Sterbebegleitung

Sterbebegleitung statt Sterbehilfe

Wie begleitet man Menschen, die im Sterben liegen? Welche Zuwendung und Hilfe brauchen Sie? Wie können sie trotz Krankheit und Schmerzen „in Würde“ sterben?
Wie gehen Angehörige mit dem Wunsch eines Sterbenden um, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen? Ist Sterbehilfe eine christlich vertretbare Antwort darauf? Wie soll die Gesellschaft reagieren? Was wären die Konsequenzen?

Das sogenannte „Sterbehilfegesetz“ hat im Vorfeld Fragen aufgeworfen. Ist die Beihilfe zum Suizid wirklich ein Beitrag zu einem „würdigen“ Sterben oder liegt die Antwort in einer guten Sterbebegleitung, in Ausbau von Palliative Care und Hospizeinrichtungen?

drs - das magazin: Wie wollen wir sterben?

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Die Vorstellung des eigenen Sterbens bleibt nebulös

v.l.n.r.: Hospizleiter Thomas Radau, Bischof Dr. Gebhard Fürst, Sr. Gudrun Härle / Foto: Christian Metz

08.06.2016

Bischof Fürst: Hospizbesuch und Vortrag vor Medizinern in Ravensburg

Die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod und den Umgang mit Schwerstkranken hat Bischof Gebhard Fürst als eine der größten Herausforderungen des Lebens, nicht nur für Christen, bezeichnet. „In unserer Zeit wird die Aufgabe, das medizinisch Leistbare, das juristisch Vertretbare und das ethisch Unbedenkliche zu einem Ausgleich zu bringen, immer schwieriger“, sagte Bischof Fürst am Mittwoch (8. Juni) bei einem Vortrag vor Medizinern im Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg.   [mehr]


Für eine Kultur der Hilfe im Sterben

„Das biblisch-christliche Verständnis vom Menschen beinhaltet vor allem, dass jede und jeder eine Würde besitzt, die in der Gottebenbildlichkeit des Menschen gründet, unabhängig von den Vorleistungen und Kriterien. Diese Würde muss man sich weder erwerben, noch kann sie verloren gehen oder von Dritten abgesprochen werden. Die Würdelosigkeit des Leidens beginnt allenfalls dort, wo wir hinter dem Anspruch der Menschenwürde zurückbleiben, wo wir vermeidbares Leiden zulassen, indem wir den Leidenden alleinlassen.“   [mehr]

Bischof Dr. Gebhard Fürst zur aktuellen Debatte um die gesetzliche Regelung der Sterbehilfe beim Forum für Führungskräfte 2015

Bischof Fürst zu Sterbebegleitung, Sterben in Würde und Patientenverfügung

  • 28.10.2015: Bischof Dr. Gebhard Fürst: Sterben in Würde – Ethische Fragestellungen zum Umgang mit Schwerstkranken
    Das biblisch-christliche Verständnis vom Menschen beinhaltet vor allem, dass jede und jeder eine Würde besitzt, die in der Gottebenbildlichkeit des Menschen gründet, unabhängig von den Vorleistungen und Kriterien. Diese Würde muss man sich weder erwerben, noch kann sie verloren gehen oder von Dritten abgesprochen werden. Die Würdelosigkeit des Leidens beginnt allenfalls dort, wo wir hinter dem Anspruch der Menschenwürde zurückbleiben, wo wir vermeidbares Leiden zulassen, indem wir den Leidenden alleinlassen. [mehr]

  • 24.10.2009: Bischof Dr. Gebhard Fürst: Das neue Gesetz zur Patientenverfügung – Bewertung und Konsequenzen 2009
    „In den letzten Jahrzehnten ist das Sterben zu Hause im Kreis der Familie, der Angehörigen und Nachbarn selten geworden. Die weitaus meisten Menschen sterben in Alten- oder Pflege-heimen und Krankenhäusern. Dort wird ihnen eine fachkundige medizinisch-pflegerische Betreuung zuteil, deren Ausmaß und Möglichkeiten den Menschen früherer Jahrhunderten auch nicht von Ferne bekannt war. Der wachsende Fortschritt der medizinischen Möglichkeiten wirft aber auch Fragen auf, die sich früher so nicht gestellt haben. So schwer solche Fragen sind, so wichtig ist es, ihnen nicht auszuweichen. Denn zum verantwortlichen Leben gehören auch das Annehmen der eigenen Sterblichkeit und das Bedenken des Todes.“ [mehr]

