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Sakramentenkatechese

Eltern, Kirche und die Taufe

Sakramentenkatechese als gemeinsamer Weg

Mali Gögler (links) und Andrea Stoppel (rechts)

In der Urkirche erhielten Erwachsene Taufe, Firmung und Eucharistie zusammen in der Osternacht und trugen bis zum ‚Weißen Sonntag‘ das Taufgewand. Heute sind diese Sakramente meist zeitlich getrennt. Mali Gögler und Andrea Stoppel erzählen, wie sie Eltern auf die Taufe ihrer Kinder vorbereiten.

Frau Gögler, dass sich Gemeindemitglieder in der Erstkommunion- und Firmkatechese engagieren, ist fast überall so. Seit über 30 Jahren gibt es in der Diözese, seit 20 Jahren auch in Baienfurt bei Ravensburg die Taufkatechese in Elterngruppen. Wie bereiten Sie Eltern auf die Taufe ihrer Kinder vor?

Mali Gögler: Wenn die Eltern ihr Kind zur Taufe anmelden, bekommen sie Termine für zwei Abende zur Taufvorbereitung und für die Taufe selbst genannt. Wir machen die Vorbereitung zu zweit immer mit zwei bis drei Familien. Am ersten Abend schauen wir, dass wir die Eltern abholen, wo sie sind. Die Frage ist: Warum möchte ich, dass mein Kind getauft ist? Da erzähle ich auch, was meine eigene Taufe mit mir in meinem Leben gemacht hat. Wir machen dann je nach Jahreszeit eines der Taufsymbole spürbar und erlebbar: Kreuz, Kleid, Wasser oder Salbung.

Sie, Frau Stoppel, sind ebenfalls im Baienfurter Team für Taufkatechese. Was erwartet die Eltern am zweiten Abend?

Andrea Stoppel: Da erschließen wir die übrigen Taufsymbole. Dann werden Lieder und die Lesungen ausgesucht, sowie Texte und Meditationen besprochen, mit denen die Eltern die Taufe gestalten können.

Und der Taufspender?

Stoppel: Den Ablauf der Taufe bekommt er von uns. Er meldet sich dann ein paar Tage vorher bei der Familie und macht einen Hausbesuch.

Was hat Sie vor zwei Jahrzehnten dazu gebracht, diesen Weg der Taufvorbereitung zu gehen?

Gögler: Wir bekamen damals mit Josef Mendel einen Pfarrer, der viele Menschen in der Gemeinde motiviert hat, aufzuwachen und mitzumachen. Birgit Walser hatte das Manuskript als Loseblattsammlung, aus dem das Buch von Claudia Hofrichter entstanden ist: ‚Wir möchten, dass unser Kind getauft wird‘. Wir haben dann den Grundkurs bei Claudia Hofrichter besucht und losgelegt.

Wie haben die Eltern darauf reagiert?

Gögler: Am Anfang waren sie skeptisch: Muss denn das sein? Das hat es doch bisher auch nicht gebraucht. Wir haben die Sekretärinnen im Pfarrbüro animiert, dass sie es positiv rüberbringen. Mir ist dann aber aufgefallen, dass viele Leute in diesem Kreis der Laien ganz offen gesprochen haben ohne sich zu genieren. Sie haben gespürt, dass wir nicht die Lehrenden sind, sondern einfach begleiten.

Bekommen andere etwas von Ihrem Engagement mit?

Gögler: Wir haben Veröffentlichungen gemacht im ‚Blättle‘. In der Firmvorbereitung gestalten wir einen Workshop ‚Symbolik‘. Inzwischen gibt es die Taufkatechese in Elterngruppen in der ganzen Seelsorgeeinheit, also auch in Baindt. Und wir haben das Konzept weitergegeben an Gemeinden in Ravensburg und Balingen.

Stoppel: Nach unserem Bericht über eine Fortbildung im Gemeindeblatt bin ich darauf angesprochen worden: Ach, du bist auch dabei. Die Leute schätzen es, dass wir uns zwei Abende Zeit nehmen für die Familien.

Wie war das für Sie damals, als Sie die Taufkatechese bei Ihrem ersten Kind selbst kennengelernt haben?

Stoppel: Beim ersten Kind ist man eh aufgeregt. Da war das eine nette Runde mit erfahrenen Leuten, die einen an der Hand genommen haben. Außerdem wollte ich auch wissen, was die Symbole für eine Bedeutung haben, was es heißt, wenn unser Kind mit Chrisam gesalbt wird. Es war einfach schön, vorbereitet in die Taufe zu gehen.

Gibt es noch Kontakte zu den Familien nach der Taufe?

Gögler: Alle zwei Jahre schreiben wir die Tauffamilien dieser Zeit an und laden zu einem Tauferinnerungsfest ein. Wir beginnen mit einem festlichen Frühstück und einem Morgenkreis und gehen dann in den Sonntagsgottesdienst. Dieser hat ein Thema aus der Taufliturgie.

Stoppel: Dieses Jahr am 29. April lautet es ‚In Gottes Händen geborgen‘. Es gibt junge Mamas, die nach der Taufvorbereitung sagen: Ich habe Lust, bei der ‚Kleinen Kirche‘, den Krabbelgottesdiensten mitzumachen. Andere kommen dann einfach zu diesen Gottesdiensten dazu und finden so einen Weg in die Kirchengemeinde.

Haben Sie Tipps für Gemeinden, die mit der Taufkatechese in Elterngruppen neu starten möchten?

Stoppel: Erfahrungen einholen, etwas dazu lesen – und dann einfach anfangen und ausprobieren.

Gögler: Wir empfehlen natürlich die Grundausbildung von Claudia Hofrichter im Institut für Fort- und Weiterbildung.

Interview: Markus Waggershauser - 13.04.2012

Person

Amalie „Mali“ Gögler ist 71 Jahre alt und gelernte Kindergärtnerin. 1992/1993 bereitete sie mit anderen die ersten Familien in Baienfurt auf die Taufe vor, was ihr bis heute Freude macht. Das Mitglied des Frauenbunds gestaltet in der Kirchengemeinde unter anderem Abschiedsandachten für Verstorbene und war zuletzt außerkirchlich Betreuerin im Rahmen der verlässlichen Grundschule.

Andrea Stoppel ist seit fünf Jahren im Team der Taufkatechese. Die 37-jährige Mutter dreier Kinder zwischen zwei und acht Jahren war vor der Elternzeit Kindergartenleiterin und engagiert sich auch im Krabbelgottesdienst ‚Kleine Kirche‘ und bei Kinderbibeltagen.