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Jetzt legte die zuständige Hauptabteilung des Bischöflichen Ordinariats „Pastorale Konzeption“ dem Diözesanrat bei dessen Sitzung im hohenlohischen Kloster Schöntal die Auswertung von 94 Berichten vor, in denen 381 Kirchengemeinden ihr Gemeindeleben und ihre Zusammenarbeit darstellen.

In regelmäßigen Abständen verfassen die Kirchengemeinden und die muttersprachlichen Gemeinden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Rahmen der so genannten Pastoralvisitation durch den jeweiligen Dekan einen Bericht über das kirchliche Leben in den neuen Strukturen. Die Durchführung der Pastoralvisitationen wurde 2006 neu gestaltet. Diese Berichte werden neben der Beratung von Dekan und Kirchengemeinderat auch dem Bischöflichen Ordinariat vorgelegt, welche daraus eine Gesamtschau der Situation in den Kirchengemeinden erstellt.

Auffallend ist nach der jetzt vorgestellten Auswertung die „lebendige Vielfalt der Gemeinden und das sehr hohe Engagement der Ehrenamtlichen“. Hierin spiegeln sich „oftmals sehr hohe Ansprüche der Gemeinden an sich selber“. Gleichzeitig sehen sich diejenigen, die sich für ihre Gemeinde oder Seelsorgeeinheit ehrenamtlich engagieren, an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Die Pfarrer wünschen sich eine Entlastung von Verwaltungsaufgaben, so eine weitere Erkenntnis. Zum flächendeckenden Standard im Gemeindeleben gehören eine Vielfalt von Gottesdiensten, karitative Aktivitäten sowie die Tauf-, Erstkommunion- und Firmvorbereitung. Auch die Sternsingergruppen, die am Dreikönigstag Spenden für internationale Kinderhilfsprojekte einsammeln, sind praktisch in allen Gemeinden vorhanden. Allerorten, so wird berichtet, gibt es Nachwuchssorgen beim Ehrenamt. Allerdings sind auch zwei Ausnahmebereiche zu konstatieren: Rund 37.000 Ministranten tun in den insgesamt 1.135 Gemeinden Dienst, ebenso sind in sehr vielen Gemeinden junge Chöre aktiv. Die Bedeutung der Kirchenmusik wird insgesamt hoch eingeschätzt, Chöre gelten als wichtiger Bestandteil der Gemeinde.

Unter den Tätigkeitsschwerpunkten ist die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien klarer Spitzenreiter. Bei anderen Prioritätensetzungen oder der Entwicklung zukunftsweisender Visionen zeichnet sich allerdings ein deutliches Manko ab, so ein Ergebnis der Auswertung. Nur wenige Gemeinden hätten bewusst Arbeitsschwerpunkte gesetzt und entschieden, welche Felder nachrangig seien. Die auf Diözesanebene im Jahr 2003 verabschiedeten „Pastoralen Prioritäten“ seien beim Kirchenvolk kaum rezipiert worden. Kritik aus den Gemeinden wird auch gegenüber dem Bischöflichen Ordinariat geäußert. So gebe es zu wenig Abstimmung unter den Initiativen der einzelnen Hauptabteilungen. Dies verunsichere die die Aktiven vor Ort. Auch die Distanz der Diözesanverwaltung zur örtlichen Arbeit findet kritische Erwähnung, ebenso wie „Papierflut“, von der sich die Gemeinden überrollt fühlen. "Eine personelle Vermittlung von Konzepten würde im doppelten Sinn besser ankommen als die Zusendung auf postalischem oder elektronischem Weg", meinten die Dekanatsvertreter im Diözesanrat.

Positive Würdigung findet die Arbeitsweise der sogenannten Mittleren Ebene. Dekanatsgeschäftsstellen, Dekanatseinrichtungen, Jugendreferate und Erwachsenenbildung seien ertragreiche Anlaufstationen für Gemeindeanliegen. Positiv heben die Gemeinden die Zusammenarbeit mit den evangelischen Gemeinden und den Kommunen hervor.

Zu den Empfehlungen der Diözesanräte, die den Bericht bestätigend zur Kenntnis nahmen, gehört auch der Appell an den Bischof, die Gemeinden ausdrücklich zur Kreativität und zur Entwicklung von Visionen zu ermutigen. Dazu gehöre auch der „Mut zur Lücke“. Die vorhandenen Kräfte könnten besser verteilt werden, so der Rat für die Verantwortlichen vor Ort. So sollten die Gemeinden Möglichkeiten der Delegation ausschöpfen, indem sie etwa manche „Managementaufgaben“ an Ehrenamtliche übertragen. Die Führungskompetenz der Pfarrer solle systematisch weiterentwickelt werden. Denn, so Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn, „Führen und Delegieren gehen Hand in Hand.“ Allerdings sei der Priestermangel nicht allein durch Delegation und Qualifizierung zu kompensieren, meinten manche Diözesanratsmitglieder. Sie wünschten sich verstärkte Bemühungen um neue Zugänge zum kirchlichen Amt, so etwa Weihe von Frauen oder die Aufhebung des Pflichtzölibats.

Pressemeldung Öffentlichkeitsarbeit Diözesanrat

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