Menschen, die hier studieren, beleben die Straßen, Touristen flanieren am Bodenseeufer. Ein Schiff kündigt mit dumpfem Ton die Einfahrt in den Hafen an und im Supermarkt profitieren Schweizer Grenzgänger von den günstigen Euro-Preisen. Das ist Konstanz im Jahr 2014. Vor 600 Jahren dürfte es sogar noch turbulenter zugegangen sein, als das Konzil wichtige Themen der Kirche verhandelte und sogar einen neuen Papst wählte.

Weil große Teile der Diözese Rottenburg-Stuttgart damals zum Konstanzer Bischofssitz gehörten, wollen hier einzelne Protagonisten die Entscheidungen und das Leben der damaligen Zeit ins Heute holen. In fiktiven Interviews berichten sie während der Sommerferien jede Woche über interessante Details aus der Geschichte, die auch in der Gegenwart nicht ganz weltfremd klingen und Impulse zum Nachdenken geben können.


Papst Martin V.

Papst Martin V., wurde als Oddo Calonna 1368 in Genazzano geboren. An der Universität in Perugia studierte er Rechtswissenschaften. Als Apostolischer Protonotar fertigte er Urkunden für den Papst an. Seit Juni 1405 war er Kardinaldiakon von San Giorgio Velabro und nahm 1408 am Konzil von Pisa teil. Während des Konzils von Konstanz wurde er am 11. November 1417 zum Papst gewählt. Er entschied sich für den Namen des Tagesheiligen Martin von Tours. Papst Martin V. starb am 20.2.1431 in Rom und wurde in der Basilika San Giovanni in Laterno beigesetzt.

Papst Martin V. vor dem Konzilgebäude in Konstanz


Kirchenkritiker Jan Hus

Jan Hus wurde 1369 in Husinec, Südböhmen geboren. Er stammt aus ärmlichen Verhältnissen und besuchte die Lateinschule in Prachatice (Westböhmen). 1390 studierte er an der Karls-Universität in Prag und erreichte 1396 den akademischen Grad eines Magisters der Sieben Freien Künste. Zwei Jahre später begann er das Theologiestudium und wurde 1400 zum Priester geweiht. Er arbeitete als Prediger, Beichtvater und ab 1402 als Professor der Theologie an der Universität. Aufgrund seiner kritischen Predigten wurden ihm 1408 die Ausübung seiner priesterlichen Funktionen untersagt und 1410 die Professur entzogen. Daraufhin wurde Hus unter Anweisung des Erzbischofs aus Prag verbannt. 1414 musste er nach Konstanz reisen, wo er am 6. Juli 1415 den Tod durch Verbrennung fand.

Jan Hus in Konstanz


Sänger Oswald von Wolkenstein

Oswald von Wolkenstein wurde 1377 auf Burg Schöneck im südtiroler Pustertal geboren und starb am 2. August 1445 in Meran. Im Alter von zehn Jahren bereiste er mehrere Länder, darunter Russland, Spanien und Türkei. Als 1399 sein Vater Friedrich von Wolkenstein starb, kehrte er nach Tirol zurück. Mit Herzog Friedrich IV. von Tirol reiste er 1415 zum Konstanzer Konzil. Im Dienste König Sigismunds begann eine zweijährige Reise durch Europa. 1417 kehrte er nach Konstanz zurück und heiratete Margarethe von Schwangau. Wegen Erbstreitigkeiten um Burg Hauenstein lebte er von 1321 bis 1423 in Gefangenschaft. Er war wichtiges Mitglied des Tiroler Adels und wurde 1431 durch König Sigismund in den Drachenorden aufgenommen. Bis heute gilt er als einer der bedeutendsten Minnesänger und Dichter des Spätmittelalters, dessen Nachfahren noch bestehen.

Oswald von Wolkenstein in Konstanz


König Sigismund von Luxemburg

König Sigismund von Luxemburg war der jüngste Sohn von Kaiser Karl IV und wurde 1368 in Nürnberg geboren. Er war König von Ungarn, Kroatien und Böhmen.1411 wurde er schließlich zum König des römisch-deutschen Reiches gekrönt. Aus der Ehe mit Barbara von Cilli 1403 ging die Tochter Elisabeth von Luxemburg hervor. Von 1433 bis zu seinem Tod 1437 in Znaim war er römisch-deutscher Kaiser, dessen Reich den Großteil Europas umfasste.

König Sigismund in Konstanz


Chronist Ulrich Richental

Ulrich Richental ist 1360 in Konstanz geboren und lebte bis 1437. Seine Familie stammt aus Richental im Schweizer Kanton Luzern. Ulrichs Vater Johannes war von 1356 bis 1389 ein bekannter Stadtschreiber, von dessen Vermögen Ulrich später lebte. Er selbst begann die Ausbildung zum Priester und empfing die niedrigen Weihen. Als der Vater das Schreiberamt 1389 verlor, blockierte dies die geistliche Karriere Ulrichs. Daher widmete er sich auch den Aufgaben eines Stadtschreibers und verfasste sein wohl bekanntestes Werk „Die Chronik des Konstanzer Konzils.“

Ulrich Richental vor dem Konstanzer Münster