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Den Geh-hin-Auftrag der Kirche verwirklichen

Religionslehrerinnen als Schulseelsorgerinnen

Beate Moeßner (li.) und Karin Walter

Spiritualität als Kraftquelle und Halt in Krisensituationen. Die Kirche ist im Lebensraum Schule auch über den Religionsunterricht hinaus eine gefragte Partnerin. Beate Moeßner und Karin Walter sowie weitere qualifizierte Religionslehrkräfte werden am 25. September erstmals in der Diözese als Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorger beauftragt.

Frau Moeßner und Frau Walter, was verbirgt sich für Sie hinter dem Begriff "Schulpastoral"?

Beate Moeßner: Schulpastoral umfasst alle Angebote in der Schule, die über den Religionsunterricht hinaus Erlebnisse und Erfahrungen mit dem Glauben und der Kirche schaffen und die der Schule eine „Seele“ geben.

Karin Walter: Es ist ein Dienst von Christen an allen Menschen am Lebensort Schule. Schulpastoral leistet einen wertvollen Beitrag dazu, das Schulleben menschenfreundlich mitzugestalten. Wichtig ist der Blick darauf, was den Menschen an der Schule gut tut, was sie brauchen.

Was motiviert Sie persönlich sich in diesem Bereich zu engagieren?

Moeßner: Für mich ist es als Religionslehrerin wichtig, meinen Glauben nicht nur im Unterricht, sondern im gesamten Schulalltag weiterzugeben. Ich möchte, dass alle am Schulleben Beteiligten mit ihren Hoffnungen, Wünschen und ihrem Glauben wahrgenommen werden.

Walter: Gerade in Krisensituationen ist es wichtig, Halt und Orientierung zu geben, Sinnhorizonte aufzuzeigen, in schwierigen Lebensphasen zu begleiten. Es soll spürbar werden, dass Gott auch an dieser Schule da ist.

Welche Reaktion auf Ihr Angebot bekommen Sie an Ihrer Schule?

Walter: Ich werde - mehr als sich viele wahrscheinlich vorstellen können - sowohl von Schülern als auch von Lehrern und hin und wieder auch von Eltern angefragt. Ich habe den Eindruck, dass die meisten froh sind, dass es so etwas wie Schulpastoral gibt. Ablehnung habe ich bisher nicht erfahren.

Moeßner: Ich erlebe auch immer wieder positive Reaktionen auf meine Angebote und wünsche mir ein Team, mit dem ich gemeinsam auf diesem Weg weitergehen kann.

In welchen Arbeitsfeldern sind Schulseelsorgerinnen und Schulseelsorger zurzeit am meisten gefragt?

Moeßner: Es gibt bei Kindern und Jugendlichen immer weniger Verbindungen zur Kirchengemeinde und kaum Erfahrungen mit religiös-spirituellen Inhalten. Hier braucht es Vernetzungen und gemeinsame Angebote. Außerdem sind die interreligiösen Kontakte und daraus wachsenden Wertschätzungen anderer Kulturen und Religionen ein aktuelles Thema, das auch im Blick auf die Flüchtlingssituation unbedingt vertieft werden sollte.

Walter: Nachdem viele Schulen zum Ganztagesbetrieb wurden, sind Ruheangebote gefragt. Ebenso wichtig ist der Bereich Trauerarbeit und Begleitung von Trauernden an der Schule.

In den letzten Jahren hat sich im Miteinander von Schule und Kirche einiges verändert. Welche Chancen sehen Sie für die Zukunft?

Walter: Ein Netzwerk von Kirchengemeinden, Jugendarbeit und Schulen hat Vorteile für alle Beteiligten. Die Schule wird in ihrem Erziehungsauftrag von kirchlichen Angeboten unterstützt und die Kirche, die ja eine frohe Botschaft und aus dieser heraus gute Angebote hat, kommt auf diese Weise mit Menschen in Kontakt, die ihren Alltag eher kirchenfern leben.

Moeßner: Ich denke, dass Kirche im Lebensraum Schule die Chance hat, positiv wahrgenommen zu werden. Wenn Schule immer mehr Zeit im Alltag der Schüler einnimmt, dann kann Kirche hier ihren  Geh-hin-Auftrag verwirklichen und Schüler dort „abholen“, wo sie gerade stehen.

Markus Waggershauser - 24.09.2015

Personen

Beate Moeßner unterrichtet an der Schönbuchschule Leinfelden-Echterdingen. In dieser Grundschule gestaltet die 48-jährige Lehrerin unter anderem Schülergottesdienste, organisiert internationale und interreligiöse Begegnungen und engagiert sich in der Ökumene.

Karin Walter ist als Religionslehrerin und Schulseelsorgerin am Pestalozzi-Gymnasium in Biberach tätig. Die 54-jährige Diplomtheologin koordiniert als Dekanatsbeauftragte auch die Zusammenarbeit von Kirche und Schule im ganzen Dekanat Biberach.