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Glaubenszeugen

Joannes Baptista Sproll

* 2. Oktober 1870 in Schweinhausen bei Biberach
Studium der Theologie und Philosophie in Tübingen
Priesterweihe: 16. Juli 1895 in Rottenburg
Bischofsweihe: 18. Juni 1916 (Titularbischof von Almira und Weihbischof in Rottenburg)
Inthronisation: 14. Juni 1927
† 4. März 1949 in Rottenburg

Aus einfachen Verhältnissen

In Schweinhausen, einem kleinen Dorf zwischen Biberach und Bad Waldsee in Oberschwaben, wuchs Joannes Baptista Sproll als Sohn eines Straßenwärters mit 13 Geschwistern auf. Später besuchte er die Lateinschule in Biberach und das Gymnasium in Ehingen, die ihm den Weg zum Theologiestudium in Tübingen ebneten. Am 16. Juli 1895 empfing er die Priesterweihe. Während seiner Promotion war er Repetent im Wilhelmsstift in Tübingen und später Subregens in Rottenburg. Nach nur drei Jahren als Pfarrer in Kirchen bei Ehingen erging 1912 an Sproll der Ruf nach Rottenburg ins Domkapitel, wo er schon ein Jahr später das Amt des Generalvikars der Diözese übernahm.  Am 18. Juni 1916 zum Weihbischof geweiht, gehörte Sproll nach der Revolution von 1918 in den Jahren 1919/1920 der verfassungsgebenden Landesversammlung Württembergs an.

„Fortiter in fide – Tapfer im Glauben“

Wie sehr der Wahlspruch sein Leben prägen sollte, ahnte Joannes Baptista Sproll bei seiner Inthronisation als siebter Bischof der Diözese Rottenburg  am 14. Juni 1927 wohl noch nicht. „Seid stark im Glauben, seid tadellos im Wandel, seid selbständig im Urteil“,  so rief er an Bischofs- und Jugendtagen und auf großen Bekenntniswallfahrten zu Furchtlosigkeit und Treue sowie zum Gottes- und Christusbekenntnis auf. Er verteidigte den katholischen Religionsunterricht und setzte sich für die Beibehaltung und Neueinrichtung katholischer Bekenntnisschulen ein. Außerdem kritisierte Sproll die Gleichschaltung der Jugend in der Hitlerjugend und wandte sich früh gegen die Ideologie des Nationalsozialismus, um der zunehmend bedrängten Kirche ein Mindestmaß an Freiheit zu bewahren.

Wahlenthaltung und Verfolgung

Zum offenen Bruch mit dem nationalsozialistischen Regime kam es 1938, als Joannes Baptista Sproll bei der Volksabstimmung zur Angliederung Österreichs und gleichzeitig der Zustimmung zum „Großdeutschen Reichstag“ und zur „Liste unserer Führers“ am 10. April die Stimmabgabe verweigerte. Die nationalsozialistischen Machthaber organisierten Demonstrationen und Ausschreitungen gegen den Bischof, auf deren Höhepunkt sogar das Bischöfliche Palais gestürmt und verwüstet wurde. Joannes Baptista Sproll konnte den Angriffen nur knapp entgehen.

Eine Hetzkampagne in der Presse beschuldigte den Bischof, rechtliche Vereinbarungen zwischen Staat und Kirche gebrochen zu haben. Treueerklärungen einzelner Pfarreien, und Solidaritätbekundungen der Einwohner Rottenburgs, der Bischofskonferenz, des Vatikan und des Rottenburger Domkapitels verhinderten, dass Sproll deswegen das Recht auf sein Amt entzogen wurde.

Der bereits erkrankte Bischof Sproll im Rollstuhl

Pietá zur Marienweihe der Diözese

Empfang nach siebenjähriger Verbannung

Exil

Am 19. August 1938 teilte Reichskirchenminister Hanns Kerrl  über den Vorsitzenden der Bischofskonferenz Joannes Baptista Sproll das Aufenthaltsverbot für Württemberg mit. Bereits fünf Tage später wies die Gestapo den Bischof nach Freiburg aus, der daraufhin mehrere Male den Aufenthaltsort wechselte. Am 13. September 1938 wurde Joannes Baptista Sproll offiziell aus Württemberg und damit aus seiner Diözese verbannt. Während seines zweijährigen Aufenthalts in St. Ottilien erkrankte er  an Multipler Sklerose. Ab Januar 1941 verbrachte er deshalb seine Verbannungszeit in Krumbad, einem Heilbad der St. Josefsschwestern in Bayerisch-Schwaben.

In der Zeit des Exils hatte Bischof Joannes Baptista Sproll Kontakt mit dem aus seiner Diözese stammenden Jesuitenpater Rupert Mayer, der ebenfalls unter der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu leiden hatte.

