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Die neue Bischofsgruft

Erinnerungsort an die Bischöfe der Diözese

Die neue Bischofsgruft – Foto: Diözesanmuseum Rottenburg

Die alte Bischofsgruft – Foto: Diözesanarchiv Rottenbrug

Bis 2011 war die Bischofsgruft unterhalb der Sülchenkirche nahe Rottenburg ein sehr ungemütlicher Ort und das nicht allein wegen der Anwesenheit der verstorbenen Bischöfe der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die Atmosphäre der Gruft versprühte einen maroden Charme. Heute ist die Unterkirche in Sülchen ein würdiger Ort, der für Andacht und Gottesdienst eine angemessene Atmosphäre bietet.

Wer die Stufen zur Gruft herabsteigt, wird bewusst verlangsamt. „Die Gestaltung des Weges zur Grablege folgt dem Thema des langsamen Eintauchens und bereitet den Besucher ruhig und gelassen auf den zentralen Raum der Andacht vor“, so der Architekt Andreas Cukrowicz. Der Raum der Grablege erinnert an frühzeitliche Felsengräber, die Wände wurden in Stampflehmbauweise herausgearbeitet. Der erdfeuchte Lehm aus den Ausgrabungen wurde schichtweise in vorbereitete Schalungen für die Wände eingefüllt und festgestampft. Die Bauweise ist uralt und gilt heute wieder als eine ökologische Naturbauweise. Der Besucher erlebt in dem neu entstandenen Begräbnisraum die Erde, in der viele einmal begraben sein werden, er spürt, er riecht, er sieht sie. „Von der Erde bist du gekommen und zur Erde kehrst du zurück“, so ein Gebet bei der Bestattung.

Die neuen Grabplatten sind aus Juraschiefer, der Altar ist ein massiver Block aus Gauinger Travertin. Das freistehende Kreuz im Andachtsraum, das Gittertor zum Archäologiebereich und das Geländer in der Oberkirche sind aus patiniertem Messing. Eine besondere Bedeutung hat das Licht in der neuen Bischofsgruft. Neben der dimmbaren Beleuchtung sorgt nur eine Deckenleuchte über dem Altar für eine spannungsvolle Ausleuchtung des Raumes. Andreas Cukrowicz: „Der Altar als Zentrum des Raumes dient hierbei als Reflektor und symbolisiert Jesus Christus, von ihm geht alles Licht aus. Er ist das Zentrum des Lichts, das die Welt erhellt.“

Was der Besucher nicht auf den ersten Blick erkennt, ist die Zahlensymbolik des Raumes. Der Kreis im Fußboden steht für die Vollkommenheit. Eins ist das Symbol für den Ursprung, das Unteilbare, den Himmel und das Göttliche. Die gesamte Anlage ist symmetrisch zu einer Mittelachse aufgebaut. Dadurch entsteht eine Spiegelung und die Zahl Zwei taucht im Raum auf: „Zwei steht für Gegensätze und Polarität: Gott und Mensch, Männliches und Weibliches, Tag und Nacht, Sonne und Mond, Himmel und Hölle, Leben und Tod, Gut und Böse“, so Andreas Cukrowicz. Wenn man die Raummaße anschaut, dann taucht auch immer wieder die Zahl Drei auf. Sie steht für Vollkommenheit, Dreieinigkeit und die Trinität. Sie steht für die Dreidimensionalität des Raumes, Himmel, Hölle und Fegefeuer, aber auch Geburt, Sein und Tod. Die Zahlenmystik erschließt sich dem Betrachter auf den ersten Blick natürlich nicht, aber der Besucher spürt, dass der Raum mehr als nur eine architektonische Tiefe hat.

Seit 1869 dient die Sülchenkirche als Grablege der Bischöfe. Jetzt hat sie eine würdige Gestaltung bekommen. Sie lädt den Besucher ein, inne zu halten und zurückzuschauen auf das eigene Leben, auf das der uns vorausgegangenen Bischöfe und all der Christen, die auf die Auferstehung hofften. Die Gruft in Sülchen wird damit zu einem neuen Wallfahrtsort in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.