Nachrichten

Die Weiterentwicklung der Kirche vor Ort und die Feststellung der Jahresrechnung 2012 standen im Mittelpunkt der Sitzung des Diözesanrats Rottenburg-Stuttgart am Freitag und Samstag im oberschwäbischen Kloster Reute.

Die von den Kirchengemeinderäten gewählte Kirchensteuervertretung setzte mit ihren Beschlüssen zur Verwendung der 36,6 Millionen Euro Überschuss aus dem Jahr 2012 ein deutliches Signal für die Zuwendung der Kirche zu den Menschen in der Diözese und weltweit. Ein mit sieben Millionen Euro ausgestatteter „Fonds für weltkirchliche Arbeit und Flüchtlingshilfe“ erweitert den Handlungsspielraum der Diözese, um Flüchtlingen in der Diözese Zuflucht und Zuwendung zu geben und gleichzeitig zu positiven Entwicklungen in deren Herkunftsländern beizutragen. Weiter gehört die Bereitstellung von insgesamt 13,2 Millionen Euro für die Entwicklung der Kirchengemeinden in den kommenden Jahren oder die Zustiftung von 6,5 Millionen Euro zur Stiftung Katholische Freie Schulen zu den Entscheidungen des Diözesanrats. Einen umfassenden Überblick zu den Finanzen und statistischen Zahlen des Jahres 2012 gibt der in der kommenden Woche erscheinende zweite Teil des Jahresberichts der Diözese „Fakten und Facetten“.

Flüchtlingshilfe und weltweite Hilfen

Ein mit sieben Millionen Euro ausgestatteter Fonds stockt die Kirchensteuermittel, die im Diözesanhaushalt der weltweiten Solidarität mit armen und notleidenden Menschen gewidmet sind, auf mehr als das Doppelte auf. Der neue Fonds kommt auch der kirchlichen Arbeit für Flüchtlinge zugute. Er leistet der Mahnung Papst Franziskus Folge, die Christen sollten ihre Kräfte vereinen, um Flüchtlingstragödien wie in Lampedusa zu vermeiden. Mit der Einsetzung des Flüchtlingsbeauftragten Thomas Broch hatte Bischof Gebhard Fürst im Oktober das Thema zur ‚Chefsache’ gemacht. Der Fonds soll außerdem soziale Einrichtungen wie Kindergärten und Krankenstationen sowie die Ausbildung pastoraler Dienste in armen Ländern fördern. „Wir müssen Flüchtlinge hier aufnehmen und würdig unterbringen, wir müssen aber auch mit Partnern vor Ort die Ursachen der Flucht bekämpfen. Das ist eine Investition in die Zukunft“, betonte Domkapitular Heinz-Detlev Stäps, der die Hauptabteilung Weltkirche leitet.

Projekt Gemeinde

Der Diözesanrat hat Konsequenzen aus seinem wichtigsten Anliegen im Dialogprozess gezogen, pastorale Zukunftsmodelle zu entwickeln. Er stimmte den Empfehlungen aus dem zweijährigen Projekt Gemeinde zu und hat sich damit für eine stärkere Beteiligung der Laien, für eine starke lokale Präsenz der Kirche und für eine Entlastung des pastoralen Personals von Verwaltungsaufgaben ausgesprochen. „Wir brauchen lebensbejahende und weltoffene Kirchengemeinden“, erklärte Domkapitular Matthäus Karrer, Leiter der diözesanen Hauptabteilung Pastorale Konzeption. Die „Lebenswirklichkeit der Menschen“ soll schärfer wahrgenommen und Angebote der Kirchengemeinden darauf zugeschnitten werden. Dazu gehört eine karitative Schwerpunktsetzung und die Profilierung der Gemeinden je nach den örtlichen Gegebenheiten. Die katholischen Gemeinden sollen mit den evangelischen, aber auch mit den Kommunen, Vereinen und anderen Einrichtungen am Ort zusammenarbeiten. Indem Laien lokale Leitungsaufgaben übernehmen, werden die Kommunikationswege kürzer. Gleichzeitig können die Gemeinden bestimmte Verwaltungsarbeit auf die Ebene der Seelsorgeeinheit verlagern. Im kommenden Jahr wird die Diözese sich auf der Grundlage einer Studie verstärkt den Ehrenamtlichen widmen.

Mit insgesamt 12,4 Millionen Euro, je zur Hälfte aus dem Diözesanhaushalt und aus dem Kirchensteueranteil der Kirchengemeinden, finanziert die Diözese 15 zusätzliche Stellen in den Dekanaten, um die Seelsorgeeinheiten in den nächsten sieben Jahren in ihrer weiteren Entwicklung mit erfahrenen Beratern zu unterstützen. Auf Diözesanebene werden befristet auf fünf Jahre sechs Stellen bereitgestellt, um diese Berater sowie die mit neuen Konzeptionen und Aufgaben konfrontierten Seelsorger zu begleiten und fortzubilden und die Gesamtkonzeption weiter zu entwickeln.
Die Orientierung der Seelsorge an den Lebensumständen der Menschen am Ort sowie die demografische und finanzielle Entwicklung verändern in den kommenden Jahren auch den räumlichen Bedarf der Kirchengemeinden. Gemeinderäume werden verkleinert oder vergrößert oder auch in soziale Einrichtungen umgewandelt werden. Eine energetische Optimierung ist in vielen Fällen erforderlich, um nachhaltig Ressourcen zu schonen. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat dafür in den letzten Jahren im Kontext ihrer Klima-Initiative eine Datenbank geschaffen, die gezielte Planungen ermöglicht. Der Diözesanrat stockt die Mittel der Kirchengemeinden für den so genannten Standortentwicklungsprozess um sieben Millionen Euro auf. Sie fließen in den sogenannten Ausgleichsstock der Kirchengemeinden ein. Einen Betrag von 400.000 Euro stellt die Diözese als Zuschuss für die Anschaffung des neuen Gebet- und Gesangbuchs „Gotteslob“ in Kirchengemeinden und karitativen zur Verfügung.

„Mit diesen Beschlüssen setzen wir wichtige inhaltliche Akzente für unser kirchliches Handeln“, sagte Generalvikar Clemens Stroppel . Der Vorsitzende des Finanzausschusses Werner Krahl bekräftigte: „Die Strategie unserer Finanzpolitik unter den Blickwinkeln Stabilität, Kontinuität und Weitsicht hat uns Spielräume zur Risikovorsorge und zur Gestaltung konkreter Aufgaben ermöglicht.“

Jahresbericht

Diözese und Diözesanrat veröffentlichen in der kommenden Woche auf ihren Homepages und als Druckversion den zweiten Teil „Finanzen und Statistik“ des Jahresberichts „Fakten und Facetten“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Er enthält auf 88 Seiten umfangreiche Informationen zu wirtschaftlichen Fakten sowie zu vielfältigen Tätigkeitsbereichen der Diözese.

Archiv