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Geistliche Begleitung II

Bodenständiger Seelsorger mit Tiefgang

Geistliche Begleitung feiert Jubiläum

Pfarrer Anton Durner

Ob in der Aufbruchsbewegung seiner Jugend am Vorabend des Zweiten Vatikanischen Konzils oder später am Krankenbett. Pfarrer Anton Durner ist bis ins hohe Alter dran an den Menschen und dem, was sie umtreibt. Er beschreibt, was es für ihn bedeutet Seelsorger zu sein.

Menschen treiben viel Aufwand für ihren Körper, manche auch für ihren Geist. Wie sieht es mit der Seele aus?

Anton Durner: Für viele ist das gar kein Thema. Aber ich staune, dass es nicht nur kirchlich Angestellte sind, sondern eine ganze Reihe weiterer Menschen, die auf ihr inneres Leben achten. Sie haben eine Sehnsucht, dass sie innerlich wachsen.

Wie können Sie als Geistlicher diesen Menschen weiterhelfen?

Durner: Das Stichwort heißt „begleiten“. Neben den herausragenden Stellen im Leben wie Taufe Hochzeit und Beerdigung gibt es Erfahrungen, Fragen und Schwierigkeiten im konkreten Lebens- und Glaubensvollzug. Für viele von uns Pfarrern ist es eine große Sorge, dass diese seelsorgerliche Begleitung in dem Maße nicht mehr möglich ist.

Was hat Sie damals als junger Mensch motiviert Priester zu werden?

Durner: Ich habe zuerst ministriert und dann eine Ministrantengruppe geleitet. Nach dem Krieg sind die Bünde wieder aufgelebt und es gab den BDKJ. Die Jugendarbeit hatte eine geistliche Funktion. Für mich war die neue Lebensgestaltung in Christus sehr wichtig. Das hat dazu geführt, dass ich meine Berufung zum Priester gespürt habe.

Hatten Sie damals schon den Wunsch, Menschen seelsorgerlich zu begleiten?

Durner: Ja, sicher. Wenn wir auf Fahrt waren und uns getroffen haben, gab es viele seelsorgerliche Gespräche. Ich hatte das Glück, dass ich auch selbst immer einen Ordensmann oder Pfarrer als meinen Beichtvater und seelsorgerlichen Begleiter hatte.

Sie sind auch Supervisor. Wie hängt das mit Ihrer Rolle als Geistlicher Begleiter zusammen?

Durner: In der Supervision geht es um die Reflexion im beruflichen Handeln. Es wird deutlich, dass innere Bilder – etwa aus der Lebensgeschichte – das äußere Handeln mitbestimmen. Diese korrespondieren oft mit religiösen Vorstellungen und Glaubenserfahrungen. Ich bin durch die Begegnung mit den Holländern Frans Andriessen und Nicolaas Derksen der Meinung, dass die Erfahrungen eines Seelsorgers selbst zur Quelle seines geistlichen Lebens werden. Ein Vikar, der mit seinem Chef nicht auskommt, kann durch Geistliche Begleitung in dessen Lebens- und Glaubensgeschichte eine eigene Tiefe entdecken. Diese Erkenntnis verbessert die Beziehung zu ihm auch in anderen Fragen. Bei der Begleitung eines solchen inneren Wandels ist der Supervisor auch Seelsorger. 

Erinnern Sie sich an Menschen, denen Sie weiterhelfen und Neues eröffnen konnten in der Geistlichen Begleitung?

Durner: Da hatte ein Pfarrer Schwierigkeiten mit seinem Kirchengemeinderat. Die Kirchengemeinderäte haben den Pfarrer zum Schwitzen gebracht, weil die Akzeptanz nicht da war. Es half weiter, als der Kirchengemeinderat in einen geistlichen Prozess mit seinem Pfarrer eingetreten ist, eine Begegnung auf einer tieferen Ebene. Darüber hinaus ist es ganz wichtig für Geistliche Begleitung, dass die Leute das Gefühl haben: Da kommt keine abgehobene Spiritualität, sondern es kommt jemand, der auf dem Boden steht.

Wo sind ihre persönlichen Quellen, aus denen Sie als Seelsorger Kraft schöpfen?

Durner: Mich begleitet ein Wort des Heiligen Augustinus: „pasco unde pascor“, ich weide, woher ich geweidet werde. Ich bin Hirte für Menschen von daher, woher ich selber behütet und begleitet werde. Ich brauche die Verbindung zu meinem „großen Hirten“, etwa in der Eucharistiefeier am Sonntag, aber auch mit kleinen Gruppen am Werktag, und in der Beschäftigung mit seinem Wort. Ich teile mit den Menschen Leben und Glauben und pflege Zeiten der Stille und des Gebetes.

Interview: Markus Waggershauser - 09.10.2012

Person

Anton Durner ist 82 Jahre alt und lebt als Pfarrer im Ruhestand in Esslingen-Zollberg. Priesterliche Stationen des gebürtigen Ulmers waren Heidenheim, Kirchentellinsfurt und Denkendorf. Mit der Supervisorenausbildung und weiteren Qualifikationen im Bereich Bibliodrama und Geistliche Begleitung legte er einen Schwerpunkt auf Einzelpastoral. Diese Kompetenz schätzten auch die Patienten im Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus an ihm in den zwölf Jahren als Krankenhausseelsorger.