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Kleiderverwertung

Erlös für Bedürftige weltweit

Aktion Hoffnung verwertet gebrauchte Kleidung

Anton Vaas

Nicht alles, was ausgedient hat, muss in die Mülltonne. Die Aktion Hoffnung sammelt seit 1964 gebrauchte Kleider und fördert damit soziale Projekte. Geschäftsführer Anton Vaas erzählt im Interview, was „Kleidung teilen“ im Sinne des Diözesanpatrons Martinus für den Verein bedeutet.

Herr Vaas, was ist der Unterschied zwischen der Aktion Hoffnung und den Eimern anderer Organisationen, die immer wieder vor der Haustüre stehen?

Anton Vaas: Die Erlöse der Sammlungen der Aktion Hoffnung machen nicht einzelne Personen reicher, sondern kommen Projekten unserer katholischen Mitgliedsverbände und Kirchengemeinden zugute. Außerdem lassen wir die Kleiderspenden ausschließlich von einem Betrieb bei Riedlingen sortieren, der nach den Kriterien von FairWertung arbeitet. Der weitere Handel erfolgt nach höchsten entwicklungspolitischen, ökologischen und ethischen Kriterien. Es werden also nicht einfach die besten Kleidungsstücke herausgezogen, verkauft und die restlichen Spenden weggeworfen, so wie dies bei den Eimern oder illegal aufgestellten Containern sein kann.

Wo aber landen dann die noch tragbaren Kleidungsstücke und was passiert mit den unbrauchbaren Exemplaren?

Vaas: Sämtliche noch tragbare Kleidung wird zu einem kleinen Teil an Secondhand-Shops in Deutschland weiterverkauft, zum anderen an Abnehmer in anderen Ländern. Was nicht mehr den Qualitätsstandards für Gebrauchtkleidung entspricht, wird zu Dämmstoffen für die Automobilindustrie oder etwa für Malervliese weiterverarbeitet. Das ist alleine schon unter ökologischen Gesichtspunkten richtig und wichtig. Ein kleiner Teil muss schließlich als Restmüll fachgerecht entsorgt werden. Eine Besonderheit ist die Sammelzentrale der Aktion Hoffnung in Laupheim. Dort wird ein Teil der Kleidung von Ehrenamtlichen sortiert und anschließend an Caritas-Partner in Südamerika und Asien versendet, wo sie Bedürftigen zur Verfügung steht.

Kritiker werfen dem Secondhand-Kleiderhandel vor, dass er den Aufbau von Textilproduktion in ärmeren Ländern behindere. Wie sehen Sie das?

Vaas: Aus unserer Sicht ist der Hauptgegner der einheimischen Textil-Produktion schon lange der Import von billigster Neuware aus Asien. Dagegen gibt es in vielen Ländern Afrikas arbeitsintensive Berufszweige, in denen gebrauchte Kleidung aus Europa an die Bedürfnisse des jeweils lokalen Marktes angepasst wird. Zum Beispiel tragen Frauen in vielen Ländern Afrikas keine Hosen. Damen-Hosen werden deshalb zu Röcken umgeschneidert, damit sie verkauft werden können. Dadurch werden dort neue Arbeitsplätze geschaffen. Wir verfolgen die möglichen Auswirkungen unserer Arbeit in den einzelnen Ländern sehr genau – auch mit Unterstützung unseres Dachverbandes FairWertung.

Sie sagten, dass der Erlös der Aktion Hoffnung an die Mitgliedsverbände und Kirchengemeinden geht. Wofür verwenden diese das Geld?

Vaas: Vor allem für entwicklungsbezogene Projekte. So konnten wir in den vergangenen Jahren beispielsweise  ein Friedenscamp von Pax Christi in Palästina, ein Genossenschaftsprojekt des KDFB für Frauen in Ghana oder landwirtschaftliche Entwicklungsprojekte der KAB in Uganda unterstützten. Wir bezuschussen aber auch Bildungsprojekte hierzulande, wie zum Beispiel das Projekt WELTfairÄNDERER des BDKJ oder die Vorbereitung eines Jugendaustausches der Kolpingjugend nach Paraguay. Allein 2014 konnten wir den Verbänden und Gemeinden über 700.000 Euro für ihre Arbeit zur Verfügung stellen.

Was hat Sie denn persönlich motiviert, die Sammelaktion für Flüchtlinge im Rahmen der Themenwoche auf die Beine zu stellen?

Vaas: Ab Mitte des Jahres haben uns immer wieder Hinweise von Flüchtlingsinitiativen und Verbänden wie der Caritas erreicht, dass die Landeserstaufnahmestellen für Flüchtlinge zwar viele Kleiderspenden bekommen, aber immer wieder Engpässe auftreten. Es fehlt zum Beispiel oft an Männerkleidung in kleineren und mittleren Größen. Dieser Mangel wird aufgrund des bevorstehenden Winters ein immer drängenderes Problem. Ich weiß von Flüchtlingen, die nach wie vor mit Sandalen unterwegs sein müssen. Deshalb rufen wir zu einer gezielten Spendenaktion für solche Artikel auf, damit wir diese Lücken schließen können.

Markus Waggershauser - 10.11.2015

Person

Anton Vaas arbeitet seit 2010 als Geschäftsführer der Aktion Hoffnung Rottenburg-Stuttgart e.V. sowie der Arbeitsgemeinschaft katholischer Organisationen und Verbände (ako). Der 31-jährige Politikwissenschaftler und Betriebswirt ist verheiratet und hat eine Tochter.