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Maria Magdalena

Apostelin - Sünderin - Geliebte?

Maria Magdalena lässt Filmemachern Raum für Fantasie

Barbara Janz-Spaeth

In bisherigen Bibelstreifen in die Nebenrolle gedrängt als Sünderin oder Geliebte Jesu, zeigt der neue Kinofilm "Maria Magdalena" von Garth Davis das Geschehen aus ihrer Perspektive. Barbara Janz-Spaeth, Referentin für Bibelpastoral und Biblische Bildung, beleuchtet im Interview die Hauptperson.

Frau Janz-Spaeth, gehen Sie gerne ins Kino? Welche Filme schauen Sie sich an?

Barbara Janz-Spaeth: Ja, leider viel zu selten. Wenn, dann gehe ich ins Programmkino. Ich schaue gerne problematisierende Filme oder Filme mit Menschen aus anderen Ländern. Ich liebe beispielsweise persische Filmemacher.

Maria Magdalena ist zwar keine Perserin, aber sie lebte im Orient. Welchen Stoff bietet diese Frau für die Kinoleinwand?

Janz-Spaeth: Aus der Bibel wissen wir über Maria Magdalena nur, dass sie unter dem Kreuz Jesu stand. Das schreiben alle vier Evangelisten. Dann war sie am Grab und ist Zeugin der Auferstehung. Darüber hinaus beschreibt Lukas, dass sie durch Jesus von sieben Dämonen befreit wurde und mit ihm und den Jüngern unterwegs war. Weil wir so wenig über sie wissen, ist für die Filmemacher viel Fantasie möglich.

Aus älteren Bibelverfilmungen kennen wir Maria Magdalena in der Rolle der Sünderin. Wird das der biblischen Person gerecht oder ist das Klischee?

Janz-Spaeth: Es ist Klischee. Es gab im 4. Jahrhundert eine Dirne Maria aus Ägypten, die in der Wüste 47 Jahre Buße tat. Da im Lukasevangelium die Geschichte von der Sünderin, die Jesus im Haus des Simon salbte, direkt vor der Erwähnung Maria Magdalenas im Gefolge Jesu steht, hat die Tradition die drei Personen vermischt und Maria Magdalena zur Sünderin gemacht.

Andere zeigen sie als Geliebte Jesu ...

Janz-Spaeth: Das geht auf einen Trostbrief von Gregor dem Großen im 6. Jahrhundert zurück. Er stellt Maria Magdalena als Frau dar, die von ihren Sünden befreit wurde, weil sie Jesus liebte und von ihm geliebt wurde. Die Rolle als Geliebte Jesu haben aber erst Filme und Musicals im letzten Jahrhundert ausgeschmückt.

Mit welchen Methoden finden Theologen solche Thesen und Fakten über eine biblische Person heraus?

Janz-Spaeth: In diesem Fall waren es vor allem Theologinnen. Es geht darum, den Bibeltext freizulegen aus den Traditionen, die sich darübergelagert haben. Dann arbeitet die Bibelauslegung inzwischen auch sozialgeschichtlich. Bei Lukas steht, dass Maria Magdalena und andere Frauen Jesus mit dem dienten, was sie besaßen. Die Frauen waren offensichtlich reich und unabhängig unterwegs. Das zeigt auch der Name 'Maria von Magdala', ein Ortsname. Sie wird nicht als Frau oder Tochter eines bekannten Mannes bezeichnet. Mehr können wir nicht belegen.

Eine selbstständige Frau in der Nachfolge Jesu - bietet Maria Magdalena Zündstoff für die Diskussion über die Rolle der Frau in der Kirche?

Janz-Spaeth: Sie ist Beispiel dafür, wie über Jahrhunderte die Frau als Person überhaupt nicht zur Kenntnis genommen, sondern mit Bildern überlagert wurde. Auch in der Kunst stand immer die Sünderin im Vordergrund. Sie ist die Untergeordnete, die auf Barmherzigkeit Angewiesene. Damit bedient sie eine Rolle, die Frauen in der Kirche heute immer noch gerne zugeschoben wird. Das ist einfacher als eine selbstbewusste Glaubenszeugin. Aber die Frauen wehren sich.

Papst Franziskus hat Maria Magdalena vor zwei Jahren liturgisch dem Petrus und den anderen Aposteln gleichgestellt. Hat das die Diskussion vorangebracht?

Janz-Spaeth: Der Papst weist darauf hin, dass sie Apostelin ist. Sie ist Bewahrerin der Glaubenstradition von Jesu Tod und Auferstehung. Sie war es auch, die den Jüngern die Auferstehung verkündet hat. Der Papst wollte, dass sie zum Vorbild für Frauen in der Kirche wird. Diese Ermutigung nehme ich ernst. Wir Frauen verkünden und bezeugen den Glauben, wir stehen für ihn ein in Freiheit und selbst getroffener Entschiedenheit. Dass Frauen auch entsprechende Ämter übernehmen und nicht zurückgestellt werden, davon sind wir aber noch weit entfernt. Ich hoffe, dass da etwas vorwärtsgeht.

Würden Sie auf diesem Hintergrund sagen, dass Maria Magdalena ihnen persönlich sympathisch ist?

Janz-Spaeth: Ich finde sie ist eine der prägendsten Frauenfiguren des Neuen Testaments. Mich beschäftigt zum einen die Szene im Lukasevangelium, dass sie von Dämonen befreit wurde. Das setze ich in Verbindung mit der Osterzeugin. Wozu befreit die Nähe zu Jesus Christus? Der Geist von Jesu Botschaft bewegt mich und macht mich frei, macht mich zur Zeugin. Zum anderen fasziniert mich, dass sie unter dem Kreuz stehenbleibt. Das erfordert Mut und war gefährlich. Alle anderen sind abgehauen. Das ist für mich ein Vorbild, meiner Überzeugung treu zu bleiben.

Maria Magdalena kommt jetzt ins Kino. Schauen Sie sich den Film an?

Janz-Spaeth: Ich nehme es mir vor. Jetzt bin ich schon sehr neugierig darauf.

Markus Waggershauser - 12.03.2018

Person

Barbara Janz-Spaeth ist seit 2013 Referentin für Bibelpastoral und Biblische Bildung in der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft des Bischöflichen Ordinariats. Die 58-Jährige vertritt in dieser Funktion die Diözese Rottenburg-Stuttgart beim Katholischen Bibelwerk e.V. In Arbeitshilfen, Kursen und Konzepten will die Pastoralreferentin die Bibel ins Leben der Menschen bringen. Barbara Janz-Spaeth ist verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Söhnen engagiert sich auch für eine genderbewusste Theologie.