  • 01.11.2009: Bischof Dr. Gebhard Fürst: Ansprache bei der Vernissage zur Ausstellung „Noch mal leben“
    „Die Ausstellung empfinde ich als eine bewegende Hommage an die Hospizbewegung in Deutschland. Und eben dieser Bewegung bezeuge ich an dieser Stelle  meinen Respekt: Danke für Ihr Engagement, danke im Namen all der Menschen, die die Hospizbewegung betreut und begleitet hat und in Zukunft begleiten wird. Danke, dass Sie dem Sterben und dem Tod nicht ausweichen, vor allem, dass sie auf die Würde des Menschen bis zum letzten Atemzug und über diesen hinaus hinweisen, dass sie die Menschenwürde hochhalten. Die Frauen und Männer der Hospizbewegung geben ihre Zeit und ihre seelische Kraft an Menschen ohne nach dem Nutzen zu fragen.“ [mehr]

  • 18.12.2007: Bischof Dr. Gebhard Fürst zur „Patientenverfügung“
    „In unserer Zeit ist die Aufgabe, das medizinisch Leistbare, das juristisch Vertretbare und das ethisch Unbedenkliche zu einem Ausgleich zu bringen, ungleich schwieriger geworden. Der wachsende Fortschritt der medizinischen Möglichkeiten wirft tiefgehende Fragen auf, die sich so früher nicht stellten.“ [mehr]

  • 26.04.2007: Bischof Dr. Gebhard Fürst zur „Patientenverfügung“
    „Das Leben ist ein Geschenk Gottes. Wir vertrauen auf seine Begleitung und Hilfe auch für die letzte Phase unseres Lebens. In diesem Vertrauen nutzen auch Christen die Möglichkeit einer Patientenverfügung. Sie erleichtert es den Ärzten, Ärztinnen und Pflegenden, uns mit unseren Wünschen zu achten, ganz gleich, in welcher Bewusstseinslage wir uns befinden. Der christliche Glaube, dessen Mittelpunkt Sterben, Tod und Auferstehung Jesu Christi ist, gibt Freiheit, über das Sterben nachzudenken und angemessene Vorsorge zu treffen.“ [mehr]

  • 06.01.2007: Bischof Dr. Gebhard Fürst: Neujahrsansprache 2007
    „Das Sterben als Teil des Lebens anzunehmen, bleibt eine persönliche, grundeigentliche Aufgabe eines jeden Menschen, die ihm niemand abnehmen kann. Vor allem darf die Debatte um gesetzliche Regelungen nicht auf die Ermöglichung von Tötung auf Verlangen oder aktive Sterbehilfe hinauslaufen. Europäische Länder haben hier negative Erfahrungen machen müssen, die wir nicht übersehen dürfen.“ [mehr]

  • 02.05.2004: Bischof Dr. Gebhard Fürst: Die Würde des Menschen am Ende seines Lebens – Wort zum Sonntag auf SWR 2
    „Sterbehilfe oder Begleitung beim Sterben? Die Position der Kirchen ist eindeutig: Es kann kein ‚gutes Töten"‘ geben, sondern nur ein Sterben, in dem Menschen alle denkbare Hilfe und Begleitung erfahren, um das Unverfügbare tragen zu können. So ist es gut, dass in Deutschland viele Gruppen entstanden sind, die schwerkranke und sterbende Menschen begleiten und ihnen in den letzten Wochen, Tagen und Stunden Beistand leisten. Auch die Medizin macht immer mehr Fortschritte. Durch verbesserte Schmerz- und Linderungsmittel hilft sie Schwerkranken, ihre letzte Lebenszeit zu erleichtern.“ [mehr]
Pressemitteilungen und Nachrichten

  • 15.01.2016: SZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“
    Bischof Fürst nimmt für Caritas Spende an

    Einen Scheck in Höhe von 172.561 Euro durfte Bischof Gebhard Fürst am Freitag von der Schwäbischen Zeitung (SZ) entgegennehmen. Deren Leserinnen und Leser hatten in der SZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude!“ diese Summe zusammengebracht; gewidmet ist sie der ambulanten Hospizarbeit im Verbreitungsgebiet der SZ und anvertraut dem Caritasverband. SZ-Chefredakteur Dr. Hendrik Groth übergab dem Bischof den Scheck in den Räumen des Hospizvereins in Weingarten. Seit drei Jahren organisiert die SZ als auflagenstärkste Zeitung in Baden-Württemberg mit Redaktionszentrale in Ravensburg ihre Weihnachtsaktion zu Gunsten der Caritasarbeit.    [mehr]

  • 22.06.2015: Gut versorgt in Würde sterben
    Diözesanrat will Sterbebegleitung statt Suizidbeihilfe

    Der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart fordert den Deutschen Bundestag auf, die palliative Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen umfassend zu verbessern und strukturell abzusichern und damit ein klares Signal gegen die schleichende Entsolidarisierung zu geben. Jede Form der organisierten Beihilfe zum Suizid soll unter Strafe gestellt werden. Dies erklärte die Katholikenvertretung am Samstag in einer öffentlichen Stellungnahme. [mehr]

