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Weltkirchlicher Friedensdienst

"Einen toleranteren, demütigeren Blick auf die Welt"

Weltkirchlicher Friedensdienst hat Folgen

Julian Gräfe

Junge Menschen brechen auf in ferne Länder und landen plötzlich in einer fremden Kultur. Sind sie dann nicht nur als Touristen unterwegs, sondern engagieren sich in sozialen Projekten, ändert diese Herausforderung oft ihre Weltsicht. Der Journalist Julian Gräfe teilt im Interview seinen Blickwechsel durch Mexiko.

Herr Gräfe, Sie waren 18 Monate als Weltfriedensdienstler in Mexiko. Hat diese Zeit Ihren Blick auf die Welt verändert?

Julian Gräfe: Es war das erste Mal, dass ich Weltkirche erleben durfte. In Mexiko konnte ich spüren, dass der Glaube die Menschen dort und zu Hause in Deutschland verbindet. Mit dem Unterschied, dass der Glaube teilweise anders gelebt wird. Wenn beispielweise in einem indigenen Dorf ein Fels in einer Höhle angebetet wird, weil er mit viel Fantasie  - oder mit viel Glaube - aussieht wie die Jungfrau Maria, dann ist das für einen Deutschen erstmal komisch. Wenn man aber spürt wie viel Kraft und Hoffnung die Menschen dort empfangen, dann ist das einfach ein tiefberührender Moment. Das und viele weitere Erlebnisse haben mir geholfen mit einem toleranteren und demütigeren Blick die Welt zu betrachten.

Haben die Erfahrungen in Lateinamerika Ihren weiteren Berufs- und Lebensweg beeinflusst?

Gräfe: Ich habe in Mexiko sehr viel erleben dürfen. Daran wollte ich meine  Unterstützer in meiner Heimatgemeinde teilhaben lassen. Deshalb habe ich angefangen zu schreiben. Das Schreiben von Rundbriefen hat mir geholfen glückliche, traurige und tiefe Momente festzuhalten und zu teilen. Ich habe damals gemerkt, dass es mir Freude bereitet über Kultur, Menschen, Politik und Gesellschaft in vielen Gesprächen zu "recherchieren". Von da an wusste ich endgültig, dass der Journalismus mein Weg sein sollte.

Als Journalist Weltsicht teilen - lässt sich Ihr "neuer Blick" auf die Welt anderen vermitteln?

Gräfe: Nach meiner Zeit habe ich mir mit anderen WFD-Rückkehrern den Kopf zerbrochen, wie wir in unserer Gesellschaft kritischer und fairer konsumieren können, wie man die Welt in kleinen Schritten vielleicht etwas fairer gestalten kann. Das fängt ja beim Kaffee an und endet beim Jeanskauf. Aktuell arbeite ich in der Verbraucher-Redaktion des SWR, da finden solche Themen natürlich auch statt. Das ein oder andere Thema zum kritischen Konsum habe ich schon produzieren können.

Gewisse Menschen lassen nur den kleinen Ausschnitt ihrer Gedankenwelt gelten und schelten journalistisch recherchierte Berichte als "Lügenpresse". Haben Sie eine Idee, wie da Horizonterweiterung gelingen könnte?

Gräfe: Mir persönlich tut der Begriff "Lügenpresse" weh und ich fühle mich damit  auch persönlich angegriffen. Aus meiner Perspektive kann ich nur immer  wieder erzählen, wie mein redaktioneller Alltag stattfindet und dass ich  keiner "Meinungsdiktatur von Oben" unterliege. Ich habe stets das Gefühl  frei berichtet zu können. Natürlich passieren uns Journalisten auch Fehler, weil wir Menschen sind, und es gehört zu unserem Berufsstand auch dazu selbstkritisch zu sein. "Horizonterweiterung" könnte gelingen, wenn man miteinander ins Gespräch kommt und sich nicht gegenseitig beschimpft, wenn man gegensätzliche Meinung zulässt, aber diese auch kritisch hinterfragen darf.

Wie kamen Sie auf die Idee, sich zum Weltfriedensdienst zu melden? Würden Sie es heute nochmals tun?

Gräfe: Ich war in meiner Heimatgemeinde aktiv in der Jugendarbeit und ich hatte vom WFD gelesen. Die Entscheidung stand schnell fest, ich möchte diesen Dienst an unserer Weltkirche gerne machen. Ich würde definitiv alles genau so wieder tun. Ich hatte eine wunderbare Zeit mit den Menschen in Mexiko. Viva México!

Markus Waggershauser - 19.07.2016

Person

Julian Gräfe arbeitet als Journalist in der Wirtschafts- und Verbraucherredaktion des Südwestrundfunks (SWR) und wirkt bei Sendungen wie Marktcheck oder Plusminus mit. Der heute 28-Jährige leistete seinen Weltkirchlichen Friedensdienst von August 2007 bis Februar 2009 in Mexiko und engagiert sich aktuell in Tübingen in der Katholischen Hochschulgemeinde.