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Rottenburg/Stuttgart. 5. Juli 2016. Die erste Aufgabe eines Erwachsenenbildners sei das Erkennen der „Zeichen der Zeit“, sagt der Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung (keb) in der Diözese, Michael Krämer. „Über aller Kompetenzvermittlung steht ein prophetischer Auftrag“, so seine Überzeugung nach knapp 30 Jahren Erfahrung in der Bildungsarbeit der Diözese.  Zum Ende des Monats geht Michael Krämer (65) in den Ruhestand. Am Freitag (8. Juli) wird der Theologe, Germanist und Philosoph im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart offiziell verabschiedet.

 „Bildungsunverdächtige Orte“ und „Flüchtlingsarbeit“ führt Krämer an, wenn es um Beispiele für „Zeichen der Zeit“ geht. Längst nicht mehr nur in geschlossenen Räumen sei die keb zu Hause, sondern auch im Kino, im Café und in der Kneipe, auf Gartenschauen und Flohmärkten, sagt Krämer. Mit Eintreffen der Flüchtlinge Anfang 2015 habe die keb ganz neue Veranstaltungsformen und Modelle entwickelt: neben Sprachkursen für Flüchtlinge vor allem Veranstaltungen zur gesellschaftlichen Bewusstseinsbildung und mit großer Resonanz solche, die Unterstützung bieten für Haupt- und Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit.  

Als Vorsitzender der Kirchlichen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (Kilag) hatte Krämer sich im vergangenen Jahr nachdrücklich für das Bildungszeitgesetz und den Weiterbildungspakt in Baden-Württemberg eingesetzt. Dass diese Neuerung nun wieder in Frage gestellt werde, hält er keineswegs für das richtige Zeichen in dieser Zeit: „Letztendlich bin ich mir sicher, dass das Gesetz sogar für die Wirtschaft von Vorteil ist“. Durch Weiterbildung blieben Menschen reflexionsfähig und motiviert, kämen mit neuen Ideen und fühlten sich als Menschen wertgeschätzt. „Das Angehen der Wirtschaft gegen das Gesetz dürfte bei den betroffenen Menschen den Eindruck erzeugen, dass sie nur als Rädchen im Getriebe, das gut geölt sein soll, gesehen werden. Nicht aber als Menschen, die sie vor allem sind“, kritisiert Krämer.

Seiner Leidenschaft, dem Lesen, wird Krämer Im Ruhestand vermehrt nachkommen und dann auch seine vor 30 Jahren erstmals angebotene „LiteraTour“ nach drei Jahren Unterbrechung wieder fortsetzen: In Zusammenarbeit mit der keb geht der Literaturwissenschaftler jeweils im Herbst mit einer Analyse und einem Überblick über rund 100 Neuerscheinungen deutschsprachiger Autoren auf Tour durch Baden-Württemberg.


Michael Krämer wurde 1950 in Holzwickede bei Dortmund geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. In Münster studierte er Katholische Theologie, Germanistik und Philosophie. Seine Promotion schrieb er über die Lyrik Paul Celans beim späteren Limburger Bischof Franz Kamphaus  und dem Fundamentaltheologen Johann Baptist Metz.

Von 1978 bis 1980 war er Kulturreferent an der Thomas-Morus-Akademie in Bensberg, anschließend bis 1987 Dozent für praktische Theologie und Religionspädagogik an der Uni Bielefeld. Seit 1987 ist Michael Krämer als Referent in der Erwachsenenbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart tätig, seit Oktober 2009 ist er deren Leiter.

In den Jahren 2014 und 2015 war Krämer Vorsitzender der Kilag, 2013 und seit 2016 deren stellv. Vorsitzender.

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