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Hilfe bei Missbrauch

Leistungen und Hilfen

Materielle Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde

Seit dem 10. März 2011 können sich Personen, die minderjährig Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kleriker, Ordensangehörige oder andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kirchlichen Dienst geworden sind, an die Missbrauchsbeauftragten der Diözese oder des Ordens wenden, in deren Verantwortung der Täter zum Zeitpunkt der Tat beschäftigt war. Die Antragsformulare und nähere Informationen finden Sie hier.

Warum bietet die Kirche Leistungen in Anerkennung des Leids?

Opfer, die als Minderjährige sexuell missbraucht wurden, finden oft erst nach Jahrzehnten den Mut, sich damit an die Staatsanwaltschaft zu wenden. Wegen der gesetzlichen Verjährungsfristen ist aber in vielen Fällen ein Schmerzensgeld oder Schadensersatz rechtlich nicht mehr durchsetzbar.

Die Katholische Kirche in Deutschland möchte auch in diesen rechtlich verjährten Fällen das Leid der Opfer anerkennen. Mit diesen materiellen Leistungen stellen die Deutsche Bischofskonferenz und die Deutsche Ordensobernkonferenz als erste Institutionen am „Runden Tisch Sexueller Missbrauch“ der Bundesregierung ein Modell zur Entschädigung der Opfer sexuellen Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen und Organisationen zur Verfügung.

Wer kann Leistungen in Anspruch nehmen?

Alle Personen, die als Minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kleriker, Ordensangehörige oder andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Dienst der Katholischen Kirche in Deutschland geworden sind, können einen Antrag auf Leistungen in Anerkennung des ihnen zugefügten Leids stellen.

Umfang der Leistung

Nach Prüfung der Plausibilität des Antrages erhält der oder die Betroffene in der Regel eine Zahlung von 5.000 Euro. Gegebenenfalls werden zusätzlich auch Therapiekosten übernommen.

Verfahrensregeln in der Diözese Rottenburg-Stuttgart für materielle Leistungen an Opfer sexuellen Missbrauchs in Anerkennung erlittenen Leids

Am 2. März 2011 hat die Deutsche Bischofskonferenz Regelungen für materielle Leistungen an Opfer sexuellen Missbrauchs in Anerkennung erlittenen Leids erlassen. Sie liegen in der Konsequenz dessen, wie die Diözesen in Deutschland gemeinsam mit der Deutschen Ordensobernkonferenz den Opfern derartiger Verbrechen gerecht zu werden versucht. Betroffene haben im Rahmen dieses Verfahrens die Möglichkeit, sich mit einem über das Internet zu beziehenden Antragsformular beim Missbrauchsbeauftragten bzw. der Koordinierungsstelle der Deutschen Bischofskonferenz zu melden.

Für die Umsetzung dieser Regelungen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gilt unter Berücksichtigung der langjährigen Erfahrungen und der Praxis der unabhängigen Kommission sexueller Missbrauch (KsM) folgendes:

  1. Die der KsM bekannten Opfer müssen nicht erneut von sich aus aktiv werden und das Antragsformular der Deutschen Bischofskonferenz einreichen. Sie werden in einem vom Vorsitzenden der KsM unterzeichneten Brief angeschrieben und zur Abgabe eines entsprechenden Antrags eingeladen.
  2. Das genannte Schreiben des Vorsitzenden der KsM macht unter aanderem deutlich, dass das Verfahren für Opfer vereinfacht wird, deren Erfahrungen der KsM bereits bekannt und von ihr geprüft worden sind. Vor allem soll den Antragstellern erspart werden, erneut den Tathergang detailliert zu schildern, um eine Retraumatisierung zu vermeiden. Ihnen wird daher vorgeschlagen, dass der bereits bekannte Tathergang von der KsM in den Antrag eingefügt wird. Selbstverständlich bleibt es den Opfern unbenommen, den Tathergang noch einmal aus ihrer Sicht darzustellen, wenn sie dies wünschen.
  3. Neue Anträge, bei denen sich mutmaßliche Opfer mit dem von der Deutschen Bischofskonferenz via Internet zur Verfügung gestellten Formular melden, werden durch die KsM nach dem auch bisher in den „Regularien“ von 2002 vorgeschrieben Verfahren behandelt, beraten und mit Empfehlungen an den Bischof weitergeleitet.
  4. Alle Anträge werden mit den Empfehlungen der KsM beziehungsweise den Entscheidungen des Bischofs der Koordinierungsstelle der Deutschen Bischofskonferenz beziehungsweise über diese der beauftragten Anwaltskanzlei zur Kenntnis zugeleitet.
  5. Empfehlungen der Kanzlei werden von der KsM beraten und gegebenenfalls in die eigene Entscheidung einbezogen.
  6. Die Letztentscheidung liegt in allen Fällen beim Ortsbischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
  7. Die allermeisten von der KsM beratenen und anerkannten Fälle fallen unter die Kategorie III der von der KsM entwickelten Systematisierung der Schweregrade. Auf Empfehlung der KsM wird diesen Opfern unterschiedslos eine Anerkennungssumme in Höhe von 5.000 Euro zugestanden. In den wenigen Fällen der Kategorien IV und V mit noch erheblich schwereren beziehungsweise schwersten Fällen sexuellen Missbrauchs, sofern sie in den Verantwortungsbereich der Diözese Rottenburg-Stuttgart fallen, soll über eine höhere materielle Anerkennungsleistung einzeln entschieden werden.
  8. Zusammen mit der materiellen Leistung erhalten die Opfer einen Brief, der von Bischof und Vorsitzendem der KsM gemeinsam unterzeichnet ist.
  9. Unberührt von der unter 7. formulierten Empfehlung wird in berechtigten Fällen eine finanzielle Unterstützung von Therapien geleistet.

Rottenburg, 30. Mai 2011
+ Dr. Gebhard Fürst, Bischof

aus: Kirchliches Amtsblatt für die Diözese Rottenburg-Stuttgart, Band 55/8, 15. Juni 2011, Seite 307-308

Mehr zu den Schweregraden der Taten finden Sie im Bericht der Kommission sexueller Missbrauch.

Vorgehensweise beim Antrag auf materielle Leistungen

Die folgenden Schritte beziehen sich auf sexuelle Missbrauchsfälle an Minderjährigen, die in Einrichtungen oder bei kirchlichen Trägern in der Diözese Rottenburg-Stuttgart geschehen sind. Die Diözese ist darauf bedacht, den Prozess möglichst unbürokratisch zu gestalten.

Schritt 1

Um eine materielle Leistung zu beantragen, füllen Sie bitte das Antragsformular aus und leiten es Frau Sabine Hesse, Geschäftsführerin der Kommission sexueller Missbrauch, zu.

Schritt 2

Nach Eingang wird der Antrag von der Kommission geprüft. Dem folgt eine Handlungsempfehlung an den Bischof sowie eine Weiterleitung der Unterlagen an eine Zentrale Koordinierungsstelle. Die Bearbeitung eines Antrages erfolgt so schnell wie möglich, erfordert jedoch hohe Sorgfalt. Dies führt dazu, dass der Vorgang einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Schritt 3

Die materiellen Leistungen werden von der betroffenen Diözese oder Ordensgemeinschaft direkt an das Opfer überwiesen.

Antragsformular und weitere Informationen