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Bischof Gebhard Fürst hat den Leiter der Hauptabteilung Medien der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Ordinariatsrat Prof. Dr. Klaus Koziol (64), zum Bischöflichen Beauftragten für Digitalisierung, Menschenwürde und humane Kommunikation bestellt. Der promovierte Soziologe übernimmt seine Aufgabe mit sofortiger Wirkung.

Nach den Vorgaben des Bischofs soll Koziol ein interdisziplinäres Kooperationsprojekt initiieren und begleiten, das die Chancen, Risiken und Folgen der Digitalisierung erörtert und bewertet. Das Projekt soll einen Beitrag dazu leisten, die Würde des Menschen, seine Personalität und die Humanität der Gesellschaft im digitalen Zeitalter zu bewahren.

„Die Digitalisierung ist Teil der Moderne, sie betrifft alle Bereiche des Lebens, fügt sich ein in unsere Beschleunigungsgesellschaft und treibt diese zusätzlich an“, sagt Koziol. Dieser Prozess könne und solle nicht aufgehalten, wohl aber gestaltet werden.

Bislang stünde bei der Reflexion über das Phänomen Digitalisierung meist die technische Perspektive im Vordergrund. Ziel eines Gestaltungsprozesses sei hingegen, vor allem eine Menschendienlichkeit im Blick zu behalten. Die Leitfrage dabei laute: „Mit welcher Wertehaltung kann der Mensch in der digitalen Moderne ein gelingendes Leben führen?“. Koziol ist darüber hinaus überzeugt, dass die gleichzeitige Erfahrung direkter Kommunikation und Beziehung umso wichtiger werde, je stärker das Leben von digitaler Kommunikation geprägt sei.

Bereits bestehende Kooperationen, beispielsweise mit dem Institut für digitale Ethik (IDE) der Stuttgarter Hochschule der Medien, sollen unter der Federführung des Bischöflichen Beauftragten künftig intensiviert werden. Weitere Kooperationen mit Partnern aus dem Bereich Bildung sind angestrebt. Ein bereits unter dem Stichwort „Denkraum“ ins Lebens gerufener Diskurs mit an Digitalisierung und Entwicklung von künstlicher Intelligenz beteiligten Experten und Wissenschaftlern sowie Theologen und Interessierten aus Kirche und Gesellschaft soll dauerhaft etabliert werden. Ein Schwerpunkt in diesem Diskurs soll die Erarbeitung von Leitlinien bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz sein, die auch notwendige rechtliche Grundlagen umfassen.

Prof. Dr. Klaus Koziol ist in Mühlacker geboren. An der Universität Tübingen studierte er Soziologie. Im Dienst der Diözese Rottenburg-Stuttgart steht er seit 1982, seit 1990 als Leiter der Hauptabteilung Medien mit Sitz im katholischen Medienhaus in Stuttgart. Seit 2005 ist er außerdem Professor für Social Marketing an der Katholischen Hochschule in Freiburg. Er gehört dem Verwaltungsrats des SWR sowie dem Landesrundfunkrat an. Zum Themenbereich Ethik und Digitalisierung hat er mehrere Bücher veröffentlicht.

Manuela Pfann

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