Unterstützt von Generalvikar Max Kottmann und das Bischöfliche Ordinariat leitete Bischof Sproll seine Diözese von Krummbad aus. Die Weihehandlungen versah in seinem Auftrag Weihbischof Josef Fischer. Das Domkapitel in Rottenburg, die Fuldaer Bischofskonferenz und auch der Vatikan versuchen erfolglos, Sprolls Rückkehr zu erwirken.

Am 3. Oktober 1943 weihte Joannes Baptista Sproll die Diözese Rottenburg der Muttergottes. Daran erinnert eine Pietá, die Darstellung der trauernden Maria um ihrem toten vom Kreuz abgenommenen Sohn, die am Bischöflichen Palais aufgestellt wurde und heute vor dem Bischofshaus steht.

Heimkehr

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialistischen Regimes kehrte Joannes Baptista Sproll am 12. Juni 1945 in die Diözese Rottenburg zurück, die ihn begeistert empfing. Mit einem Hirtenschreiben wendet er sich an die Gläubigen: „In christlicher Liebe wollen wir auch verzeihen, was uns in den vergangenen Jahren Böses zugefügt wurde. Der echte Christ hält sich an das Wort des Heilandes: Tut Gutes denen, die euch hassen. (Mt 5, 44)“. Am 16. Juli 1945 feiert der Bischof sein goldenes Priesterjubiläum.

Trotz seines Alters und der schweren Krankheit, die ihn an den Rollstuhl fesselte, war Joannes Baptista Sproll viel unterwegs, besuchte Gemeinden und arbeitete unermüdlich am Wiederaufbau der Diözese. Im Alter von 78 Jahren starb Bischof Sproll am 4. März 1949. Er wurde in der Bischöflichen Grablege in der Rottenburger Sülchenkirche beigesetzt.

Gedenken

In Erinnerung an die gewaltsamen Demonstrationen der Nationalsozialisten 70 Jahre zuvor ehrte die Diözese ihren Bekennerbischof am 23. Juli 2008 mit einer öffentlichen Gedenkfeier vor dem Bischöflichen Palais.

Der Rottenburger Dom St. Martin erhielt im selben Jahr eine Glocke, die dem Heiligen Martin geweiht und Bischof Sproll gewidmet ist. Name und Porträt des Bekennerbischofs sind in die Glocke eingraviert. Der Glockenklang erinnert daran, dass Bischof Sproll der natonalsozialistischen Unrechtsherrschaft mit seiner Stimme und beharrlicher Verweigerung widerstand.

Bischof Gebhard Fürst ist es ein großes Anliegen, das Andenken seines mutigen Vorgängers in der Diözese Rottenburg-Stuttgart stärker zu würdigen. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass 2012 das Seligsprechungsverfahren für den Glaubenszeugen Joannes Baptista Sproll eröffnet wurde. Die Diözese dankt allen Gläubigen, die dieses Anliegen durch ihr Gebet unterstützen.

Mit der Sanierung des Bischöflichen Ordinariats 2013 erhielt der siebte Bischof der Diözese eine Gedenkstätte hinter der Tür am Palais – damals auch Wohnsitz des Bischofs, durch die 1938 die Nationalsozialisten das Gebäude gestürmt hatten. Sie löst die Gedenktafel von 1983 an dieser Stelle ab.

80 Jahre nach seiner Vertreibung ehrte die Diözese Bischof Joannes Baptista Sproll am 4. August 2018 mit einem Festakt. In Bad Wörishofen, einem seiner Zufluchtsorte, gedachten Bischof Gebhard Fürst und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sowie die anwesende politische Prominenz des mutigen Gottesmanns. Sie suchten auch die Erinnerungstafel, ein Relief des Mindelheimer Bildhauers Georg Bayer, am Kurhaus St. Josef auf.

Einen konsequenten Mahner zur Wachsamkeit nannte Offizial Thomas Weißhaar Bischof Sproll in seinem Festvortrag. "Das ist dankbare Erinnerung, aber noch viel mehr beleibende Aufgabe für die Zukunft" betonte der Bischöfliche Beauftragte des Seligsprechungsverfahrens.

Gedenktafeln für Bischof Joannes Baptista Sproll

Gedenktafeln für Bischof Joannes Baptista Sproll

Eine Stele im Gemeindezentrum St. Martin in Rottenburg erinnert an den Bekennerbischof.

Eine Stele im Gemeindezentrum St. Martin in Rottenburg erinnert an den Bekennerbischof.

Das Bischöfliche Ordinariat in Rottenburg hat einen Gedenk- und Erinnerungsraum für Bischof Joannes Baptista Sproll eingerichtet.

Das Bischöfliche Ordinariat in Rottenburg hat einen Gedenk- und Erinnerungsraum für Bischof Joannes Baptista Sproll...

Anlässlich des 60. Todestages von Bischof Joannes Baptista Sproll trafen sich Zeitzeugen und sprachen über ihre Erinnerungen

Anlässlich des 60. Todestages von Bischof Joannes Baptista Sproll trafen sich Zeitzeugen und sprachen über ihre...

