Nachrichten

Er predigt nicht nur Frieden, sondern setzt sich aktiv dafür ein. Edward Hiiboro Kussala (53), katholischer Bischof im südsudanesischen Bistum Tambura-Yambio und Vorsitzender der gemeinsamen Bischofskonferenz in beiden sudanesischen Staaten, dankt der Diözese Rottenburg-Stuttgart für ihre Unterstützung.

"Wir dachten, wenn die Unabhängigkeit kommt, wird alles besser", beschrieb Bischof Kussala bei einem Besuch in Rottenburg die Hoffnungen der Menschen 2011 im christlich geprägten Südsudan. "Aber es kam der Krieg", fügte er mit einem Stirnrunzeln hinzu. Ein Jahr nach der Unabhängigkeit vom muslimisch geprägten Sudan zerbrach die Regierung. Die Anhänger des entlassenen Vizepräsidenten, die einer anderen Volksgruppe angehören, kämpfen seither gegen die Machthaber. Die Leidtragenden sind die Bewohner des Landes. Die Wirtschaft ist kollabliert, Wasser, Strom und Schulen fehlen. Viele starben oder flohen in Nachbarländer.

In dieser Situation wirbt die katholische Kirche um Vertrauen auf allen Seiten. "Ich bin selbst in den Busch gefahren, habe mit den Rebellen gesprochen und sie in Kontakt mit der Regierung gebracht", sagte Bischof Kussala. Nicht immer ist der Kirchenmann so erfolgreich, aber er gibt die Hoffnung nicht auf. Die Kirche nimmt inzwischen eine anerkannte Vermittlerrolle ein. Der Dialog selbst sei schon ein großer Erfolg, betont der Bischof. Er fordert nicht nur die Nachbarländer auf, im Blick auf Frieden Druck auf die südsudanesische Regierung auszuüben. Sein Weg nach Rottenburg führte über Berlin, wo er Vertreter der Bundesregierung um Unterstützung bat.

Dieses kirchliche Engagement für Dialog und Frieden ist nicht zuletzt durch die Solidarität von Priestern aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart möglich, die seit 1980 im Rahmen der sogenannten PRIM-Hilfe auf einen Teil ihres Gehalts verzichten. Damit wird der Lebensunterhalt aller Diözesanpriester im Südsudan, im Sudan und weiteren Ländern jährlich mit 750 Euro langfristig bezuschusst. "Ohne diese Unterstützung hätten wir viele Priesterberufungen verloren", zeigt Bischof Kussala überzeugt. Als junger Seelsorger profitierte er selbst davon. In Rottenburg dankte der Vorsitzende der sudanesischen Bischofskonferenz für die Hilfe und bat die deutschen Glaubensgeschwister um deren Gebet.

Markus Waggershauser

Domkapitular Heinz Detlef Stäps, Leiter der Rottenburg-Stuttgarter Hauptabteilung Weltkirche, reist im Januar 2018 mit einem Vertreter von Caritas International in den Südsudan, um Möglichkeiten einer weiteren Unterstützung der Friedensarbeit, der Flüchtlingshilfe und der Gesundheitsversorgung zu sondieren.

Archiv