DRS Mediencheck

Maria Magdalena

Am 15. März 2018 startet "Maria Magdalena" in den deutschen Kinos. Wir haben den Film von Regisseur Garth Davis nach einem Drehbuch von Helen Edmundson und Philippa Goslett für Sie unter die Lupe genommen und über die Hauptperson aus dem Neuen Testament recherchiert. Bevor Sie Rooney Mara als Maria Magdalena und Joaquin Phoenix als Jesus auf der Leinwand sehen - hier unser Mediencheck.

Maria Magdalena - Sünderin und Geliebte?

Maria Magdalena - Sünderin und Geliebte?


Maria Magdalena lässt Filmemachern Raum für Fantasie

Barbara Janz-Spaeth

Barbara Janz-Spaeth

In bisherigen Bibelstreifen in die Nebenrolle gedrängt als Sünderin oder Geliebte Jesu, zeigt der neue Kinofilm "Maria Magdalena" von Garth Davis das Geschehen aus ihrer Perspektive. Barbara Janz-Spaeth, Referentin für Bibelpastoral und Biblische Bildung, beleuchtet im Interview die Hauptperson. [mehr]


Filmkritik: Jesus aus weiblicher Perspektive

Fast könnte man meinen, die Diskussion um Gleichberechtigung und Frauenquoten habe jetzt auch die Bibelfilme aus Hollywood erreicht. Denn der neue Kinofilm "Maria Magdalena" erzählt die Geschichte dieser Frau und ersten Zeugin der Auferstehung Jesu konsequent aus weiblicher Perspektive.

Damit rückt der Film diese wichtige biblische Person in ein anderes Licht. Papst Gregor der Große hatte 591 Maria Magdalena mit der "namenlosen Sünderin" im Lukas-Evangelium, die Jesus die Füße salbt, und quasi mit einer Prostituierten gleichgesetzt. ...

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... Seitdem galt Maria Magdalena als Hure und ihr wurde ein erotisches Verhältnis zu Jesus nachgesagt - bis hin zum Film "Die letzte Versuchung Jesu Christi" von 1988, in dem sie mit Jesus eine Familie gründet. Der neue Film "Maria Magdalena" zeigt sie als selbstbewusste Frau, die nicht heiraten will und darum ihre Familie verlässt, um zur Jüngerin Jesu zu werden. Sie lässt sich von Jesus taufen und fragt ihn nach seinen Gefühlen: "Ist das das Gefühl, eins mit Gott zu sein?". Sie tauft - wie die Jünger auch, sie wird im wahrsten Sinne des Wortes Jesu rechte Hand ("Maria, sei meine Hand!"), und sie sitzt beim letzten Abendmahl an der Seite von Jesus.

Es dauert, bis sie in der Gemeinschaft der Jünger akzeptiert wird. "Sie wird unsere Gemeinschaft spalten!" fürchtet Petrus zu Beginn. Maria Magdalena erfährt von den Jüngern, was sie für Jesus aufgegeben haben. Judas z.B. hat Frau und Kind verloren und hofft auf ein Wiedersehen, wenn das neue Reich Gottes kommt, dass Jesus verspricht. Das motiviert ihn auch, Jesus auszuliefern, damit das Reich Gottes endlich anbricht. Für Judas weniger ein Verrat als die Sehnsucht, seine Liebsten wieder zu sehen. Als nach der Kreuzigung Jesu das Reich ausbleibt, sieht Judas keinen anderen Ausweg mehr, als sich das Leben zu nehmen. Auch hier bietet der Film eine andere Perspektive als üblich.

Dass das Königreich, von dem Jesus spricht, in uns liegt, bezeugt Maria Magdalena. Ihre Botschaft, die die Filmemacher durch ihre Hauptfigur auch an nicht-christliche Filmzuschauer richten: "Die Welt wird sich nur ändern, wenn wir uns ändern." Gegen Ende des Films legt sie einmal ihr Tuch auf dem Kopf ab, ihre Haare wehen frei im Wind - auch das ein Sinnbild für ihr Denken und Handeln abseits von gängigen Rollenzuschreibungen.

Der Film wurde in Italien gedreht und fängt doch die Atmosphäre, die Farben und Stimmungen des Heiligen Landes sehr gut ein. Die dramatischen Ereignisse der Passion Christi beschreibt er in kurzen, konzentrierten Szenen. Auch die Wunder Jesu nimmt man ihm ab, wenn sich Jesus neben den toten Lazarus auf den Boden legt und ihn wieder zum Leben erweckt. Die Kamera zeigt Blicke, Berührungen, Tränen und ruht oft auf den Gesichtern der Hauptpersonen. Ein gelungener Film über Maria Magdalena, nach dem man versteht, warum Papst Franziskus 2016 den bisher "gebotenen Gedenktag" für Maria Magdalena am 22. Juli zum Fest für die "Apostelin der Apostel" aufwertete.

