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Rottenburg. 21. Oktober 2017. Nach Beobachtung kirchlicher Fachleute erfordert es immer mehr Kreativität seitens karitativer Organisationen, Menschen für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen. Ehrenamtliche Tätigkeit sei in den vergangenen Jahren zunehmend vielgestaltiger und vielfältiger geworden, hieß es bei einem von der Diözese Rottenburg-Stuttgart veranstalteten Kongress „Ehrenamt verbindet“ am Samstag in Rottenburg mit 450 Teilnehmern. Unter anderem beteiligten sich acht katholische karitative Verbände.

Übereinstimmend wurde gefordert, Ehrenamtlichen mehr Anerkennung und Respekt  zu zeigen. Sie bräuchten zudem verlässliche Rahmenbedingungen und Möglichkeiten, ihr Engagement mit kompetenter Begleitung zu reflektieren. Paul Stefan Roß, Professor für Sozialwissenschaft von der Dualen Hochschule Stuttgart, beschrieb Ehrenamt als „vielfältiges Engagement in einer offenen Gesellschaft“ und zeichnete eine Entwicklung hin zu einer Form „Ehrenamt 4.0“. Individuelle Interessen und Neigungen von Engagierten spielten heute eine viel größere Rolle als noch vor 20 Jahren. Dies fordere Sozialverbände heraus, passgenaue Angebote fürs freiwillige soziale Engagement zu machen.

Zum einen hat sich Roß zufolge die Gestalt von Ehrenamt durch beruflich und familiär bedingte Mobilität und Flexibilität gewandelt, aber auch durch die digitalen Netzwerke. Die Bereitschaft von Menschen zum Ehrenamt sei nicht gesunken, habe aber an Stetigkeit verloren. „Ehrenamt 4.0 ist ausgesprochen vielfältig und damit auch unübersichtlich, spannungsreich und widersprüchlich“. Roß mahnte karitative Organisationen, nicht bei früheren Formen von Ehrenamt stehen zu bleiben, sondern der gesellschaftlichen Realität Rechnung zu tragen. Noch mehr als bisher, hieß es beim Kongress, werde deutlich, dass die Person maßgeblicher sei als die Funktion.

Im kommenden Jahr  richtet die Diözese Rottenburg-Stuttgart zehn Stellen für sogenannte Ehrenamtskoordinatoren ein, die freiwilliges Engagement vernetzen und weiterentwickeln sollen.

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