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Kindergottesdienste

Kongress möchte Engagierte neu motivieren

Mit Kindern große Fragen stellen und nach Antworten suchen

Ulrike Mayer-Klaus und Rainer Oberthür

Zum 3. Diözesanen Kongress Kinder- und  Familiengottesdienste mit einem umfangreichen Programm lädt das Institut für Fort- und Weiterbildung der Diözese am Samstag, 13. Juli, alle bei Kindergottesdiensten Engagierten ins Kloster Untermarchtal ein. Im Gespräch äußern sich Tagungsleiterin Ulrike Mayer-Klaus und Referent Rainer Oberthür zu den Hintergründen.

Frau Mayer-Klaus, wie viele Kongressteilnehmer erwarten Sie und an wen richtet sich das Angebot genau?

Ulrike Mayer-Klaus: Wenn wir von den Zahlen der ersten beiden Kongresse ausgehen, dann rechnen wir mit 400 bis 500 Personen. Der Tag richtet sich an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gottesdiensten mit Kindern – ganz gleich ob sie im Kirchenraum, in der Kita, in der Schule oder bei einem Stadtfest gefeiert werden, ob von Ehrenamtlichen oder Hauptamtlichen gestaltet – alle sind eingeladen.

Worum wird es inhaltlich dabei gehen?

Mayer-Klaus: Wie schon der Titel ‚Was glaubst Du?‘ sagt. Es  geht um Glaubenskommunikation in den verschiedenen Facetten. Glaubenspraxis, Sprechen von Gott ist mehr als das Kennen und Formulieren von Glaubenssätzen. Alles, was dazu dient, Menschen sprachfähig zu machen über das, was sie glauben und hoffen lässt in ganz unterschiedlichen Ausdrucksweisen, ist Thema des Tages und der angebotenen Workshops.

Herr Oberthür, worum wird es bei dem Kongress aus Ihrer Sicht inhaltlich gehen?

Rainer Oberthür: Im Vortrag werde ich konkrete Wege entfalten, mit jungen Menschen die großen Fragen zu stellen, mit ihnen nach Antworten zu suchen und danach weiter zu fragen. Das alles geschieht unter der Frage ‚Was glaubst du?‘, die einen doppelten Sinn hat. Wir Erwachsenen sind von Kindern gefragt und unsere persönliche Antwort sollte so sein, dass wir damit und darin die Frage an die jungen Menschen zurückgeben.

Frau Mayer-Klaus, wie ist, Ihrer Erfahrung nach, die Resonanz der Eltern auf das Angebot von Kindergottesdiensten?

Mayer-Klaus: Viele Eltern begleiten gern ihre Kinder. Ein Grund ist sicher die Offenheit von Eltern in dieser Lebensphase für alle Angebote, die ihren Kindern Halt und Stärke für ihr Leben vermitteln. Dazu gehört auch der Bereich des Religiösen. Wenn Eltern spürbar erfahren, dass die Zusage von Gottes Heil und Segen ihnen und ihren Kindern gilt, dann entdecken sie vielleicht darin einen tieferen Lebenssinn für ihre Familie. Gut gestaltete Kinder- und Familiengottesdienste sind eine große Chance, junge Familien neu zu erreichen,  vor allem dann, wenn sie inhaltlich qualitativ und ansprechend gestaltet und gefeiert werden.

Herr Oberthür, was bieten Sie den Teilnehmern an, von der Veranstaltung mitzunehmen, zurück in den Alltag ihrer Gemeinden?

Oberthür: Wenn es gut gelaufen ist: die persönliche Auseinandersetzung und Inspiration zu den Menschheitsfragen, praktische Erfahrungen und Äußerungen von Kindern, die auf eigene Umsetzungen weitergedacht werden können. Und Ermutigung, Freude und Begeisterung für ungewöhnliche Wege.

Wie ist, Ihrer Erfahrung nach, die Resonanz auf Elternseite auf das Angebot spezieller Kindergottesdienste? Können die Eltern von der gemeinsamen Teilnahme, zusammen mit ihren Kindern, auch profitieren?

Oberthür: Ich meine, ein guter Kindergottesdienst sollte auch für die Erwachsenen ein persönlicher, spiritueller Gewinn sein. Denn wir sollten in Fragen von Religion und Glaube mit Kindern so umgehen, dass sie damit groß werden können, ohne dass später etwas zurückgenommen werden muss. Wenn das gelingt, dann ist der Gottesdienst auch für Kinder und alle im Haus.

Mayer-Klaus: Wenn Kinder im Gottesdienst angesprochen und berührt sind, dann überträgt sich das auch auf die Eltern. Kindgemäß Gottesdienst zu feiern bedeutet nicht ‚kindisch oder niedlich‘ zu formulieren. Es geht um Elementarisierung, welche die Botschaft des Evangeliums verständlich und berührend vermittelt  und zwar so, dass alle Beteiligten – Kinder wie Erwachsene – danach froher und gestärkter in ihren Alltag gehen.

Frau Mayer-Klaus, wie sollte, kurz gesagt, ein optimaler Kindergottesdienst gestaltet sein?

