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In einem Vortrag vor der Arbeitsgemeinschaft kommunaler Friedhofsverwaltungen in Stuttgart betonte der Bischof, die Veränderungen der Bestattungskultur spiegelten die Veränderungen des religiös-kulturellen Gesamtbewusstseins und aller Entwicklungen und Phänomene unserer Gesellschaft wider.

Entwicklungen zunehmender Individualisierung und Privatisierung, Hand in Hand mit wachsender Anonymität vieler Lebensvollzüge, zeigten sich im Umgang mit Sterben und Tod und im Bestattungswesen ebenso wie eine umfassende Kommerzialisierung. Die Kirchen, so der Bischof, hätten ihr einstiges Monopol im Umfeld von Sterben, Tod und Trauern verloren. Diese würden nicht mehr fraglos vom christlichen Glauben her verstanden, vielmehr seien unterschiedlichste Deutungsmuster gleichermaßen plausibel geworden. Gerade die Veränderungen in der Bestattungskultur erwiesen sich daher als hoch sensibler Bereich für die Vermittlung und Weitergabe christlich-kultureller Grunddimensionen insgesamt. Die Sorge um die Tradierung des Christlichen bedeute für ihn aber die Sorge um eine Tradierung des Humanum in der heutigen Gesellschaft. Eine dezidiert christliche Bestattungskultur lege Zeugnis ab für den christlichen Auferstehungsglauben und ebenso für die auch über den Tod hinaus unzerstörbare personale Würde eines Menschen.

Ein Friedhof sei ein Ort, an dem der Name eines Menschen über seinen Tod hinaus verzeichnet sei, und ebenso ein Ort, an dem Glaube bezeugt werde, führte Bischof Fürst vor den Friedhofsamtsleitern aus. Als abgegrenzter Raum für Verstorbene gewährleiste er die Totenruhe und den Schutz der Grabstätten. Er sei aber zugleich auch ein öffentlicher Raum der Gemeinschaft, der auch ein Verstorbener angehöre. Als Ort der Begegnung mit dem eigenen Leben halte der Friedhof das Bewusstsein für das Eingebundensein in die Abfolge der Generationen und das Gespür für die eigene Sterblichkeit wach. Wenn für Hinterbliebene ein Ort für ihre Trauer um geliebte Menschen fehle, dann könne dies Trauerprozesse erschweren oder sogar erheblich behindern. Gerade wenn heute die klassische Friedhofskultur kein selbstverständliches Kulturgut mehr sei, müsse sie in ihrem Wert begründet und gegenüber anderen Formen der Bestattung verteidigt werden, betonte Bischof Fürst.

Kritisch, wenngleich nicht grundsätzlich ablehnend, nahm der Bischof zu den Friedwäldern Stellung. Er befürchte dabei eine Nähe zu einer pantheistisch-esoterischen Deutung des Menschen, in der der Baum zum Symbol für den ewigen Kreislauf des Lebens stehe. Der „Lebensbaum“ sei für den Christen das Kreuz und der damit verbundene Glaube an die Auferstehung Christi. Dies sei das „Herzstück des christlichen Glaubens“, das den Glauben an eine Auferstehung Vollendung des ganzen Menschen einschließe. Wenn Christen sich daher für diese Form der Bestattung entschieden, so sollte dabei der Bezug zum christlichen Auferstehungsglauben deutlich gemacht werden.

Positiv erwähnte Bischof Fürst einen heute veränderten Umgang mit tot- oder fehlgeborenen Kindern, die nicht mehr wie früher als „gynäkologischer Zwischenfall entsorgt“, sondern namentlich beigesetzt würden. Hier trete ein ganzer Lebensbereich aus dem Schatten und werde erstmals in der Geschichte in seiner Würde und Bedeutsamkeit wahrgenommen. Ausdrücklich plädierte der Bischof auch für die so genannte Sozialbestattung, die Menschen unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Lage das Recht gewähre, mit ihrem Namen bestattet zu werden, auf Wunsch auch mit einer Erdbestattung. Dies gehöre zu den Grundrechten der Selbstbestimmung und der freien Religionsausübung.

Pressemeldung Thomas Broch

 

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