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Kreuzweg in absoluter Reduktion

Die Künstlerin Michaela A. Fischer zeigt ihre Arbeiten zum Thema „Kreuzweg“ im Diözesanmuseum Rottenburg

Michaela A. Fischer beim Aufbau der Ausstellung "Via Crucis" im Diözesanmuseum Rottenburg.

Unter dem Titel „Via Crucis“ zeigt die Künstlerin Michaela A. Fischer kurz vor Beginn der Fastenzeit einen Kreuzweg im Diözesanmuseum Rottenburg. Zu sehen ist die Ausstellung bis Mittwoch, 27. Februar 2019. Im Gespräch beschreibt die Künstlerin ihre Arbeits- und Sichtweise auf das Thema des Kreuzweges.

Frau Fischer, Kreuzwege sind eine Reihe von Bildern, die den Leidensweg Jesu, seine Kreuzigung, Grablegung und seine Auferstehung darstellen. Was war der Anlass für Sie, diesen Kreuzweg zu gestalten?

Michaela A. Fischer: Ich wurde aufgefordert, an einem „begrenzten Wettbewerb“ teilzunehmen, wie es in der Fachsprache heißt. Wir waren damals fünf Teilnehmer, wenn ich mich richtig erinnere. Nach der Fertigstellung der Innenraumsanierung hat sich die Gemeinde der Taborkirche in Freudenstadt dann für meinen Entwurf entschieden. Der Kreuzweg ist mir vom Motiv her ein großes Anliegen. Es ist der zweite Kreuzweg, den ich gestalten darf.

Als Bildhauerin gestalten Sie plastisch-dreidimensional. Kreuzwege sind aber meist zweidimensionale Werke. Wie sind Sie vor diesem Hintergrund an den Kreuzweg herangegangen?

Fischer: Ich habe mich entschlossen, zweidimensional zu arbeiten, weil das zur Taborkirche passt. Durch den strukturellen Aufbau der Tafeln konnte ich aber die bildhauerischen Elemente nicht ganz verleugnen. Ich habe die Tafeln reliefartig angelegt. Die Wahl des Materials hierfür hängt mit der Aussage des Kreuzweges zusammen. Ich habe die Verletzungen darstellen wollen und suchte nach einem Werkstoff, der diese Verletzungen und das Verletzbare am besten transportieren kann. So habe ich mich für Mull- und Gipsbinden entschieden.

Ein Kreuzweg ist Kunstwerk und religiös-spirituelle Übung zugleich. Wie haben Sie das umgesetzt?

Fischer: Ich habe damals gegenüber der Gemeinde gesagt, dass ich den Kreuzweg für den Betrachter so schaffen möchte, dass dieser sich die einzelnen Stationen selbst erarbeitet. Ich vermeide schrille Farben oder Gesten. So ist der Kreuzweg eine Meditationsgeschichte und kein schriller Leidensweg, der sich dem Betrachter aufdrängt.

Welchen Einfluss hatte der Bestimmungsort, die Taborkirche, auf die Gestaltung des Kreuzweges?

Fischer: Der Innenraum der Taborkirche ist ganz wunderbar saniert worden. Die Kirche hat einen eigenen Baustil. Der Kreuzweg soll sich in das Innere einfügen und dennoch eine autarke Situation einnehmen. Der neue Kirchenraum besticht durch klare farbliche Kompositionen und reduzierte Örtlichkeiten. Das kommt meiner Arbeit sehr entgegen. Ich bin jemand, der versucht, auf den Kern zu kommen. Unter diesem Gesichtspunkt war von vornherein klar, wie ich den Kreuzweg anlegen würde, nämlich in der absoluten Reduktion.

Jochen Wiedemann - 07.02.2019

Person

Michaela A. Fischer studierte nach der Ausbildung zur Holzbildhauerin Kunstgeschichte und Kunstpädagogik an der Kunstakademie in Stuttgart und der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. An der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg war sie als Dozentin tätig. Seit 2018 ist sie zweite Stellvertreterin der Vorsitzenden des Kunstvereins der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Zudem ist sie Mitglied in der Kunstkommission für sakrale Kunst der Diözese. 2013 wurde die Bildhauerin und Malerin für den Kunstpreis des Landes vorgeschlagen. Sie lebt in Ilsfeld-Auenstein und arbeitet seit 1986 als freischaffende Künstlerin.