Mayer-Klaus: Jeder Gottesdienst ist ein dialogisches Geschehen. Das Wesen jeder Feier ist die Begegnung zwischen Gott und den Menschen und der Menschen untereinander. In Beziehung kommen wir über unsere Sinne. Gut gestaltete Kindergottesdienste haben solche ganzheitlich-sinnorientierten Beziehungs- und Begegnungsaspekte im Blick und ermöglichen Räume, um anzukommen, um zur Ruhe zu kommen, um aufmerksam zu werden für Gottes Nähe und diese zu feiern im Singen, im Gebärdengebet, im Gestalten eines Bildes oder im Tanz. Von denen, die Gottesdienste gestalten, bedarf es einer hohen Sensibilität für die Themen der Mitfeiernden und der achtsamen Raumschaffung für Gottesbegegnung.

Es heißt ja, man solle ‚von den Kindern lernen‘ oder die Welt mit den Augen eines Kindes betrachten. Inwieweit passen solche Aufforderungen auch im Zusammenhang mit Kindergottesdiensten?

Mayer-Klaus: Kinder agieren spontan und unmittelbar. Sie lassen sich überraschen, unterbrechen und sind ganz Aug‘ und Ohr, ganz präsent für das, was ihnen begegnet. In dieser Offenheit lassen sie Dinge zu sich sprechen. Ich denke, genau das ist die Haltung, mit der wir dem Evangelium begegnen können: Präsenz und Offenheit für die Botschaft, die uns erreichen und verwandeln möchte.
Liturgie feiern bedeutet – nicht nur im Kindergottesdienst – Eröffnen von Spiel-Räumen, wo Menschen in eine Haltung von Achtsamsein, Staunenkönnen, Überraschtwerden kommen und darin etwas von Gottes Nähe und Entgegenkommen erfahren.

Oberthür: Tatsächlich können Kinder uns immer wieder Perspektiven schenken, die wir als Erwachsene nicht haben. Das kann auch im Kindergottesdienst spürbar werden. In meinem Religionsunterricht ist mir immer wichtig, die Kinder ernst zu nehmen, sie über ihre Grenzen hinaus zu fordern, sie dabei aber immer Vertrauen und Würde spüren zu lassen: Wem etwas zugetraut wird, traut sich was – wem etwas zugemutet wird, fühlt sich ermutigt und kann anderen Mut machen – wer nicht klein gehalten wird, kann als Mensch und im Glauben wachsen und groß werden. Das alles ist die beste Voraussetzung, dass auch wir mit und von den Kindern etwas dazulernen.

Frau Mayer-Klaus, wie läuft die Arbeit in den Gemeinden aus Ihrer Sicht, um das Angebot von Kindergottesdiensten zu begleiten und zu verstetigen?

Mayer-Klaus: Dort, wo Kinder- und Familiengottesdienstteams von Hauptberuflichen begleitet werden, wo Qualifizierung für die Ehrenamtlichen ermöglicht wird und wo sie Wertschätzung ihres Engagements erfahren, dort lassen sich viele Familien ansprechen, mitzufeiern oder sich gar zu engagieren.

Welche ganz konkrete Hilfestellung gibt es seitens des Rottenburger Instituts für Fort- und Weiterbildung im Zusammenhang mit Kindergottesdiensten an die Engagierten in der Diözese?

Mayer-Klaus: Wir bieten regelmäßig Basisqualifizierungskurse für Ehrenamtliche an, in denen sie die Grundlagen von Liturgie, Leseordnung, Umgang mit Bibeltexten und didaktischen Methoden der Umsetzung erlernen sowie Ideen und Werkzeuge für die Teamarbeit vor Ort bekommen. Zudem beraten wir Fortbildungsformate für die Seelsorgeeinheiten und Dekanate und vermitteln Referentinnen und Referenten zu Themen aus unserem abrufbaren Angebot. Der Kongress ist eine Möglichkeit, neue  Impulse, Austausch- und Begegnungsmöglichkeiten zu bieten und mit positiver Energie neu zu motivieren.

Herr Oberthür, Sie sind Dozent für Religionspädagogik im Katechetischen Institut des Bistums Aachen und Autor für ‚Bücher für Kinder und alle im Haus‘ zu biblischen, theologischen und philosophischen Themen. Was ist der Schwerpunkt Ihrer Arbeit?

Oberthür: Seit 30 Jahren richte ich meine Aufmerksamkeit auf das religiöse Erfahren und Lernen vor allem im Religionsunterricht. Dabei steht immer die Wahrnehmung der großen Fragen im Mittelpunkt, die bereits Kinder stellen: Wer bin ich und woher kommt die Welt? Warum lebe ich und was ist der Sinn? Warum müssen wir sterben und was kommt danach? In all diesen Fragen stellen sie auch die Frage nach Gott und haben ihre eigene Weise, Gott zu denken und auf die Spur zu kommen. Sie bringen selbst schon ihre ‚Theologie‘ mit, brauchen aber von uns eine Theologie für Kinder in einfachen Worten. So entsteht eine Theologie mit Kindern.

Gregor Moser - 16.04.2019

Personen

Ulrike Mayer-Klaus ist seit 2003 am Institut für Fort- und Weiterbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart tätig. Dort arbeitet sie als Referentin für Liturgie mit Kindern und Familienpastoral.  Sie ist verheiratet und Mutter von drei Söhnen. Die Familie lebt in Rottenburg.

Rainer Oberthür, geboren 1961, lebt mit seiner Frau in Aachen und hat zwei erwachsene Kinder. Er ist Dozent für Religionspädagogik, stellvertretender Leiter des Katechetischen Instituts des Bistums Aachen sowie Grundschullehrer und Autor.