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Rottenburg/Ravensburg. 8. Juni 2016. Die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod und den Umgang mit Schwerstkranken hat Bischof Gebhard Fürst als eine der größten Herausforderungen des Lebens, nicht nur für Christen, bezeichnet. „In unserer Zeit wird die Aufgabe, das medizinisch Leistbare, das juristisch Vertretbare und das ethisch Unbedenkliche zu einem Ausgleich zu bringen, immer schwieriger“, sagte Bischof Fürst am Mittwoch (8. Juni) bei einem Vortrag vor Medizinern im Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg.

In Verbindung mit veränderten und insgesamt abnehmenden sozialen Beziehungen sei eine neue Art menschlicher Not entstanden. Nicht wenige fühlten sich im Alter allein gelassen, ausgegrenzt und komplexer medizinischer Behandlung ausgeliefert, sagte der Rottenburg-Stuttgarter Bischof. Diesen Ängsten gegenüber stehe das christliche Selbstverständnis. Demnach sei jeder Mensch einzigartig und besitze zu jedem Zeitpunkt und in jeder Lage eine unveräußerliche Würde.

„Die Vorstellung des eigenen Sterbens bleibt nebulös, weil das ‚Wie‘ des eigenen Sterbens kaum vorstellbar ist“. So seien auch die Sterbenswünsche komplex und mehrdeutig, erläuterte Bischof Fürst. Hier seien Medizin, Politik und die Kirche gefordert, Konzepte eines humanen Sterbebeistandes weiterzuentwickeln und zu stärken, die den Kranken durch pflegerische Betreuung, wirksame Schmerzbekämpfung nach den Grundsätzen der modernen Palliativtherapie und menschliche Begleitung befähigten, seinen eigenen Tod anzunehmen.

„Die Erkenntnis, dass das Leiden eine Conditio Humana ist und stets untrennbar mit dem Leben verbunden, ist in unserer heutigen stark vom Streben nach Perfektion angelegten Zeit oftmals verdrängt oder gar vergessen“, ergänzte Gebhard Fürst,  Vorsitzender der Unterkommission Bioethik der Deutschen Bischofskonferenz.

Eine Würdelosigkeit des Leidens beginne allenfalls dort, wo man hinter dem Anspruch der Menschenwürde zurückbleibe, wo vermeidbares Leiden zugelassen und der Leidende alleingelassen werde.

Vor dem Treffen mit Medizinern im Krankenhaus St. Elisabeth  besuchte Bischof Fürst das Hospiz Schussental, das im Januar  in Ravensburg eröffnet wurde. Es wird getragen von der St. Elisabeth-Stiftung in Bad Waldsee und verfügt über acht Plätze. Bischof Fürst besucht im laufenden Jahr gezielt Orte der Barmherzigkeit. Dazu gehörten bislang unter anderem ein Besuch bei Gefangenen und in einer Einrichtung für obdachlose Menschen. Papst Franziskus hat 2016 als Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen; die Diözese Rottenburg-Stuttgart gedenkt in diesem Jahr der Geburt ihres Patrons Martinus vor 1.700 Jahren.

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