Nachrichten

Rottenburg/ Stuttgart. 24. November 2016. Einen besseren Zugang zu Hilfeleistungen des Landes für von Menschenhandel und Zwangsprostitution betroffene Nicht-EU-Bürgerinnen hat Irme Stetter-Karp angemahnt.  Mit Blick auf den internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen an diesem Freitag (25. November) wies die Leiterin der Hauptabteilung Caritas in der Diözese auf die besonders prekäre soziale Lage von Frauen hin, die aus Ländern außerhalb der Europäischen Union stammten.

Der Hilfebedarf für diese Gruppe sei enorm gestiegen, so Stetter-Karp. Dies spiegle auch die Zahl der Anträge an den Fonds für Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution der Diözese Rottenburg-Stuttgart wider. Im Jahr 2009 lag die Zahl der Anträge bei zehn, im Jahr 2015 waren es 26, im laufenden Jahr wurden bereits 45 Anträge bearbeitet. Ursprünglich mit einer Summe von 5.000 Euro ausgestattet, wurde der Fonds in den letzten Jahren aus Haushaltsmitteln aufgestockt; im Jahr 2015 wurden 24.000 Euro Unterstützungsleistung gewährt, im laufenden Jahr sind es aktuell 34.000 Euro.

Die Diözese hat im Jahr 2009 den Fonds zur Unterstützung für Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution eingerichtet. Der Fonds versteht sich als Ergänzung zum Fonds des Landes Baden-Württemberg und ist speziellen Fallkonstellationen vorbehalten, die nicht vom Opferfonds des Landes abgedeckt sind. Dazu zählen zum Beispiel Frauen mit unklarem Herkunftsland, Frauen aus Nicht-EU-Ländern oder psychotherapeutische Behandlungen.

Beispiele für Unterstützungsleistungen aus dem Fonds der Diözese:
Frau B. aus Gambia wurde von einer Fachberatungsstelle für Betroffene von Menschenhandel vermittelt. Sie ist als Flüchtling anerkannt. Während der Zeit der Bearbeitung ihres Antrags auf einen Ausweis musste sie geschützt untergebracht werden. Die zuständigen Behörden lehnten eine Kostenübernahme ab, da sie aufgrund ihrer Flucht aus dem Menschenhandelsverhältnis nicht mehr in der Erstaufnahmeeinrichtung registriert war; vom zuständigen Jobcenter erhielt sie nur Regelleistungen nach dem SGB II. Die Übernahme der nicht gedeckten Kosten für Unterkunft und Betreuung für drei Monate wurden beim diözesanen Fonds beantragt.

Frau S. kam als Opfer von Menschenhandel von Nigeria nach Italien. Sie wurde bereits minderjährig von ihrer Tante verkauft und erlebte brutale sexuelle Gewalt in der libyschen Wüste sowie in der Zwangsprostitution in Italien. Mittlerweile konnte sie sich aus den Fängen des Menschenhandels-Netzwerkes lösen und beantragte Asyl in Deutschland. Für das weitere aufenthaltsrechtliche Vorgehen benötigt sie einen nigerianischen Reisepass. Die Beantragung des Passes und die Kosten für die Fahrt nach Berlin übersteigen jedoch ihre finanziellen Möglichkeiten. Einen Anspruch auf Unterstützung aus Mitteln des Landes hat sie aufgrund ihrer Staatsbürgerschaft nicht. Der Fonds zur Unterstützung für Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution der Diözese konnte hier Hilfe leisten.

Archiv