  • 13.10.2014: Verantwortete Haltung zum Leben
    Diözesanrat diskutiert über Sterbehilfe

    Auf dem Studientag des Diözesanrats am 11. Oktober in Rottenburg-Ergenzingen plädierte Bischof  Gebhard Fürst für eine verstärkte Auseinandersetzung mit dem Thema Sterbehilfe in kirchlichen Bildungsveranstaltungen und im Religionsunterricht, damit die Menschen eine verantwortete Haltung zum Leben entwickeln könnten. „Dass wir eine Kultur der Hilfe im Sterben entwickeln und nicht eine Kultur der Hilfe zum Sterben, ist eine Aufgabe der Kirche“, betonte der Bischof. [mehr]

  • 14.05.2014: „LebensFaden“
    Ehrenamtliche beraten zum Thema Patientenvorsorge

    Die Caritas Rottenburg-Stuttgart startet mit einem neuen Angebot zur Patientenvorsorge: Eigens hierfür geschulte Ehrenamtliche informieren Ratsuchende zu Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung. Diese sind wichtig, wenn Menschen sich aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit nicht mehr über ihre Vorstellungen zur Versorgung und Begleitung im Krankheitsfall und Sterben äußern können. [mehr]

  • 09.05.2014: Versorgungsstrukturen für Kranke und Sterbende ausbauen
    Bischöfe Fürst und July zur Woche für das Leben: Neue Annahme- und Sorgekultur für Menschen am Lebensende
    Mehr Einsatz der Gesellschaft für die Pflege fordert Landesbischof Frank Otfried July von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. „Wir müssen endlich ein Pflegebündnis Zukunft schaffen“, so July. Bessere Betreuung für Demenzkranke, höhere Zuschüsse durch die Pflegeversicherung für die Pflegebedürftigen und Anerkennung der Tariflöhne für Pflegende sind für ihn wichtige Elemente des angestrebten Pflegebündnisses Zukunft. Bischof Gebhard Fürst von der Diözese Rottenburg-Stuttgart fordert mehr Hilfen für Schwerstkranke und Sterbende. „Wir brauchen keine gesetzlich geregelte ‚Erlaubnis‘ zur aktiven Sterbehilfe. Wichtig ist, eine Hilfe im Sterben zu pflegen und anzubieten.“ Dazu müssten „Fehlanreize unseres Gesundheitssystems und Fehlsteuerungen wie beispielsweise die Fallpauschalen in der palliativmedizinischen Versorgung“ abgeschafft werden. Beide Bischöfe haben anlässlich der diesjährigen „Woche für  das Leben“ das Pflegezentrum in Stuttgart-Möhringen besucht. Die ökumenische Aktion, die bis 10. Mai dauert, steht unter dem Motto „Herr, Dir in die Hände…“ und stellt die Würde des Menschen am Ende des Lebens in den Mittelpunkt. [mehr]

  • 24.10.2011: Vorsorge für den eigenen Sterbeprozess ist eine Frage der Verantwortung
    Sich mit der eigenen Sterblichkeit zu konfrontieren, sei nicht nur eine Frage der Verantwortung, sondern auch eine Chance in gesunden Tagen.
    So schwer es sei, sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen, so sinnvoll sei es auch, ihnen nicht auszuweichen und rechtzeitig Vorsorge zu treffen. Dies hat Bischof Gebhard Fürst auf einer Veranstaltung über „Christliche Patientenvorsorge/Patientenverfügung“ betont, zu der der Esslinger CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Grübel und die Kolpingsfamilie Esslingen am Montagabend, 24. Oktober, in den Salemer Pfleghof in Esslingen eingeladen haben. Bischof Fürst stellte dabei die „Christliche Patientenvorsorge“ vor, die die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) in neuer Bearbeitung als Reaktion auf das am 1. September 2009 in Kraft getretene Patientenverfügungsgesetz herausgegeben hat. Auf politische, rechtliche und praktische Fragen ging Markus Grübel ein, der auch die Diskussion mit den zahlreich erschienenen Zuhörern moderierte. [mehr]

Versöhnte Annahme des eigenen Todes

„Jeder Mensch steht vor der Aufgabe, das Sterben als einen Teil seines eigenen Lebens zu sehen und in eine Haltung der Annahme des Sterbenmüssens hineinzuwachsen. Sterbebegleitung durch Angehörige und medizinische Versorgung hat dabei die Funktion, ihm den Zeitraum zu gewähren, den er braucht, um eine solche Haltung der versöhnten Annahme des eigenen Todes zu entwickeln.“   [mehr]

Prof. Dr. Eberhard Schockenhoff, Moraltheologe aus Freiburg, im Interview