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Rottenburg/Wernau. 12. Juni 2016. Als erfrischend und ermutigend hat  Bischof Gebhard Fürst den Dialog mit Teilnehmern am „#jugendforumEvent“ am Samstag (11. Juni) in Rottenburg bezeichnet. „Jugendliche sind Gegenwart und Zukunft unserer Kirche, wir müssen uns immer wieder neu auf sie einlassen und gemeinsam mit ihnen unterwegs sein“, betonte der Bischof. Er sicherte zu, auch weiterhin an den regelmäßigen Jugendforen in der Diözese festzuhalten. Bischof Gebhard Fürst, Weihbischof Thomas Maria Renz, Generalvikar Clemens Stroppel sowie weitere Mitglieder der Diözesanleitung trafen sich im Bischöflichen Ordinariat zum Austausch und zur Diskussion mit rund 100 Jugendlichen aus der ganzen Diözese.

Auf großes Interesse stieß, ebenso wie bei den vorangegangenen Jugendforen, das Thema „Liturgie und (Jugend-)Gottesdienst“. Diözesanjugendseelsorger Stefan Karbach erläuterte, es fehle für Jugendliche vielerorts eine eigene Form der Spiritualität, losgelöst von Form und Uhrzeit einer traditionellen Eucharistiefeier am Sonntagmorgen.  Mit  entscheidend bei der Gestaltung eines solchen Angebots sei dabei  die Einbindung von Musik, die junge Menschen anspreche. „Jugendliche wünschen sich eine Liturgie,  in der sie ihre Lebenswelt wiederfinden“, so das Leitungsmitglied des Bischöflichen Jugendamts. Bischof Gebhard Fürst versprach zu prüfen,  auf welche Weise der in diesem Gesprächsforum formulierten Forderung nach einer eigenen Ansprechstelle für Jazz- und Popmusik beim Amt für Kirchenmusik Rechnung getragen werden könne.

Als offenes Gespräch, in dem ein Miteinander möglich war, hat Generalvikar Clemens Stroppel den Austausch im Gesprächsforum „Sexuelle Vielfalt und Lebensformen“ bezeichnet. Kritik und Einschätzung der Jugendlichen, Kirche lehne gleichgeschlechtliche Partnerschaften ab, entgegnete er, dass sich eine homophile Beziehung nicht gegen die Institution Ehe richte. „Wo es um Liebe, Verantwortung und Treue geht hat Kirche kein Recht, den Wert einer homophilen Verbindung gegenüber der Ehe abzuwerten“, sagte Stroppel. Die Bitte der Teilnehmer, Bischof und Kirchenleitung das fortdauernde Unverständnis der Jugendlichen in Bezug auf die Argumentation der Nicht-Zulassung von Frauen zu Weiheämtern vorzutragen, nahm Clemens Stroppel auf.

Diözesanjugendseelsorger Stefan Karbach versprach, die Gesprächsergebnisse und Forderungen der Jugendlichen aus allen zehn Gesprächsforen im Blick zu behalten: „Ich sehe uns in der Pflicht, dass davon nichts verloren geht“, sagte er.

Die Themen der Gesprächsforen waren Resultate der seit Oktober 2015 dezentral in der Diözese stattfindenden Veranstaltungen zum #jugendforum, die Bedürfnisse und Anliegen junger Menschen an Kirche sammelten.

Aus über 100 Rückmeldebögen von Religionsklassen, Ministranten-, Firm- und Verbandsgruppen mit ca. 2000 beteiligten Jugendlichen ermittelte die diözesane Steuerungsgruppe zehn Themenbereiche. Zu folgenden Themen fanden Gesprächsforen statt: „Jugend und Schule“, „Will die Kirche Jugendliche beteiligen? Wenn ja, was braucht es dazu?“, „Personal in der Jugendarbeit“, „Was glaubst Du?“, „Zukunftsvision Kirche“, „Junge Menschen in Krisensituationen – wo ist da die Kirche?“, „Positionierung und soziales Handeln der Kirche“, „Liturgie und (Jugend-)Gottesdienst“, „Sexuelle Vielfalt und Lebensformen“, „Bedürfnisgerechte Firmung“.

Das Jugendforum der Diözese Rottenburg-Stuttgart findet seit 1991 circa alle fünf Jahre statt. Es ist das Ergebnis einer Vereinbarung der Rottenburger Diözesansynode 1985/1986 und ist in dieser Form einmalig innerhalb der Diözesen Deutschlands. Ziel des Forums ist es, durch den Dialog der Kirchenleitung mit Jugendlichen die Jugendarbeit und Jugendseelsorge in  der Diözese weiterzuentwickeln. Das letzte Jugendforum fand seinen Abschluss 2010 in Wernau. Veranstalter des Jugendforums ist das Bischöfliche Jugendamt in Wernau im Auftrag der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

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