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Singen beflügelt Kinder

Kinderchorarbeit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Barbara Weber †

Über 1.000 begeisterte Kinder sangen am 28. September 2013 im Kloster Reute auf dem Diözesankinderchortag. Bereits zum zweiten Mal versammelten sich Kinderchöre aus der ganzen Diözese zum gemeinsamen Musizieren. Wir sprachen mit Regionalkantorin Barbara Weber.

Barbara Weber gehört zu den neun Regionalkantoren in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und ist verantwortlich für die Ausbildung der Kinderchorleiter. „Chorleiter sind mehr als Musiker. Ein Kinderchor dient auch der Vermittlung von Glaubensinhalten“, erklärt sie. In der eineinhalb Jahre dauernden Ausbildung des Amts für Kirchenmusik werden nicht nur musikalische Kompetenzen, sondern auch pädagogische Konzepte vermittelt. Die Kinder erleben durch das gemeinschaftliche Singen den Glauben auf besonders eindrückliche Art, denn „was die Kinder singend erfahren, sickert tief in sie hinein“.

Deshalb gehe es am 28. September nicht nur um das Singen an sich, betont die 49-Jährige. Für die Kinder sei es ein beflügelndes Erlebnis gemeinsam mit anderen von ihrem Glauben zu erzählen und zu entdecken: ‚Die sind alle so wie ich‘. Die rund 1000 Anmeldungen für den diesjährigen Kinderchortag geben dieser Einschätzung recht. Auch Bischof Gebhard Fürst unterstreicht immer wieder, wie wichtig die Chöre der Diözese als Ausdruck eines lebendigen Glaubens sind. Er wird die Kinder in Reute besuchen und dem Tag damit eine ganz besondere Bedeutung geben. Seine Anwesenheit sei ein Zeichen für die Kinder, dass auch sie Teil einer großen Kirche sind, erzählt die Kantorin aus Heidenheim.

Damit unterstütze ein diözesanweiter Tag die Kinderchorarbeit vor Ort, denn es ist für Chorleiter mitunter eine Herausforderung, den Kindern auf vielfältige Art Lust auf das Singen in der Gemeinde zu machen. Besonders wichtig sei es, dass Kinder an einem Lied wachsen und sich entwickeln können. Den eigenen Fortschritt messbar zu machen, das sei eine große Motivationshilfe, erklärt Barbara Weber. Außerdem ist der Kontakt zu den Eltern wichtig. Sie planen im Regelfall den Alltag der Kinder und müssen in die Arbeit eingebunden werden. Dann wirke der Kinderchor sogar gemeindebildend. Wenn die Kinder singen, sind auch die Eltern in der Kirche, so könne man auch diese erreichen. Zusätzliche Motivation bringe auch das Lob des Pfarrers und der Gemeinde nach einem mitgestalteten Gottesdienst.

Üblicherweise wird im Gottesdienst aus dem Gotteslob gesungen. Barbara Weber arbeitet mit Kindern gerne an den traditionallen Liedern wie „Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Es sei nur eine Frage der Mühe, den Kindern diese beizubringen. Sie versteht ihr Amt als Regionalkantorin auch als Auftrag, um den kulturellen Schatz des alten Liedguts zu bewahren und weiterzuvermitteln. Deshalb freut sie sich besonders über die gelungene Mischung zwischen alten und neueren Liedern im neuen Gotteslob. Dort lasse sich auch genügend Repertoire für Kinderchöre finden. Zusätzlich gibt es in der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit „Erdentöne-Himmelsklang“ und „Dir sing ich mein Lied“ zwei Liederbücher, die auch das Neue Geistliche Lied einschließen und vor allem dem Gebrauch im Kinder- und Jugendgottesdienst dienen.

Großen Wert legt Barbara Weber auf die Qualitätskriterien für Kinderlieder: „Je kleiner das Kind, desto einfacher die Aussage und desto kürzer die Strophe.“ Dabei betont sie allerdings, dass Kinderlieder zwar einfach, aber keinesfalls banal sein sollten. Deshalb sei es sehr schwierig ein gutes Kinderlied zu schreiben. Trotzdem werden Kinderliedkomponisten und Kinderchorleiter oft belächelt. Doch Barbara Weber weiß: „Man kann mit Kindern künstlerisch arbeiten, jawohl, das geht!“. Den Beweis tritt sie in Reute gerne an.

Interview: Kristina Weimer - 23.09.2013

Barbara Weber verstarb am 21. März 2014. Mit ihr verliert die Kinderchorarbeit in der Diözese eine bedeutende Stütze.