2011 wurde in der Rottenburger Sülchenkirche das Seligsprechungsverfahren für Bischof Joannes Baptista Sproll, eröffnet.

2011 wurde in der Rottenburger Sülchenkirche das Seligsprechungsverfahren für Bischof Joannes Baptista Sproll,...

Gedenkfeier der Diözese Rottenburg-Stuttgart anlässlich des 60. Todestag von Bischof Joannes Baptista Sproll 2009, Festrede von Bischof Fürst

Gedenkfeier der Diözese Rottenburg-Stuttgart anlässlich des 60. Todestag von Bischof Joannes Baptista Sproll 2009,...

Zeitzeugenportrait - Pfarrer i. R. Wendelin Sieß über Bischof Sproll

Zeitzeugenportrait - Pfarrer i. R. Wendelin Sieß über Bischof Sproll

Gedenkfeier für Bischof Sproll in Bad Wörishofen

Gedenkfeier für Bischof Sproll in Bad Wörishofen

Musikstück "Bischof Sproll"

Musikstück "Bischof Sproll"

Gebet um die Seligsprechung von Joannes Baptista Sproll

Herr Jesus Christus,

du hast deinen Diener Joannes Baptista Sproll
mit Mut zur Wahrheit und mit einer großen Liebe zum Menschen erfüllt.

Im festen Glauben und in der Treue zu seinem Gewissen
hat er ein entschiedenes Nein zum Nationalsozialismus
und zum trügerischen Wahn des Rassismus gesagt
und ist so für die Kirche zum Bekennerbischof geworden.
Er hat sich selbst und sein Leben nicht geschont
und Verbannung und schwere Leiden auf sich genommen.

Wir bitten dich:

Zeige ihn der Kirche als Seligen, damit er vielen den richtigen Weg weise.
Lass sein Vorbild leuchten in unsere Zeit und schenke uns auf seine Fürsprache Kraft,
für die Wahrheit des Glaubens einzutreten
und für den Dienst an den Menschen auch Schweres auf sich zu nehmen.
Dir sei Ruhm und Ehre
mit dem Vater
und dem Heiligen Geist
jetzt und allezeit und in Ewigkeit.

Amen.

Fürbitten um die Seligsprechung von Joannes Baptista Sproll

Herr Jesus Christus, in Bischof Joannes Baptista Sproll hast du unserer Diözese in schwerer Zeit einen Bischof und Hirten nach deinem Vorbild geschenkt. Sein standhafter Glaube hat die Menschen gestärkt. Auch wir schauen auf ihn, wenn wir nun mit unseren Bitten zu dir kommen.

Bischof Sproll stellte sein Bischofsamt unter das Leitwort: Tapfer im Glauben. –
Wir bitten für alle Getauften: dass ihr Glaube stark sei und dass sie ein Leben lang Kraft im Glauben erfahren.
Christus, höre uns.

Bischof Sproll folgte seinem Gewissen und tat, was er als richtig erkannt hatte. –
Wir bitten für alle, die bedrängt und unter Druck gesetzt werden: dass sie den Mut finden, standhaft zu bleiben.
Christus, höre uns.

Bischof Sproll widersprach öffentlich, als er das Gottlose am Nationalsozialismus erkannte. –
Wir bitten für alle Menschen in unserem Land: dass sie ihre Verantwortung als mündige Bürger und Bürgerinnen wahrnehmen.
Christus, höre uns.

Bischof Sproll riskierte den Konflikt mit den Machthabern und nahm dafür Hass, Verleumdung und Verbannung auf sich. –
Wir bitten für alle Menschen, die tapfer für die Wahrheit einstehen: dass sie sich von dir getragen wissen.
Christus, höre uns.

Bischof Sproll hat auch in der Verbannung sein Bischofsamt treu ausgeübt. –
Wir bitten für alle Menschen, die Verantwortung in einem Amt tragen: dass sie sich auch von Enttäuschungen nicht entmutigen lassen.
Christus, höre uns.

Bischof Sproll ließ sich durch sein schweres Schicksal nicht verbittern, sondern blieb ein Mensch mit Gottvertrauen und Humor. –
Wir bitten für alle, die Schweres ertragen müssen: dass sie die Lebensfreude nicht verlieren.
Christus, höre uns.

Bischof Sproll führte die Gläubigen, die ihm anvertraut waren,  durch eine unruhige Zeit. –
Wir bitten für alle Mitglieder unserer Diözese, dass sie durch sein Zeugnis gestärkt werden im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe.
Christus, höre uns.

Treuer Gott, du willst, dass das Geschenk des Glaubens von  Generation zu Generation weitergegeben werde.  Ermutige uns, ein im Geist des Bischofs Joannes Baptista Sproll  geformtes Zeugnis zu geben. Durch Christus, unsern Herrn.

Amen.