Christian Turrey


Die Top-10-Jesusfilme – Jesus mal Gott, mal Mensch

Ob als Drama oder als Komödie – der Stoff der Bibel ist seit es Filme gibt eine Herausforderung für Filmmacher. Selbst ins Bezahlportal Netflix hat es das Thema im vergangenen Jahr geschafft. Pünktlich zum Kinostart von Maria Magdalena haben wir ins Filmarchiv geschaut und hier die Top-10 der Jesusfilme aufgelistet.   Eckhard Raabe

Pier Paolo Pasolini: Das erste Evangelium Matthäus, 1964

Der Schwarzweiß-Klassiker von Pier Paolo Pasolini, der – dem Zeitgeist entsprechend - antiautoritäre und sozialkritische Elemente in Jesu Botschaft hervorhebt. Pasolini bleibt aber ziemlich genau an der Vorlage des Evangelisten Matthäus. Jesus zwischen Gott und Mensch als wundertätiger Sandalenträger.

George Stevens: Die größte Geschichte aller Zeiten, 1965

Dem Titel entsprechend ist die Verfilmung des Lebens Jesu mit ihren 260 Minuten ein monumentales Werk und mit 20 Millionen Dollar Produktionskosten einer der aufwendigsten Filme der 60-iger Jahre. Dennoch geht es in dem Kolossal-Filmen nicht allein um billige Effekte. Max von Sydow spielt den Gottmensch Jesus nachdenklich und sensibel.

Norman Jewison: Jesus Christ Superstar, 1973

Die Geschichte Jesu als großes Hippie-Musikal. Jesus Christ Superstar ist die Verfilmung der gleichnamigen Rockoper von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice. Jesus erscheint ganz menschlich, Judas Verrat als hilfloser Rettungsversuch der Sache Jesu und Maria Magdalena als die Geliebte Jesu. Sechs Golden Globe- und eine Oscar-Nominierung in der Kategorie „Beste Musik“.

Franco Zefirelli: Jesus von Nazareth, 1977

Mit großen Namen wie Anthony Quinn und Claudia Cardinale punktet die Jesus-Verfilmung von Franco Zefirelli. Die vier jeweils 90 Minuten lang Teile zeigen das Leben Jesu von der Geburt bis zu seiner Auferstehung: Jesus, ein einfacher und relativ normaler Mensch. Deshalb auch die Kritik fundamentalistischer Kreise in Amerika, die Göttlichkeit Jesu komme zu wenig zum Vorschein. In den Kulissen des Filmes wurde kurze Zeit später die legendäre Monty-Python-Produktion „Das Leben des Brian“ gedreht.

Terry Jones: Das Leben des Brian, 1980

Die britische Komikergruppe Monty Python erzählt das Leben des Brian, der - zur gleichen Zeit wie Jesus geboren – mit dem Messias verwechselt und ans Kreuz genagelt wird. Die Parallelen zum tatsächlichen Jesus von Nazareth sind überdeutlich. Britischer Humor trifft hier auf spitze Kritik an der Kirche mit ihren Dogmen. Der Film ist heftig umstritten und auch heute noch können manche Christen darüber nicht lachen.

Martin Scorsese: Die letzte Versuchung Christi, 1988

Heftige Proteste hat Martin Scorsese mit seinem Film „Die letzte Versuchung Christi“ ausgelöst: Der Grund: Jesus erscheint als Mensch, der an seiner Berufung zweifelt, eine Frau begehrt und am Ende nicht am Kreuz stirbt, sondern eine Familie gründet. Blasphemie, sagen die einen, ein Meisterwerk die anderen.

Deny Arcand: Jesus von Montreal, 1989

Als ein Theaterstück inszeniert Deny Arcand die Passion Jesu. Ein schräge Schauspielertruppe stellt die Geschichte auf ihre ganz eigene Art und Weise dar. Das Publikum im Film ist betroffen und auch die Katholische Filmarbeit bezeichnet den Film als “eine anspruchsvolle Auseinandersetzung mit Jesus von hohem künstlerischem Format und eindeutig der unterhaltsamste aller bisherigen 'Jesus'-Filme.“ Geistreich, provokant und eine bissige Satire mit feinem Humor.

Mel Gibson: Die Passion Christi, 2004

Als besonders blutrünstig volkstümliches Passionsspiel hat Mel Gibson 2004 die Passion Jesu inszeniert. Besonders das Leiden Jesu wird bildgewaltig dargestellt, was die Kritik vieler Zuschauer provozierte. Gibson hält sich an die vier Evangelien, erweitert sie um die umstrittenen Visionen der Augustinerschwester Anna Katharina Emmerick, kein Wunder, Gibson selbst wird dem traditionellen christlichen Spektrum zugeordnet.

Jaco Van Dormael: Das brandneue Testament, 2015

Gott als ein verwahrloster Typ im Bademantel, der mit seiner Familie in Brüssel lebt und am Computer die Welt steuert und sadistische Spielchen mit den Menschen spielt. Seine Tochter Éa manipuliert diesen Computer und bringt Gottes irrwitzigen Pläne völlig durcheinander. Durchgeknallte Komödie, mit vielen guten und ernsten theologischen Einfällen.

Kevin Reynolds: Auferstanden, 2016

Hier wird die Geschichte Jesu als Rückblick erzählt. Jesus ist tot und das Gerücht hält sich, dass er auferstanden sei. Pontius Pilatus will das genau wissen und schickt Gesandte aus. Sie sollen herausfinden, was am Gerücht dran ist. Die ungläubigen Gesandten fangen an zu glauben. Gemacht in Stil der biblischen Monumentalfilme erzählt der Film die Geschichte einer Bekehrung, den Weg vom Zweifel zum Glauben.