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Rottenburg/Tours. 20. Mai 2016. Mit einem Aufruf von Bischof Gebhard Fürst zu Nächstenliebe, Frieden und Solidarität ist die Wallfahrt der Diözese Rottenburg-Stuttgart ins französische Tours zu Ende gegangen. Der heilige Martin, Ikone der Nächstenliebe und Patron der württembergischen Diözese, könne als zukunftsfähiges Leitbild für ein geeintes Europa dienen, betonte der Bischof am Freitag in der Basilika St. Martin, in deren Unterkirche der Heilige begraben ist. Der 316 im heute ungarischen Szombathely geborene ehemalige Soldat und spätere Mönch und Bischof stehe für Grenzen überschreitende Solidarität, die aus dem christlichen Glauben ihre Kraft beziehe.

„Europa kann nicht nur aus Geld und Leistung bestehen, sondern muss den Menschen in die Mitte stellen“, sagte Bischof Fürst den 350 Pilgern, die im 1.700 Geburtsjahr Martins unter dem Motto „Leben teilen – Gott begegnen“ Tours und weitere Wirkungsorte des Heiligen besuchten. Mit der Mantelteilung am Stadttor von Amiens habe Martinus noch als Soldat „etwas in das Herz Europas eingestiftet, was seinesgleichen sucht“. Den Geist der Nächstenliebe könnten Pilger auf dem Martinusweg zwischen Szombathely und Tours erfahren. Die europäische Mittelroute des Martinuswegs zwischen Szombathely und Tours mit rund 15 zentralen Stationen in Ungarn, Österreich, Deutschland und Frankreich wird im Herbst eröffnet. Der Geist Martins werde aber auch konkret spürbar etwa in Tafelläden, Sozial- und Diakoniestationen, Flüchtlingsheimen, Krankenhäusern und Hospizen, so der Bischof.

Die christlich begründete Haltung, sich der Schwachen und Armen, Kranken, Ausgegrenzten und Heimatlosen anzunehmen, drohe derzeit in Europa verloren zu gehen, sagte Bischof Fürst mit Hinweis auf den politischen Dissens in Fragen der Flüchtlingshilfe. Den Geringsten zu dienen, bedeute, Christus zu dienen und sich zu bücken zu den Armen. „Europa braucht die Orientierung an der Ikone der Nächstenliebe.“ Es brauche die Werte der Gottesfurcht, der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe (pietas, misericordia, caritas).

Drei Tage lang waren die Pilger, darunter Gruppen von Gehörlosen und Wohnungslosen, unterwegs an Wirkungsorten Martins in und um Tours. Zum Auftakt besuchten sie Candes in der Nähe von Tours an der Loire, wo der Heilige am 8. November 397 verstarb. Auch Ligugé besuchten sie, wo St. Martin unter dem Einfluss seines Lehrers Hilarius von Poitiers das erste Kloster des Abendlandes gründete. In Poitiers, ebenfalls Pilgerziel, ließ sich Martin von Hilarius taufen. In Marmoutier nahe Tours lebte Martin ab 361 als Bischof und Mönch zusammen mit Einsiedlern.

Ziel der Wallfahrt war, die vielfältigen Aspekte des Heiligen wahrzunehmen, die weit über ihn als barmherzigen Mantelteiler hinausweisen. Zur Wallfahrt gehörten Auftritte von Mitgliedern des von Justus Frantz geleiteten Orchesters der Nationen Mitteleuropa in der Kathedrale von Tours. Zum Ende der Pilgerreise segnete Bischof Fürst am Grab des Heiligen einen Gedenkstein in der Krypta der Basilika St. Martin zur Erinnerung an den Besuch der schwäbischen Pilger. Er überreichte zudem 5.000 Euro für die pastorale und karitative Arbeit der Erzdiözese Tours.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart ist mit Martin von Tours eng verbunden; sie feiert das von Papst Franziskus ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit unter dem Vorzeichen ihres Patrons. Durch die Diözese führt ein 1.200 Kilometer langer Martinusweg, der viele der mehr als 80 Martinskirchen und diakonische Einrichtungen mit dem Namen Martins verknüpft.

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