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"Fürsprecher für Taubblinde"

Seelsorger moderiert Tagung in Stuttgart

Diakon Peter Hepp

Peter Hepp war taub und wurde blind, nachdem er am „USHER-Syndrom 1“ erkrankt war. 2003 zum Diakon geweiht kümmert er sich um Menschen in der Diözese, die von der doppelten Sinnesbehinderung von Ohren und Augen in Kombination betroffen sind, und deren Angehörige.

Herr Hepp, Sie sind dieses Jahr Gastgeber der Landestagung der Arbeitsgemeinschaft Taubblindheit / Hörsehbehinderung in Baden-Württemberg. Welche Themen beschäftigen die Betroffenen derzeit?

Peter Hepp: Aktuelles Hauptthema ist die offizielle, also rechtliche, Anerkennung der Taubblindheit als Behinderung eigener Art. Darüber wird der Bundesrat im September entscheiden. Derzeitig werden wir taubblinde Menschen juristisch immer noch als blinde und gehörlose Menschen bezeichnet, was dieser Behinderung nur in Ansätzen entspricht. Deshalb fordern wir Veränderungen im Schwerbehindertengesetz unter Berücksichtigung dieses Aspektes und als Konsequenz daraus einen Eintrag des Merkzeichens „TBL“ für Taubblindheit im Schwerbehindertenausweis. Denn nur dadurch können dann richtige, spezielle und professionelle Unterstützungsmaßnamen gewährleitet werden. 

Welche Aspekte können Sie als Seelsorger in die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) einbringen?

Hepp: "Über uns nicht ohne uns", dieser Spruch, der wahrscheinlich vom Präsidenten des Weltverbandes der Taubblinden stammt, ist der rote Faden meiner Arbeit, die behindertenpolitisch als Partizipation bezeichnet werden kann.  Es gibt zwar bereits Selbsthilfeorganisationen, aber sie sind derzeit noch nicht in der Lage echte behindertenpolitische beziehungsweise professionelle Kooperation mit anderen durchzuführen. Hierfür gelte ich dort als „Fürsprecher“ für Taubblinde. Mein persönlicher Aspekt dort lautet eigentlich: Soziale Gerechtigkeit bei Taubblindheit. 

Wie erreichen Sie auf dieser Tagung am 19. Juni eine möglichst gute Kommunikation untereinander?

Hepp: "Inklusion pur" könnte die Überschrift des Berichtes über diese Landestagung lauten. Denn nicht nur ich, sondern mehrere hörsehbehinderte und taubblinde Menschen, und natürlich auch andere Behinderte wie Blinde und Gehörlose können mit professioneller Unterstützung richtig gleichberechtigt daran teilnehmen. Dank meiner zwei Arbeitsassistentinnen kann ich dort als Moderator fungieren. Neben Betreuungs- und Assistenzkräften sind auch Gebärdensprach- und Schriftdolmetscherinnen sowie technische Hilfsmittel im Einsatz. Ohne diese aufwendigen Dienste wäre Inklusion nicht möglich.

Hat sich die Situation der Menschen mit Taubblindheit und Hörsehbehinderung seit Gründung der LAG bereits verändert?

Hepp: Ja, es hat sich einiges verändert. Allerdings würde der Begriff „Entwicklung“ besser passen. Unter vielem ist die Bewusstseinsbildung der Aspekt, der sich am stärksten entwickelt hat. Betroffene erlangen mehr Selbstbewusstsein, Fachkräfte professionalisieren sich, Bürgern und Politikern wird zunehmend bewusst, dass Taubblinde mitten unter ihnen leben. Dies ist eine erfreuliche Entwicklung. 

Welche Wünsche haben Sie an Mitchristinnen und Mitchristen, die nicht von dieser Behinderung betroffen sind?

Hepp: Zunächst ein spiritueller Wunsch: Gegenseitiges Zutrauen. Wie unser Bischof Gebhard Fürst mir zutraut, die Taubblindenseelsorge und das Diakonat zu vollziehen, so mögen auch die Mitchristen uns zutrauen, dass wir unseren Glauben trotz unseres Andersseins leben. Das wäre eine gegenseitige Bereicherung. Ich habe auch konkrete Wünsche. Die Taubblindenseelsorge ist - vergleichbar mit der  Intensivmedizin - dringend notwendig und dabei enorm zeitlich und personell aufwendig. Daher sind wir auf Unterstützung in unterschiedlicher - auch finanzieller - Form angewiesen. Außerdem suchen wir eine geeignete Räumlichkeit im Großraum Stuttgart, die wir langfristig für religiöse, liturgische und kulturelle Zwecke nutzen können. 

Interview: Markus Waggershauser - 18.06.2013

Person

Peter Hepp ist 51 Jahre alt und verheiratet. Der Vater von zwei Kindern arbeitet seit 2000 als Seelsorger für Menschen mit Hörsehbehinderung/Taubblindheit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit Dienstsitz in Rottweil. 2003 zum Diakon geweiht ist der selbst taubblinde Hepp neben den Betroffenen auch für Menschen zuständig, die durch diese Behinderung „mitbetroffen sind“, also Angehörige und Freude. Fachpersonen, die in diesem Bereich tätig sind, steht er ebenfalls mit Rat und Tat zur Verfügung.