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Rottenburg/Weingarten. 3. Februar 2018. Als „exemplarischen Erfahrungsort“ hat Bischof Gebhard Fürst das Integrationszentrum in Weingarten bezeichnet. Bei der Einweihung und Segnung des Zentrums am Samstag (3. Februar) mahnte der Bischof an, dass Integration nur durch wechselseitige Anstrengung aller Beteiligten und „ehrliches Bemühen um die Gestaltung des Gemeinwesens“ gelingen könne. Er zeigte sich „erfreut und glücklich“ über die verlässliche Partnerschaft in der Sorge um geflüchtete Menschen, die zur Realisierung des Integrationszentrums führte.

Das Integrationszentrum ist ein gemeinsam von der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der Stadt Weingarten, der Caritasregion Bodensee-Oberschwaben, der katholischen Gesamtkirchengemeinde und der evangelischen Kirchengemeinde Weingarten getragenes Projekt; die Projektdauer ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Im ersten Zentrum dieser Art auf dem Gebiet der Diözese werden bereits bestehende sowie neu geplante Dienste und Angebote unter einem Dach gebündelt. Dazu zählen unter anderem die Flüchtlingssozialarbeit der Caritas, die Migrationsberatung, die Koordinierung der Freiwilligenarbeit und die interkulturelle Begegnung; auch ein Café ist im Zentrum eingerichtet. Die bereits seither in der Flüchtlingsarbeit engagierten Franziskaner-Schwestern aus dem Kloster Reute sind künftig ebenfalls im Integrationszentrum präsent. Das Zentrum steht als Begegnungsort allen Menschen offen.

Die Konzeption des Zentrums verkörpere die Vision eines menschlichen Miteinanders, in dem nicht die Frage ‚Woher kommst Du?‘, sondern ‚Wer bist Du?‘ im Vordergrund stehe, betonte Bischof Fürst in seiner Festrede zur Einweihung des Zentrums. „Es geht um die individuelle Würde jeder Person und nicht um Abgrenzung und vermeintliche Identitätsfragen“. Der Bischof rief in Erinnerung, dass europäische Gesellschaften in erheblichem Maß Mitverantwortung dafür trügen, dass Menschen heute Flucht und riskante Wege aussichtsreicher erschienen als alles, was sie zurückließen. Gleichzeitig nehme er die Angst der einheimischen Bevölkerung um soziale Sicherheit und kulturelle Identität sehr ernst, sagte Bischof Fürst. „Wir brauchen hier einen offenen Dialog, in dem wir auf eine redliche Art zu vermitteln suchen, was uns wichtig ist und welche Werte uns leiten“.

Untergebracht ist das Integrationszentrum in einem von der Stadt Weingarten zur Verfügung gestellten Gebäude. Neben Leistungen von staatlicher Seite, Eigenmitteln der Caritas sowie den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden trägt die Diözese Rottenburg-Stuttgart einen großen Teil der Kosten des Gesamtprojekts: Für die Laufzeit von drei Jahren stehen jährlich rund 157.000 Euro aus Mitteln des diözesanen Flüchtlingshilfefonds zur Verfügung.

Der „Zweckerfüllungsfonds Flüchtlingshilfe“ wurde 2013 eingerichtet und hat ein Volumen von rund 35 Millionen Euro. Je zur Hälfte werden damit Projekte in der Diözese sowie im Bereich der weltkirchlichen Arbeit zur Fluchtursachenvermeidung unterstützt.

Mit der Öffnung des ehemaligen Benediktinerklosters Weingarten für Menschen auf der Flucht hatte Bischof Gebhard Fürst im Oktober 2013 ein über die Diözese hinaus wirkendes Zeichen gesetzt.

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