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Selige Ulrika Nisch

"Kein Maß kennt die Liebe"

Selige Ulrika Nisch starb vor 100 Jahren

Pater Alfred Tönnis vor dem Bild der Seligen Ulrika

Franziska hatte keine einfache Kindheit. Aufgewachsen in Mittelbiberach und Unterstadion trat sie als Schwester Ulrika nach einer schweren Krankheit bei den Kreuzschwestern in Hegne am Bodensee ein, wo sie am 8. Mai 1913 an Tuberkulose starb. In der Diözese wird die Selige bis heute verehrt.

Herr Pater Tönnis, die Wurzeln der Seligen Ulrika Nisch liegen im oberschwäbischen Mittelbiberach. Wie haben diese Wurzeln ihr Leben geprägt?

Pater Alfred Tönnis: Oberschwaben ist sehr traditionsverbunden. Frömmigkeit hat dort einen hohen Stellenwert gehabt. So hat sie diese oberschwäbische Frömmigkeit mit ihren Regeln kennengelernt. Die Eltern waren nicht verheiratet. „Nicht – Ehelichkeit“ war damals ein großer Makel – mehr noch als heute. Sie hat viel Liebe gespürt – aber auch Härte. Diese Wurzeln haben sie geprägt. 

Schwester Ulrika starb im Alter von 31 Jahren. Was zeichnet ihr kurzes Leben als Selige aus?

Tönnis: Sie hatte keine Angst vor dem Kreuz. Das Kreuz war ihr ein Partner, den gekreuzigten Jesus sieht sie als Bräutigam. Immer wieder hat sie die Liebe als Kraftquelle zum „Kreuz tragen“ gesehen. „Kein Maß kennt die Liebe“ ist einer ihrer Gedankengänge. Ihre Gottesverbundenheit in allen Zeiten ihres Lebens – auch in der Zeit der Gottesferne – zeichnet sie aus. Zweifel trennen nicht von Gott, sie können noch zu einer viel größeren Nähe zu Gott führen. Das Leben dieser Liebe zu Jesus zeichnet sie aus. Sie hatte ihre Heimat bei Gott und hat dadurch in ihrer Liebe Menschen Heimat gegeben.

Was fasziniert Sie selbst an dieser Frau? Können Menschen heute etwas von ihr lernen?

Tönnis: Mich fasziniert die enorme Energie dieser Frau, die physisch–psychische Leidenserfahrung von ihr und das nicht „Stehenbleiben“ in einer Erfahrungswelt, sondern das in ihr Leben eingebettete Liebeszeugnis zu den Menschen und dadurch zu Jesus. Das können Menschen heute von ihr lernen – zumindest ermutigend wahrnehmen.

Die Ulrika-Nisch-Stiftung beruft sich auf die Selige. Worin sieht sie ihre Aufgabe?

Tönnis: In ihrem Geburtshaus haben wir eine Einrichtung aufgebaut, die jungen Müttern in Not helfen soll, eine Entscheidung in der Schwangerschaft zu treffen und die nötige Zeit und Hilfe dabei zu haben – auch in der Zeit nach der Geburt. Wir wollen Müttern in Not helfen – gerade auch weil die Geburtsumstände der Seligen Ulrika auch nicht als einfach zu benennen sind. Die Erfolgsgeschichte macht uns froh, aber auch traurig. 

Wie begehen die Menschen in Ulrika Nischs Heimat ihren Todestag 100 Jahre danach? 

Tönnis: Wir feiern ihren Todestag an allen Orten, an denen sie war, mit Gottesdiensten, Vorträgen über ihr Leben und ihre Spiritualität und in Gebeten. Zum zentralen Pontifikalhochamt mit Erzbischof Zollitsch fahren wir mit einem großen Bus aus der Seelsorgeeinheit Ulrika Nisch, aus der Seelsorgeeinheit Schemmerhofen, wo sie als eine der fünf Seligen und Heiligen in der Schwabenkapelle verehrt wird, und ihrem Geburtsort Mittelbiberach nach Hegne. Es ist ein Tag der Gnade.

Interview: Markus Waggershauser - 07.05.2013

Person

Pater Alfred Tönnis ist Rektor des Oblatenklosters und Pfarrer der Seelsorgeeinheit Schemmerhofen im Dekanat Biberach. Gemeinsam mit Dr. Peter Lämmle und Dieter Schwab leitet er als Vorstand die Stiftung „Ulrika Nisch“.