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Feuerwehrmann und Seelsorger

Eine Form praktizierter Nächstenliebe

Pfarrer Uwe Grau

Brenzlige Situationen erlebt Feuerwehrseelsorger Uwe Grau nicht nur, wenn er Brände löscht und Unfallopfer birgt. Der Priester begleitet auch seine Kameradinnen und Kameraden nach schwierigen Einsätzen. Welche Aufgabe er beim Landesfloriansfest und als Kontaktmann der Diözese zur Feuerwehr hat, erzählt er im Interview.

Herr Pfarrer Grau, Sie sind Feuerwehrseelsorger der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Löschen Sie auch Brände oder betreuen Sie eher die Kameraden?

Uwe Grau: Seit ungefähr zehn Jahren bin ich aktiver Feuerwehrmann. Über die Notfallseelsorge im Maintauberkreis bin ich damals zur Mergentheimer Feuerwehr gekommen und habe dort die Grundausbildung gemacht. In Ulm war ich bei der Abteilung Jungingen. Bei meinen neuen Feuerwehren Riedlingen und Daugendorf bin ich noch in der Probezeit. Ich bin also bei den Übungen dabei, aber noch nicht wieder in den Einsätzen. Auch als Feuerwehrseelsorger müssen mich die neuen Kameradinnen und Kameraden erst kennenlernen und das Vertrauen muss wachsen, damit auch im Bedarfsfall sich jemand bei mir meldet.
 
Welcher Einsatz hat Sie bisher am meisten gefordert?

Grau: Einer meiner ersten Einsätze als Feuerwehrmann, bei dem bei einem Hausbrand drei Menschen ums Leben kamen. Hier war ich als Feuerwehrmann und Seelsorger gefragt. Persönlich haben mich die Suizide zweier Feuerwehrkameraden in den letzten Jahren sehr mitgenommen.

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit von Feuerwehr und Kirche?

Grau: Unsere Feuerwehrleute haben das Herz am richtigen Ort. Meistens kommen sie durch ihre gute Ausbildung und ständige Fortbildung mit ihren zum Teil schweren und auch gefährlichen Einsätzen gut zurecht. Aber es gibt Zeiten und Situationen, in denen die eigenen Schutzmechanismen nicht oder unzureichend greifen. Da können Seelsorgerinnen und Seelsorger, die mit der Feuerwehr vertraut sind, begleitend und unterstützend tätig sein. Und für uns als Kirchen sind die Feuerwehren vor allem auf dem Land wichtige Hilfe, wenn es um die Verkehrsregelung und Teilnahme bei Festen oder Prozessionen geht.
 
Florian ist ein katholischer Heiliger, aber die Bitte, er möge statt des eigenen lieber andere Häuser anzünden, scheint weniger christlich zu sein. Wie stehen Sie zum Patron der Feuerwehrleute?

Grau: Als Soldat hat Florian mit seinen Gefährten gemeinsam für den christlichen Glauben Zeugnis abgelegt und sie sind den Märtyrertod gestorben. Als Feuerwehrleute begeben wir uns in Gefahren, die auch Leib und Leben bedrohen können, und müssen zusammenhalten. Deshalb ist neben den regelmäßigen Übungen die Kameradschaftspflege, die wir von Florian lernen können, äußerst wichtig. Auch der Feuerwehrdienst ist eine Form praktizierter Nächstenliebe. Nicht umsonst heißt bis heute das Motto der Feuerwehren: "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr".
 
Am 3. Mai treffen sich Feuerwehrkameraden zum Landesfloriansfest in Hirrlingen. Sind sie dort als Feuerwehrseelsorger der Diözese auch präsent?

Grau: Der Feuerwehrseelsorger der Diözese ist Ansprechpartner für den Landesfeuerwehrverband und bereitet den alle zwei Jahre stattfindenden Landesfloriansgottesdienst mit der Feuerwehr und der Kirchengemeinde vor Ort vor. In Hirrlingen feiern mehrere hundert Feuerwehrleute in Unform aus ganz Baden-Württemberg mit ihren Fahnenabordnungen einen großen Gottesdienst mit Weihbischof Thomas Maria Renz. Anschließend ist gemütliches Zusammensein in der dortigen Gemeindehalle. Über das Floriansfest hinaus organisiere ich weitere Begegnungstage und betreibe Lobbyarbeit für die Feuerwehrseelsorge bei Feuerwehren, beim Land und den Kirchen.

Markus Waggershauser - 02.05.2014

Person

Uwe Grau ist seit Ende Oktober 2013 Pfarrvikar in der Seelsorgeeinheit Riedlingen mit Schwerpunkt in den vier Nordgemeinden und im Krankenhaus sowie aktiver Feuerwehrmann in Daugendorf und Riedlingen. Der 46-jährige Feuerwehrseelsorger der Diözese Rottenburg-Stuttgart engagiert sich auch in der Notfallseelsorge im Landkreis Biberach. Zuvor war er Diakon in Ravensburg, Vikar in Wasseralfingen und Waiblingen, Pfarrvikar in Bad Mergentheim und Pfarrer in Ulm-Böfingen und Jungingen.