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Rottenburg/Rom. 1. September 2016. Als eindringlichen und unüberhörbaren Ruf an die Menschheit zu umfassend nachhaltigem Handeln in der Welt hat Bischof Gebhard Fürst das Schreiben von Papst Franziskus zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung (1. September) bezeichnet. Der Appell des Papstes an das je eigene Gewissen und sein Aufruf, die Welt als von Gott geschenktes gemeinsames Haus aller Menschen zu bewahren, rüttele auf und gehe unter die Haut, sagte Bischof Fürst am Donnerstag in Rottenburg. Es gebe keine Alternative zu einem schöpfungsfreundlichen Handeln, das sich jeden Tag konkret bewähren müsse. Solches ökonomisch, ökologisch und sozial verantwortete Handeln, entscheide über die Zukunft der Erde und das Zusammenleben der Menschen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten, betonte der Bischof.

Er dankte dem Papst für dessen Mühe, die Folgen eines schöpfungsfeindlichen Handeln vor allem seitens der wohlhabenden Länder in aller Eindringlichkeit aufzuzeigen. Franziskus sei es gelungen, die Zusammenhänge zwischen dem dramatischen Klimawandel mit all seinen lebensfeindlichen Konsequenzen, Konflikten und Kriegen, Flüchtlingsbewegungen und sozialen Verwerfungen aufzuzeigen. Diese Sünden gegenüber Gott und seiner Schöpfung, wie der Papst rücksichtlose Umweltverschmutzung und Ausbeutung der irdischen Ressourcen nennt, erforderten tatsächlich eine eingehende Gewissenserforschung jedes Menschen, wie er an und in der Schöpfung handele. Daraus müsse konsequente Verhaltensänderung erfolgen.

Bischof Fürst dankte allen Menschen, die sich in der Diözese Rottenburg-Stuttgart für die Bewahrung der Schöpfung unter anderem seit über zehn Jahren im Rahmen der Klimainitiative engagieren. 2003 richtete der Diözesanrat erstmal einen Ausschuss „Nachhaltige Entwicklung“ und vier Jahre später einen mit 12,4 Millionen Euro ausgestatteten Nachhaltigkeitsfonds ein. 6 Millionen Euro davon sind bestimmt für die Förderung energieeffizienter Baumaßnahmen in Kirchengemeinden, 6 Millionen für schöpfungsfreundliche Maßnahmen der Diözese, 400.000 Euro für Aktivitäten der Bewusstseinsbildung und Verhaltensmotivation. 2010 wurde der Fonds für die darauffolgenden beiden Jahre aus Rücklagen und Zinsen um jeweils 2,75 Millionen Euro aufgestockt, 2013 um weitere 2 Millionen. Ende 2014 wurde allein für den Bereich Kirchengemeinden ein Gesamtzufluss von 17,5 Millionen Euro verbucht.

Die Kirchengemeinden haben bisher mehr als 73 Millionen Euro für rund 500 schöpfungsfreundliche Maßnahmen aufgewendet, von Reduzierung des Energieverbrauchs, Nutzung regenerativer Energiequellen über energetische Untersuchung von Kirchenheizungen bis zu Kleinmaßnahmen bei Sakralgebäuden und Denkmälern. 13 Millionen Euro wurden dazu aus dem Nachhaltigkeitsfonds bewilligt. Seit Herbst vergangenen Jahres sind alle Tagungshäuser der Diözese nach einem aufwändigen Zertifizierungsprozess mit dem Umweltsiegel EMAS ausgestattet.

Bis zum kommenden Sommer liegt für die Diözese ein Integriertes Klimaschutzkonzept vor. Die dafür erhobenen und ausgewerteten Daten werden es der Diözese erstmals möglich machen, ein Klimaschutzziel zu erarbeiten und damit eine Aussage darüber zu treffen, wieviel CO2 bis wann eingespart werden soll. Unter den Diözesen Deutschlands gehört die Diözese Rottenburg-Stuttgart zu den ersten, die ein umfassendes Klimaschutzkonzept auf Basis belastbarer Daten anstreben. Die Erzdiözese Köln verfügt bereits über ein entsprechendes Konzept.

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